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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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821
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C. Kirchli che und religiöse Dichtung 821

als Kanonikus in St. Denis zu Reims und Vorsänger im Dom. Mit demErzbischof Samson stand er in engerem Verhältnisse, denn er widmeteihm auf dessen Wunsch eine ganze Gedichtsammlung. Damals aber hatteer das Hauptwerk seines Lebens schon verfaßt. Nämlich einige seiner Mit-schüler,mit denen er einst die Grammatik erlernt, den Cicero gelesenund in das Labyrinth der aristotelischen Philosophie einzudringen ver-sucht hatte", baten ihn, das Buch Genesis metrisch zu behandeln unddaran einige Allegorien zu knüpfen. Jedenfalls hatte sich Petrus alsDichter über religiöse Stoffe schon ausgezeichnet und die Allegorie warlängst zu einer Hauptforderung geworden, die man an den christlichen Dichterstellte. Über den Wunsch seiner Mitschüler ging nun Petrus weit hinaus,indem er den größten Teil der historischen Bücher der Bibel behandelteund dabei die Allegorie in reichstem Maße anwendete. Dabei ist es aller-dings fraglich, ob er die Actus apostolorum, lob und Gantica canticorum,die z.B. im Dresd. A 76 1 am Schlüsse stehen, wirklich verfaßt hat; Heinrichvon Brüssel schreibt ihm in seinem Schriftstellerkataloge Kap. 22 nur denHeptateuch, zwei Bücher Regum und die Evangelien zu. Nun sind diezahlreich erhaltenen Handschriften des Werkes fast alle voneinander ver-schieden, sowohl bezüglich der Prologe und der behandelten Bücher alsauch bezüglich deren Reihenfolge; die wenigsten scheinen die ursprünglicheFassung des Petrus zu überliefern, die meisten besitzen das überarbeiteteExemplar.

a) Aur o r a. Vielleicht stellte Petrus seiner Dichtung zwei Hexameter voran,ficire cupis, lector, quis codicis istius actor: Petrus Riga vocor, cui Christus petrarigat cor\ Den wirklichen Eingang aber macht ein Prolog in Prosa (Frequenssodaüum) . 2 Hier spricht der Dichter über die Veranlassung zu seinem Werkeund daß er ihm den Namen Aurora gegeben habe. Darauf folgt die RubrikIncipü Aurora et primo de VII diebus mit drei Distichen über den Schöp-fungsbericht (Primo facta die septima complet opus). Vor diesen Versenhat ein Magister Albert von Reims wahrscheinlich ein Freund des Petrus einen Prolog in Prosa eingeschaltet (Omnis scriptura divinilus inspirata),was wohl erst nach Petrus' Tode geschehen ist; jedenfalls hat er damitdiesem einen späten Freundschaftsdienst erweisen wollen, denn das Stückhat im Paris. 15147 die Unterschrift ,Expl. prologus magistri Alberti Remen-sis de utilitate legendi hunc librum 1 . Da dieser Prolog in manchen Hand-schriften fehlt, 3 so könnte man daraus auf seine nur provinzielle Verbrei-tung schließen. Nunmehr beginnt das eigentliche Gedicht, das zu denlängsten Versifikationen des Mittelalters gehört, für unsern heutigen Ge-schmack sowohl wegen seiner allegorischen Deutung des Bibeltextes wieauch wegen der ausgesucht antithetischen und abgehackten distichischenForm unleidlich zu lesen. Die einzelnen biblischen Bücher sind gesondert

1 Diese Hs. aus s. XIII, sorgfältig geschrie- den Lesezeichen versehene Kopie des Aegi-

ben, aber am Anfang unvollständig, scheint diusexemplars, so auch Berol. Harn. 505

sonst die ursprüngliche Fassung des Ge- s. XIII.

dichts zu repräsentieren, die von Petrus 2 Druck bei Fabricius 3, 263.

selbst stammt. Freilich hat dieser die Rei- 3 Er findet sich z. B. in Paris. 15147 und

henfolge der biblischen Bücher verändert. 15153 und Berol. Meerm. 191 f. 2.ist Dresd. A 120 s. XIII eine mit