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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
808
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808 "Vierter Abschnitt. Die Dichtung

Das siebente Buch erhält eine kurze Einleitung darüber, wie aufmerksamArchitrenius die Reden der Philosophen anhörte. Hier spricht nun Boethiusüber die Ungnade der Mächtigen, Xenokrates über die Wollust und ihreFolgen, Pythagoras gegen die- und Kleidersucht. Dann läßt sich Archi-trenius wieder hören, der über die Strafen jammert, die auf ein lasterhaftesLeben folgen müssen. Doch Thaies, der erste der sieben Weltweisen, ver-weist ihm seine Tränen als unmännlich und spricht dann über GottesfurchtBias über die Liebe zu Gott, Periander über Gottesverehrung, endlich Philoüber die Notwendigkeit, daß Schandtaten verborgen werden müßten.

Das achte Buch bringt einleitend eine Empfehlung des Altertums undeine Klage über die Vernachlässigung der Sitte in der Welt. Dann sprichtPittakus über die Erlangung der Bescheidenheit, Kleobulus über die Tapfer-keit, Solon endlich über die Klugheit und die beste Einrichtung des Lebenssowie über die schnelle Änderung der Sitten nach Atticus Polemo. Damithaben die Reden der Philosophen ihren Abschluß erreicht und der Wende-punkt im Geschick des Architrenius ist eingetreten. Er erblickt jetzt näm-lich 1 die Natur, angetan mit dem höchsten Reize. Alsbald hört er mitWeinen auf und die Natur gibt ihm zahlreiche lehrhafte Unterweisungen,um ihn von seiner verkehrten Anschauung zu heilen. So spricht sie nunzuerst über die zwiefache Art der Sterne (Fixsterne, Planeten), beschreibtihm die Himmelskreise, spricht von den Ergebnissen aus der verschiedenenLage des Horizonts und über Planetenbewegung und endlich über denAufgang der Gestirne.

Doch Architrenius ist nicht recht einverstanden mit der angeblichenWeisheit in der Ordnung der Welt, und die Natur fährt daher im Beginndes neunten Buches mit ihren astronomischen Belehrungen fort und kommtauf die schwierigen Verhältnisse bei den Planeten zu sprechen. Da bittetArchitrenius, daß sie innehalten möge. Er wirft sich ihr zu Füßen und hälteine lange Rede an sie, worauf sie antwortet und ihm ihre Hilfe verspricht.Dabei lenkt sie seine Aufmerksamkeit auf die Erzeugung der Dinge undgeht auf die Liebe ein, doch rät sie ihm ab, eine Magd zu umfangen undEhebruch zu treiben. Vielmehr solle er sich verheiraten, denn sie habe eineglänzende Braut für ihn in Bereitschaft, die ihm den Venusgürtel gebenwerde, dessen Bilder von Vulkan selbst angefertigt seien. 2 Und da sie ihrauch ein herrliches Halsband und andre Kostbarkeiten mitgeben will, sowilligt Architrenius ein, der Ehekontrakt wird geschlossen und die Mitgiftfestgesetzt, zu der auch mannigfaltige Musikinstrumente gehören. Schließ-lich wird das Hochzeitsmahl beschrieben und dargestellt, wie Fortuna derHeirat günstig gewesen sei.

Eine alte Nachricht über das Gedicht bewahrt die Glosse im Vatic.reg. 1812 f. 4 auf, wo es heißt Gervasius 3 de saltu lacteo in elocutionis ar-tificio dicens quod sola inspectio studiosa huius libri sufficit rüdem animuminformare; das ist im Munde eines Klerikers aus dem 13. Jahrhundert nichtzu verwundern, da die allegorische Einkleidung dieses Epos durchaus der

1 Und zwar anscheinend noch auf Thyle, da Stellen aus Dichtern die Grundlage.

von Wanderung seitdem nicht die Rede war. 3 Gervasius Melkeleius schrieb ein Werk

2 Bei der Schilderung dieser Bilder bilden De saltu lacteo.