842 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Stellung und zur Berühmtheit aufzusteigen. Ohne die Gesetze der sapphischenOde zu verstehen, könne er die Kunst nicht innehaben; so müsse er Horazlesen und nachahmen und seine Oden singen. Und als einzigen Lohn werdeer, Raginald, es betrachten, wenn ihm Osbern im Odenmaß schreiben werde. 1
c) Einem Johannes (18), einem jungen Mann im Kloster, den der Dichtermehrfach wohl scherzhaft als seinen ^papct 1 bezeichnet, 2 widmet er ein Ge-dicht von dreißig leoninischen Pentametern (vgl. Auson. XXII, I, VII P.)das eigentlich ohne Inhalt ist, außer daß Raginald angibt, daß JohannesGottes wegen Vater und Mutter verlassen habe und ein Allobroger — alsoSüdfranzose ■— sei und in St. Austin's als Mönch eintrat. Er gibt ihm sehrdeutlich zu verstehen, daß er durch sein Gedicht berühmt gemacht werde.
d) Eine ganze Anzahl meist kürzerer Stücke (Liebermann N. 20—28)sind den in St. Austin's bestatteten Heiligen gewidmet, nämlich den siebenersten Erzbischöfen von Ganterbury, 3 König Aethelbert und Königin Berta,der Tochter Chariberts, und deren fränkischem Begleiter Letard (Liudhard)und der Aebtissin Mildthryth von Thanet. Und in dem Gedicht 29 hat ervon zwanzig Persönlichkeiten, die in St. Austin's bestattet oder verehrtwurden, in je vier leoninischen Versen ein Gesamtbild gegeben. Die beidenletzten Stücke der Sammlung aber sind dem Chor der Kirche gewidmet;im ersten von 20 Hexametern, die die Silben der Penthemimeres und Hephthe-mimeres und die Endsilbe gereimt haben, wird alt und jung zu andächtigemSingen auf dem Chor aufgefordert, und im zweiten wird die Zahl der 24Älteren auf dem Chor der gewohnten Symbolik unterzogen. Die andernGedichte hängen aber sämtlich mit der Versifikation der Vita Malchi zu-sammen.
e) Vita s. Malchi. Dies noch ungedruckte große Epos von etwa 4000Versen in sechs Büchern begann Raginald auf den Wunsch des Abtes GilbertCrispin von Westminster (1082—1117) zu schreiben, als dieser Jugend-gedichte leichteren Inhalts von Raginald kennen gelernt hatte. Vielleichthatte Gilbert ihm die Quelle für die Dichtung Hieronymus 4 angegeben.Verfaßt ist das Gedicht bald nach 1100, veröffentlicht wurde es zwischen1104 und 1107. Auch hier ist Raginald ungemein vielseitig in wechselndenReimen, doch finden sich auch rhythmische Teile. Die Allegorie spieltdarin eine große Rolle und Monologe werden öfters verwendet. Der Ver-fasser gestand in einem Widmungsbriefe an Hildebert zu, daß er manchesFormale aus dessen Dichtungen entnommen habe. — Das Gedicht befandsich zu St. Austin's s. XV. dreimal 5 und ist heute in drei Handschriftenüberliefert.
f) Die ursprüngliche Widmung des Malchus scheint die an Gilbert Crispinvon Westminster gewesen zu sein. Raginald begleitete sie mit zwanzig
1 Vs. 13ff. geht auf Hör. C. 1, 1, 1 und 1, neun mit Ede sub hac, also vorn reimende2,1; 31 fidibus canoris C. 1,12,11; 67 fidicen Verse. Was Liebermann a. a. O. S. 549Latinae legis Ep. 1, 19, 32f. n. 1 sagt, ist nicht richtig.
2 8 meus est papa puerque meus . '. . papa 4 Prol. Quem vir Ieronimus temptavit scn-tamen meus est, 30 Papatumque tuum det bere primus.
deus esse ratum. 6 M.R. James, The anc. libr. of Cant.
3 N. 20 nennt er Versus inversi; neun and Dover S. 360, 1406 Malchus. 1407 Mal-Hexameter beginnen mit Patre sub hoc und chus. S. 370, 1494 Malchus Reginaldi.