826 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Gedruckt sind nur einzelne Stücke, wie das Buch Esther von Casp. Barth, Adversaria3115 und Prologe wie Fragmente von Leyser p. 697—727. Benutzung fand das Werk aufsreichlichste in den Distinctiones monasticae aus dem 13. Jahrhundert, vgl. die Stellen beiPitra, Spicileg. Solesmense 2, 255. 279. 288. 307. 325. 332. 381. 441. 447. 3,13. 171. —Vgl. Haureau, Not. et extr. 4, 295ff. Sehr notwendig ist zunächst eine kritische Durch-sicht und Sammlung aller Prologe und eine Sichtung der Ueberlieferung. Vgl. Hist litt17, 26—35, Nachträge 30, 608 ff.
b) Floridus aspectus. Der Dichterruhm, des Petrus ist schon verhältnis-mäßig früh zu Erzbischof Samson von Reims gedrungen und dieser bat ihnschließlich gegen Ende 1 seiner Regierungszeit (1140—1161) um eine Samm-lung seiner früheren Gedichte. Petrus erfüllte den Wunsch und bedauertnur in der Widmung, daß der poetische Inhalt der Sammlung keineswegsschöne Rhythmen besitze, womit er w r ohl auf die Einfachheit des Reimeshinweisen will, der für uns aber zuweilen verkünstelt genug ist. Die Samm-lung wurde früher unter Hildeberts Werken gedruckt, doch haben Haureauund Fierville die Autorschaft des Petrus unwiderleglich bewiesen. Undhierzu kommt als Bestätigung, daß sich in Clairvaux 1472 ein Buch mitder Aufschrift befand Le livre magistri Petri Riga intitule Floridus aspec-tus commencant on second feullet Spiritus et virtus et finissant au penul-tieme Instar honesti. 2 Die vollständigste Überlieferung findet sich im Paris.Arsenal 1136. Doch zeigt diese Handschrift, daß mehrere Ausgaben desWerkes gemacht sind. Und der Inhalt der einzelnen Handschriften ist auchsonst verschieden, sowohl nach Inhalt wie Reihenfolge, und Stücke aus derSammlung sind in andere Dichterhandschriften übergegangen.
Der Inhalt ist recht mannigfaltig und entspricht durchaus dem gelehrtenTheologen, dem das heidnische Altertum wohlbekannt war. Zunächstüberwiegen durchaus Gedichte biblischen Stoffes, und dabei machte essich der Dichter leicht, indem er eine ganze Anzahl Stücke seiner Auroraentnahm und hier als selbständige Gedichte einstellte (vgl. H aureau, Hist.litt. 30, 611—614). So stammt De venditione Ioseph (Querela Iacob deIoseph) aus Aurora Gen. De sompnis Ioseph Vs. 5 bis Planctus Iac.sup. los.Vs. 38. 3 Ebenfalls aus der Aurora sind genommen De lob Noe et Daniele,De tribus donis magorum und De quatuor evangelistis. Das Gedicht Delaude Samsonis archipraesulis 4 richtet sich an den Adressaten, bleibt aberso gut wie inhaltslos, da es nur auf dessen Lob ausgeht. Es folgt eine ganzeAnzahl von Stücken zu einzelnen Gelegenheiten wie De paupere nuper raptoad presulatum, Epitaphium cuiusdam divitis comitissae, De morte hominis,fere et anguis; 5 vielfach sind es Epitaphien, aber auch eine Descriptiocuiusdam nemoris und eine Nachahmung des Hermaphroditus von Matthäusvon Vendöme (Uxor Tyresiae dum pleno venire tumeret), wodurch dessenGedicht aufgelöst und erweitert wird. 6 Aber die Sammlung besitzt auch
1 Aber auch dann noch widerspricht dies 3 Dresd. A 76 f. 6a 2 —7a 1 .
Datum dem Todesjahr des Petrus, das von 4 Nach Beaugendre, Hildeb. opera ed.
Alberich von Troisfontaines auf 1209 fest- Migne 171, 1381ff. N. 17 und nach Fier-
gesetzt wird. Sollte Petrus nach Samsons ville aus dem Audomar. 115 N. 14 (Not.
Tode wirklich noch 48 Jahre gelebt haben? et extr. 31, 1, 92).
Er wäre dann nur ein Jahr später gestorben 5 Nach Anth. lat. 160.
als Bischof Odo von Paris, dem Aegidius 6 Zu diesem und zu De morte hominis vgl.
die korrigierte Aurora widmete. Haureau,Melangespoet.d'Hildebert,Paris
2 Arbois de Jubainville, Etüde sur 1882, p.138 f.l'etat int. des abb. cisterc. etc. p. 458 T 65.