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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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822 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

behandelt und meist durch Prologe von einander getrennt. Diese Prologesind zuweilen geschichtlichen Inhalts, wie z. B. der zum Liber Machabeorumeine ganz kurz gehaltene Geschichte Alexanders des Großen in sechs Disti-chen gibt. 1 Am Ende des Alten Testaments steht f. 47 b 1 die Repeticiopriorum sub compendio, wo in 23 Gedichten je ein Buchstabe nach deralphabetischen Reihenfolge ausgelassen wird, 2 wobei jedenfalls das Bei-spiel des Fulgentius in De aetatibus mundi wirksam gewesen ist. Ob auchandere Kopien des ursprünglichen Werkes die Bücher Job und Canticacanticorum ans Ende stellen, wie Dresd. A76, muß erst weitere Untersuchungder Überlieferung lehren.

Von diesem umfassenden Werk, das großenteils in Distichen geschriebenist, hat Petrus später einzelne Stücke in seinen Floridus aspectus aufge-nommen, wo sie als selbständige Gedichte mit eigner Überschrift stehen.Die Überschriften in der Aurora hatte Petrus aber schon recht ausführlichund eingehend gestaltet, um die durch die Bibel gegebene Disposition nochklarer erscheinen zu lassen.

Nun ist die Aurora sehr bald überarbeitet worden, fremde Bestandteilefinden sich frühzeitig in ihr. Wir stießen schon oben auf den Prolog desMagisters Albert von Reims, und an der Wende vom Alten zum NeuenTestament steht ein Prolog, bezeichnet mit ,Item alias prologus de eodem amagistro P. editus\ z was doch wohl heißen sollein andrer Prolog zum glei-chen Stoffe von Magister Petrus". Das kann aber kaum Petrus Riga sein,da dieser sonst fast nirgends Magister heißt, sondern bedeutet wohl einenandern Petrus, der sich auch an der Aurora zu schaffen machte. GroßeVeränderungen aber nahm ein Pariser Diakon vor.

Nämlich Aegidius, Diakon der Pariser Kirche, hat das Werk sehr baldnach seiner Vollendung kennen gelernt und bemerkte in ihm allerhandSchwächen der Komposition. Petrus hatte mancherlei umgestellt und vielesnicht behandelt, da ihm bei der Zusammenstellung viele Konzepte abhan-den gekommen waren und er, durch Interessenten des Werkes gedrängt,manche Stücke nicht an die richtige Stelle gebracht hatte. Und so habe er,Aegidius von Paris nicht der bekannte medizinische Schriftsteller,das alles in Ordnung zu bringen versucht und das Fehlende ergänzt, wiez. B. den ganzen Abschnitt De agno pascali. Über diese Dinge verbreitetesich Aegidius recht ausführlich in einem prosaischen Prologe, 4 den er seinerRezension des Gedichts voranstellte (Fraterne caritalis). Vielleicht aberhat er auch das Distichon ,Scire cupis lector% auf drei Distichen erweitertund, mit Angabe seiner Mitverfasserschaft zurechtgerückt, ganz an den An-fang des Werkes gestellt, 8 falls diese Verse nicht von einem früheren Ab-schreiber stammen. Außerdem aber stellte er dem Werke des Petrus einenpoetischen Prolog von 20 Distichen voran 6 (Initium mundi), und vielleicht

1 Im Dresd. A 76 1.45 a 1 Magnus Alexan-Q findet sich z. B. im Monac. 4698 s. XIII.der nescia fama mori. 3 Im Dresd. A 120 f. 154b.

2 Im Dresd. A 76 f. 47b 1 ; hier fehlt ein * Prologus illius qui librum correxit et sup-Stück von Sine Y und Sine Z ganz. Diese pletiones de suo apposuit.

Gedichte sind gedruckt bei Leyser p.705. 5 Beginnend Huic libro lector si quaens

Vs. 109 Bina luce solet catulus dormire leonis scire quis actor.

stammt aus dem Physiologus. SinelitteraA 6 Gedruckt bei Leyser p.701ff.