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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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815
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C. Kirchliche und religiöse Dichtung 815

in dessen bekannten zahlreichen Werken sich kein einziges Gedicht findet,hat J. Huemer richtig erkannt. 1 Es wird vielmehr an einen andern Hugovon Amiens zu denken sein und Huemer hat hierfür den Fingerzeig be-nutzt, den die Gothaer Handschrift gibt. Nämlich diese enthält auch denBrief des Hugo Ribomontensis 2 an einen Grafen von Anjou und hat überdem Worte Ribomontensis von wohl gleichzeitiger Hand sive Ambianensisübergeschrieben. So würde der dem 12. Jahrhundert angehörende Verfasserjenes Briefes auch als der Autor der dem Hugo beigelegten Gedichte zugelten haben.

a) In Pentateuchum. Das Gedicht besteht aus 505 Distichen undfünf Büchern und enthält zuerst einen Brief, in dem Hugo einen FreundWilhelm bittet, das Gedicht, das er ihm schicke, öfters zu lesen und ihmebenfalls seine Gedichte zu übersenden. In einem Prolog von zwei weiterenDistichen erklärt Hugo, daß er zwar über alte Zeiten handle, sich aber hiermitnicht an die Alten, sondern an die Jungen richte, da er sich vor der strengenKritik jener scheue. Das erste Buch behandelt Gen. 126, 11 in ganz sum-marischer Übersicht, nur Gen. 25, 22 f. wird sehr ausführlich in Vs. 211226gegeben. Das zweite Buch reicht von Gen. 27 bis 38, 30 und bringt gleich-falls den biblischen Bericht in einen ganz kurzen Auszug, so daß oft einoder zwei Worte einen ganzen Vers andeuten. Das dritte Buch gibt die Ge-schichte Josephs von Gen. 39, 1 bis 49, 33, das vierte beginnt mit Exod. 1und geht äußerst schnell über die Geschichte des Moses hinweg zu den PlagenÄgyptens und bis zum Aussatze Mirjams (Num. 12,15). Das fünfte fängtmit Num. 13 an und führt die Erzählung bis zu Mosis Tod, berichtet aberaus dem Deuteronomium nur diese Tatsache und übergeht alles übrige.Das Gedicht ist sachlich wie formal sehr unbedeutend, es kennzeichnet sichals die Übung eines Lehrers, einen ausführlichen Prosastoff in kurze Versezu bringen.

Die Epistola eiusdem Willelmo data (Huemer p. 1) Quem tibi mittit Hugo, Willelme,revolve libellum Et memorare mei saepe legendo meum; Aemulus esto mei, scribenti scriptaremilte, Carmina missa michi si tua cuncta placent. Der Prolog ib.p.l Hoc opus ad puerosspectat metuitque severos, Vultque manus iuvenum, sed timet ora senum. Gesta rejert veterum,recolit primordia rerum. Die Hexameter und die Pentameter sind leoninisch gereimt, Vs. 9und 11 sind Trinini salientes. Schlußverse 1009 Qui legis id doni praesta miseratus Hugoni:Supplicet Hugo reus, die: miserere deus.

b) Item eiusdem Hugonis Ambianensis. Der Dichter stellt hierin 82 Fünfzehnsilbern der sehr kurzen Erzählung des Sündenfalls die Er-lösung gegenüber. In höchst schlichter Weise wird die Geschichte Christiberichtet, erst die Jugend, dann die Lehrtätigkeit und schließlich das Leiden;am Ende wird beklagt, daß, während die Heiden des Heils teilhaftig wurden,die Juden bei ihrem Irrglauben geblieben sind.

Das Gedicht besteht aus 19 gleichmäßig gebauten Strophen von je 4 Versen, von denenstets die beiden Paare Binnen- und Endreim zeigen. Die letzte Strophe besitzt 6 Verse,deren beide erste den gleichen Bau zeigen, während die 4 letzten nur am Ende gereimt sind.

1 Hugonis Ambianensis sive Ribomonten- Wäre der Verfasser der Gedichte der Abtsis opuscula (Wien 1880) S. XIV. Die Werke und Erzbischof gewesen, so hätte der Schrei-werden aufgezählt von Fabricius s.v. Hugo ber der Gothaer Hs. sicher eine Notiz da-Rotomagensis und von Haureau, Nouv. von gemacht.

Biogr. generale 25, 441; vgl. Hist. litt. 12, 2 Vgl. Hist. litt. 11,113. Fabricius 2, 277.653ff. Abdruck bei Migne 192,11311351.