844 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
bischof nicht aus der Verbannung zurückkehren wolle und er spendet demjungen Anselm alles Lob. Und Anselm möge völlig über ihn befehlen, dochsei er damit nicht einverstanden, daß Konrad 1 ihn von ihm trennen wolle-aber er möge deswegen beruhigt sein.
i) Sechs weitere Gedichte beziehen sich auf den Prior von Christ Church 2in Canterbury. Im ersten wendet sich Raginald zu seinem Werke: Es habenicht weit zu gehen, sondern könne in einer Stunde den Weg hin und zurückmachen, und es möge den Prior Arnulf aufsuchen und möge ihn um Ent-schuldigung bitten, daß er ihm bisher noch kein Gedicht geschickt habe.Im zweiten Stück versichert Raginald den Prior, daß nichts seiner würdigsei als ein über ihn gedichtetes Epos. Der Ruhm des Gelehrten, meint derDichter im dritten Stück, sei ewig, alles übrige vergehe; und im viertenschmeichelt er dem Prior als Gelehrtem. Mit dem fünften erst kommt erzur Hauptsache, er schickt ihm den Malchus: „Ganz England wird ihnlieben, wenn du ihn schätzest"; zugleich bezeichnet er die Mönche Konrad,Eadwin und Herembold als die geeigneten Kritiker des Werkes. Endlichhäuft er in seiner gewohnten Weise in einem sechsten Stück alles Lob aufPrior Arnulf. 3
k) Mit einem Gedicht von 54 Leonini 4 schickte Raginald den Malchusan den Abt Stephan von Noyers. Die Muse wird gebeten den Malchus nachder Touraine zu tragen, wo Noyers liegt, dessen verehrungswürdigem Abtesie das Gedicht mit der Bitte bringen soll, daß die Mönche es lesen mögen.Er selbst werde bald nachfolgen.
1) Zwei Gedichte beziehen sich auf Gozelin, den Hagiographen in Can-terbury, ehedem Mönch in St. Bertin. Im ersten 5 sagt Raginald, er fühlesich gedrungen, den Malchus an Gozelin zu senden, denn dieser kenne jedeArt von Gedicht und sei voll von Poesie, wie der Himmel voll von Sternen.Und damit beginnt eine sehr ermüdende Aufzählung von 78 gefüllten Dingen(Vs. 12—42), künstlich gesucht und in der Aneinanderreihung 6 höchst leb-los. Dann wird Gozelins Dichtung über alles Maß gelobt und um seine Kritikdes Malchus gebeten. Höchst sonderbar ist ein zweites Gedicht sowohl nachForm wie Inhalt. Es enthält 77 Verse, und zwar je drei in 25 Strophen, um-fassend ein leoninisches Distichon und einen Vers aus drei Choriamben undeiner Nachschlagssilbe. 7 Den Stoff bildet ein Vergleich der Theorie der Musikmit der Trinitätslehre, wobei Vs. 10 f. auf Martianus Capella 2, 107 zurück-geht. Die hier von Raginald angewandte Allegorie ist aber für das Ver-ständnis beinahe undurchdringlich trotz der Verwendung 8 von Horaz undVergib
m) Das letzte dieser Gedichte gehört nicht Raginald, sondern dem Erz-bischof Thomas IL von York (1109—1114) an. Dieser bedankt sich nämlich
1 Nach Liebermann wohl der 1108 er- 6 15 vermibus Indus, 17 monachis Clunia-hobene Prior von Christ Church. cum; 40 üt Mulucca fimo, Tiberis lue, Ba-
2 1096—1107, dann Abt von Peter- grada limo nach Sallust (und Sil. Ital. 6,borough. 141 f. ?).
3 Liebermann N. 8—13, und zwar 22, ' Vs. 76f. sind Trinini salientes. Vgl.17, 14, 16 Leonini, 15 Caudati, 21 Leonini. Auson. XXII, I, VI.
4 Liebermann N. 15. 8 Vs. 34 ist Verg. Aen. 6, 646 und 73 ist6 Es enthält 72 Leonini, Liebermann Hör. A. P. 152.
N. 15.