C. Kirchliche und religiöse Dichtung 843
leoninischen Distichen. Er habe den Auftrag Gilberts befolgt und sich nachernsten und heiteren Jugendgedichten an diesen Stoff gemacht und stelledas Schicksal seines Werkes ganz in Gilberts Hand. Der Ton des Gedichtsist gegenüber anderen sehr bescheiden gehalten (Wright S. 259). Einezweite Widmung erging an Hugo, Subprior von St. Pankraz zu Lewes ; xvon den 59 Hexametern des Begleitgedichts enden 55 auf -orem. An Lanzo,den Prior, getraue er sich nicht heran, da dessen Seele zu rein und erhabensei. Sonst ist das Gedicht fast ohne Inhalt, da es sich darauf beschränkt,Hugo zu rühmen 2 (Wright 260ff.).
g) Vier weitere Gedichte gruppieren sich um Lambert, den Abt von St.Bertin. Im ersten, das aus 43 Hexametern in Verspaaren 3 besteht, machtRaginald sehr viel Worte, um den Empfänger, dem er den Malchus widmet,Dünstig zu stimmen. Er entschuldigt sich bei dem weintrinkenden Fran-zosen, daß seine Muse so tief stehe, da er in dem biertrinkenden Englandlebe. Aber er möge den Malchus lesen, den er ihm über Meer und Flutensende; am Schlüsse spricht er dann recht ruhmredig von seinem Gedicht.In seiner Antwort — es sind 22 Trinini salientes — dankt Lambert und wid-met dem Raginald hohes Lob: Er habe in seinem Epos die rhetorischenFiguren vermehrt und sein Gedicht sei vollendet; solange Statius, Vergilund Ovid gelesen würde, werde sein Werk nicht sterben, in dem Cato undPlato wieder lebendig würden. In einem zweiten Gedicht — es sind zwanzigLeonini, sämtlich mit monosyllabischem Ausgang 4 — hält Lambert die un-sträflichen Sitten des Malchus und seiner Frau der Welt als Beispiel vor,und in weiteren 17 Leonini erfleht er durch Malchus den Segen des Himmelsauf Raginald. 5
h) Eine zweite Gruppe von Gedichten richtet sich an Anselm von Canter-bury (Liebermann N. 5—7). Sie sind während des zweiten Exils desErzbischofs (1104—-1106) geschrieben 6 und im ersten fragt der Dichter denAnselm, warum er solange in der Verbannung verweile; er gibt seinerTrauer und seinem Schmerze über die Abwesenheit des englischen Primaswiederholt Ausdruck. Im zweiten Gedicht klagt er das Geschick an, dasEngland die Anwesenheit Anselms geraubt habe. Im dritten aber hat er dieHoffnung, daß der Erzbischof bald zurückkehren werde. Er sei ihm nämlichin der Kleidung und Tracht der Verbannung im Traume erschienen, seiauf ihn zugekommen und habe ihn angeredet: Er wisse, daß Raginald wegenseines Exils in Trauer sei, aber dieser werde ihn bald wiedersehen; und erbitte ihn, seinen Malchus nicht vor seiner Rückkehr herauszubringen, erwerde dann dem Gedicht zu Ruhm verhelfen. Hiermit steht in Zusammen-bang ein Gedicht, das Raginald dem gleichnamigen Neffen Anselms sandte,der vom Oheim während des Exils des Studiums wegen in Canterburyzurückgelassen war. Auch hier 7 bedauert es der Dichter sehr, daß der Erz-
1 Nach Liebermann der spätere Abt von 4 Nach Ausonius Technopaegn. Vff. (?)Reading, 1130 Erzbischof von Rouen. 5 Liebermann N. 1—4.
2 Vs. 5 Bitrisci volucris formam sequor, 6 Sie bestehen aus 27 leoninischen Disti-nach Ducange 1, 693 = ardea. chen und 10 und 73 leoninischen Hexa-
3 Abwechselnd zwei Leonini und zwei metern.
Verse, die den Reim von Ad Aimericum ' Das Gedicht (Liebermann N. 17) zähltund Ad Fagiam haben. 56 Leonini.