828 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Dieser läßt die Jungfrau in einen brennenden Scheiterhaufen werfenaber das Feuer verschont sie, und mitten in den Flammen richtet sie einenLobgesang an Christus. Da zwingt das Volk den Aspasius zur äußersten Ge-walt, er läßt sie mit dem Schwerte hinrichten (150 Distichen). Auch hierist die bei Petrus gewohnte Rhetorik oft zu erkennen. 1
Aus Vergil stammt Vs. 107 litus arare Aen. 7, 798 und 141 Phebea lampade Aen. 4, 6.Das Wort sacrifex (= sacerdos) Vs. 253 und 267 geht wohl auf Kenntnis von Hildebe'rtsDichtungen zurück. Selten ist die Quantität Jesus Vs. 233. 2 Die Zuerteilung des Gedichtsan Petrus geschah durch Haureau, Not. et extr. 29, 2, 361 und 31,1,98. Hss. Paris4214 s. XII f. 100, Arsenal 1136 f. 49. Vat. reg, 344 s. XII—XIII. Turic. civ. 58/275s. XII ex. f. 32a, Bern. 710 s. Xllf. 75a, Kopenhagen Kgl. S. 1905. 4°, saec. XII/XIII. Aus-gaben: Unter Hildeberts Namen C. Barth, Adversaria L. 31,13. Hildebert ed. Beau-gendre 3 col.1249 = Migne 171,1307; Haureau, Le Mathem. de Bernard Silvestris et laPassio s. Agnetis de Pierre Riga, Paris 1895, und J.Werner, Beitr. z. Kde d. Lit. desMA.S. 65. Zu den Bearbeitungen der Legende vgl. Biblioth. hagiogr. latina ed. Bollandiani1, 26—28 und Suppl, p. 9. — Hugo von Trimberg kennt das Gedicht und weiß, daß es ausdem Floridus aspectus stammt, er berichtet nämlich Registr. mult. auct. 631 (Wiener SB.116, 178) Ex aspecto florido virginis Agnetis Est excerpta passio inetri cincla metis, es folgendie zwei ersten Verse in Haureaus Fassung.
Vita s. Eustachii. Der Heilige, ursprünglich Placidas genannt, nachseiner Konversion mit christlichem Namen Eustathius, volkstümlich Eu-stachius geheißen, ist erst in neuerer Zeit näher bekannt geworden. 4 Das Ge-dicht aus dem Floridus aspectus wird schon von Hugo von Trimberg genannt 5und besitzt in seinem letzten Teile drei Fassungen, von denen Audomar. 115die beiden kürzeren Fassungen (458 6 und 404 Verse) und Paris. Arsenal 1136die längere (492 Verse) überliefert. Im allgemeinen weichen sie nicht starkvoneinander ab, man sieht aber, daß Petrus eine Erweiterung der christ-lichen Schilderungen vornahm, nachdem er vorher einige Abstriche ge-macht hatte.
Der erste Abschnitt ist sehr lobrednerisch für Placidas. Bei Gelegenheiteiner Hirschjagd offenbart sich ihm ein Hirsch als venator peccatorumund predo reorum und fordert ihn auf, zum Christentum überzutreten.Placidas erzählt das seiner Gemahlin, und beide lassen sich taufen undnennen sich fortan Eustachius und Theospitis. Nun kommt jener Hirsch zuihm und stellt ihm die Kenntnis heiliger Dinge in Aussicht; sollte er dafürleiden müssen, so werde er ihm helfen. Aber Unglück bricht über das Hausdes Eustachius herein, er flieht mit Weib und Kind von dannen und gewinntein Schiff, mit dem er übers Meer fährt. Als er das Schiffsgeld nicht zahlenkann, bemächtigt sich der Schiffer seiner schönen Frau. 7 Er selbst fährtmit seinen zwei Söhnen weiter und als sie ans Land steigen, werden beideKnaben von wilden Tieren gepackt, jedoch von Hirten gerettet. Der unglück-liche Vater findet Aufnahme bei Dasilus, wo er durch Sklavendienste fünfzehn
1 Vgl. Vs. 13f. 37f. 51—54. 61—64. 205— pore Traiani — fraudarat inani Vs. lf.208. 6 Diese Verszahl besitzt auch Arundel 23
2 Auch in diesem Gedicht fehlt der Reim s. XIV, aber dort besteht das Gedicht ausgänzlich. Distichen. Die kürzere Fassung im Audom.
3 Sehr fehlerhaft! 115 beginnt mit Vs. 305, die längere im Ar-
4 Seine Acta graece et latine in Analecta senal 1136 mit Vs. 327.
Bolland. 3, 66—112. 7 Vs. 143 vulnus. . . caecum wohl nach
5 Reg. mult. auct. 621 (Wiener SB. 116, Verg. Aen. 4, 2. 215 Rerum naufragio nach178) Sequitur Eustachii passio beati Cum Caton. Monost. 6. Ein seltenes Wort istfiliis et coniuge pro domino cruciati: Ton- 176 prororare.