C. Kirchliche und religiöse Dichtung 823
legte er sogar noch ein zweites Einführungsgedicht bei (Stringere paucaübet). Damit aber der Leser sofort zwischen dem Eigentum des Petrusund Aegidius unterscheiden könne, setzte dieser allen von ihm zugedich-teten Versen einen Obelos an die rechte Seite 1 und diese Unterscheidung istin den älteren und besseren Aegidiushandschriften beibehalten. Die weiterenzu den Prologen gehörigen Zusätze des Aegidius möge das Vorwort zumBuche der Makkabäer charakterisieren. Nämlich im Dresd. A120f. lb—147a folgt auf den Heptateuch Ruth, Regum 1—3, Cantica canticorum,Regura 4, Daniel, Job, Tobias, Esther, Judith, hierauf der Prolog zumLiber Machabeorum, der in Vs. 1—8 mit dem des Petrus gleich ist. 2 Darauffolgen vier Distichen, in denen Alexander als der Typus des Antichrist hin-gestellt wird, dessen Herrschaft auf drei und ein halbes Jahr bemessenwird; Alexander aber sei an Vergiftung durch Antipater gestorben. 3 Hieranschließen sich die zwei letzten Distichen vom Prolog des Petrus und end-lich vier Distichen 4 mit dem Epitaph Alexanders 5 und einem Vergleichder zwölf Könige des Antichrist mit den zwölf Aposteln. Nun beginnt beiPetrus und Aegidius der Liber Machabeorum mit zwei gleichen Distichen,dann setzt Aegidius mit seiner gewohnten Allegorie von neuem ein undstellt den Antiochus als Typus des Antichrist auf. Am Ende des Makka-bäerbuches aber, also vor dem Neuen Testament, bezeichnet Aegidiusseine Einlagen für das Alte Testament mit 2000 und für das Neue Testa-ment mit 1333 Versen. 6 Das letzte Einschiebsel des Aegidius im Dresd.A120 ist ein kurzer Prolog zu den Actus apostolorum, in dem er dieseals das Ende seines Gedichts hinstellt. Am Beginn des Neuen Testamentsaber erscheint f. 152 a—154 a ein großer Prolog in Prosa und dann neunDistichen mit der Aufschrift Item alius prologus de eodem ad OdonemParisiensem episcopum und hier heißt es Vs. 11 Munus ab Egydio missum iamsuscipe queso, Magne pater presul Parisiensis Odo. Aber auch sonst ziehensich durch das ganze Werk Erweiterungen, die von Aegidius gemacht wurden,und zwar nicht nur im Sinne von Petrus, sondern auch philosophischen In-halts. So wendet er sich f. 2 a in einem Zusatz zu De opere secunde dieian den Leser mit dem Wunsche, seine Kenntnisse zu erweitern {Harte tenoticiam, lector, habere volens), und erklärt ihm den Begriff des Firmamentsmit einer cristalina spera coloris Cerulei, worüber der Philosoph 7 nicht unter-richtet gewesen sei. Und alle diese Erweiterungen, wie überhaupt das ganzeWerk — d. h. das des Petrus und das des Aegidius — sind reichlich mitGlossen und Randscholien versehen, die gegen das Ende zu ganz verschwin-den. Man sieht hieraus, daß die Aurora für den Schulgebrauch kommentiertworden ist, und zwar hat Petrus vielleicht selbst schon Erklärungen zumTexte gegeben.
1 Nur in wenigen Fällen steht das Zeichen linken Rand.
(eigentlich ein Limniskos ~ ) wie im Dresd. 5 Hunc brevis olla capit, cui brevis orbis
A120 links von den Versen. erat.
2 Abgesehen von unbedeutenden Abwei- 6 Fert hec testa vetus velud ad duo miliachungen. versus. . . Sunt evangelii supplectio mille
Bei Vs. 15 fehlt das Zeichen des Aegi- trecenti Preter tres alios quindetiesque duos.dius am Rande. 7 Darüber als Glosse „Piaton".
Hier stehen die kritischen Zeichen am