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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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855
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C. Kirchliche und religiöse Dichtung 855

a) Prosawerke. Briefe. Es sind im ganzen 107 Stücke erhalten, dievon Beaugendre in drei Bücher nach einem unmöglichen Prinzip ge-bracht worden sind, 1 nachdem sie in den Handschriften anscheinend ohnechronologische oder systematische Ordnung kopiert waren. Hier war jeden-falls eine Auswahl nach nicht mehr erkennbarem Grundsatz getroffen, dieunmittelbare Folgezeit sah aber in ihnen ein Muster von Eleganz des Stilsund von Feinheit im Tone, so daß Petrus von Blois 2 sie auf Befehl seinesLehrers fast auswendig lernen mußte. Die Briefe 3 richten sich an weltlichewie geistliche Fürsten, vielfach auch an Mönche und an religiöse Frauen.Zuweilen liest man in ihnen eine Anführung aus Vergil (1, 12) oder Ovid(1,11) oder Seneca (3, 35), auch Cyprian wird in ihnen benutzt. 4

Die Ueberlieferung ist ungemein reichhaltig, allein 24 Hss. in Paris, darunter besondersParis. 17468 s. XII (vgl. Dieudonne S. 115128), außerdem Berol. Meerm. 182. 183.184, Mus. Brit. Reg. 7 AIV s.XII. Kopenhagen Gl. Kgl. S.43 fol. s. XII u.a. Ausgabenvon'Beaugendre col. 1200, Migne 171, 141312.

Sermones. In der Sammlung, die äußerst umfänglich ist, werden 144Predigten überliefert und zwar 54 De tempore, 33 De sanctis und 57 Dediversis. Die letzteren vielfach Synodalpredigten und Beden über die ver-schiedenartigsten Themen. Auch hier sind Anführungen aus alten Autorennur ganz vereinzelt (63 col. 649A Aen. 6, 854. 66 col. 661D Aen. 1, 630).

Ueberlieferung im Paris. St.Victor 468, Sangerm. 381; Ebroic. 19, vgl. Migne 171,339L Gedruckt bei Beaugendre col. 211880; Migne 171, 343968.

Vita Radegundis. Ein Kleriker Seimanus, wohl in Poitiers, hatte denHildebert gebeten, eine Vita Badegundis zu schreiben. Dieser betont inder Vorrede, 5 daß ihm die Lebensbeschreibungen der Heiligen von Fortunatund Baudonivia vorlägen, daß er aber dem ersteren folgen wolle, da er nachLeben und Würde vorzuziehen sei. Hildebert gibt nun Fortunats Werk ge-treulich wieder, bloß glättet er es stilistisch und macht kleine Zusätze,aber natürlich nicht stofflicher Art, und läßt am Ende einige Wunder weg.

Aus zwei Pictavienses gedruckt bei Beaugendre 885907 = Migne 965986.

De querimonia et conflictu carnis et animae. Diese kleine Schrift istnach Art der Consolatio des Boethius in Prosa und Poesie verfaßt, indem25 Distichen, 32 asklepiadeische, aber zu zweit gereimte Verse, 28 zu zweitgereimte und 33 Hexameter ohne jeden Beim mit Prosastücken abwechseln;am Ende steht ein Gedicht von 11 reimlosen Hexametern. Hildebert sprichthier davon, daß er, mit dem Aufbau seines verbrannten Hauses beschäftigt,eine Erscheinung gehabt habe: Ein Weib sei ihm genaht mit einem Bucheund darin habe der Vers gestanden Gaudeas an doleas, cupias metuasve, quidad rem? Das Weib habe ihm ihre Geschichte erzählt und ihn gefragt, ob ersie nicht kenne, endlich habe er sie als seine Seele erkannt. Und in langemGespräch berühren nun beide den Zwiespalt zwischen Leib und Seele, wo-bei biblische Stellen und Anführungen aus Augustin unterlaufen. Der Dialogverleiht der Schrift eine gewisse Lebendigkeit.

1 Vgl. Dieudonne a. a. O. S. 143f. ihrem Inhalt S. 149218.

2 Petri Bles. ep. 101 (Migne 207, 314A). 4 Ep. 2, 15 col. 223B Cypr. ep. 74. 2, 29

3 Ihre Klassifikation nach Weltgeistlichen, col. 251C Cypr. de bapt. haereticis. Zurreguliertem Klerus, Königen von Frankreich Grammatik und zur Sprache vgl. Dieu-und England, Kaisertum und Papsttum vgl. donne S. 219239.

bei Dieudonne S. 148f. 176f. 202. 214; zu 5 Migne 171, 967A.