806 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Architrenii. Und da im Mus. Brit. Reg. 15. C. V steht Istum librum fecit Johannes de Auvillaiuxta Rothomagum, so möchte ich den Dichter nach Auville 1 versetzen. Die Chronologiedes Bischofs Walter nach G am s ergibt sich deutlich aus 1,144 O cuius studio quo remi<>e na-vigat aestu Mundanoque mari tumidis exempta procellis Linconiae sedes ... (151) 0 quem Ro-thomagi sedes viduata marilum Sperat et aspirat. Zum Mangel an Reichtum vgl. 1 87 Nonsum cui serviat auri Massa vel argenti, cui rerum copia mundo Plaudat adulanti, cui Serumpurpura vatis Attitulet nomen, cuius facunda smaragdus Disputet in digitis, vgl. auch 1 54ffDa das Verständnis des Dichters oft nicht leicht ist, wurde er von Hugo Legatus, einem Mönchvon St.Albans.um 1400 kommentiert. Ist der Kommentar im Vat. reg. 1812 s.XV von Hugo,so würde dessen literarische Einleitung beginnen 2 In principio etc. materia huius libri esttragoedia Johannis Hanvillensis ; es folgt ein kurzer Abschnitt über die verschiedenen Artender Dichtkunst und dabei erscheinen als Vertreter der Tragödie Prudentius (Psychomachie),Alanus (Anticlaudian), Bernardus Silvestris (Kosmographie) und Johannes Hauvillensis.'Spätere Humanisten urteilten über das Gedicht: Ludov. Vives in De tradendis discipl. 3(Op. ed. Nicol. Episcopius Basel 1555. 1, 483); Lilio Gyraldi (Opera, Lugd. Bat. 1696.2, 305F), Konrad Gesner inBiblioth. universalis authoreConr. Gesn., Zürichl545, f. 425a!Vgl. im allgemeinen Hist. litt. 14, 569; Wright, Biogr. brit. lit. Anglo-Norman period2, 250ff. und The Anglo-Latin satir. poets 1, XXV ff.
Architrenius. Das Gedicht enthält 4296 reimlose Hexameter undzählt, wie Martianus Capella und der Anticlaudian, neun Bücher. Im Anfangdes ersten Buches spricht Johannes von den großen Schwierigkeiten, dieder Mensch besiegte, um die Natur zu unterjochen, während die Trägheitalles Streben und Leben hemmt. Er wolle sich seine Dichtkunst nicht ver-kümmern lassen, obwohl er in sehr beschränkten Verhältnissen lebe. Ver-dächtig sei ihm das Alter, wenn es an der Jugend nagt 4 und nichts Gutesan ihr läßt. Der Dichter wendet sich dann in einer Apostrophe an Erz-bischof Walter und kommt nun zum eigentlichen Stoffe. Architrenius istzum Manne gereift und verfällt in Zweifel darüber, ob die Natur den Men-schen sündig geschaffen habe und ob er sich nicht von der Sünde befreienkönne. Er will sich daher der Natur selbst nähern, begibt sich auf die Wan-derung und gelangt zum glänzenden Palast der Venus auf einem hohenBerge. Die Göttin wird umgeben von einer Schar reizender Mädchen, dereneine ihm besonders gefällt. Architrenius fängt denn auch sofort Feuer, dochweiß er sich zu beherrschen und wendet seine Blicke auf Amor, dessenKleidung sehr genau geschildert wird. 5 Dann begibt er sich wieder auf denWeg und kommt zu einer Schenke, wo es hoch hergeht, was unserenWanderer zu einem langen Erguß gegen die Völlerei bewegt. Er setzt dieWanderung fort und gelangt nach dem glänzenden Paris.
Freilich bringt der Beginn des dritten Buches die Kehrseite, nämlich diekulturgeschichtlich wichtige Darstellung des Elends der Studenten in Paris:sie wohnen in einem armen Hause bei einer alten Frau, die nur Gemüsekocht, 6 höchstens an Festtagen wird ein Schaf zubereitet. Beim Mahle ser-viert ein schmutziger Kerl 7 und den Wein kauft ein ebensolcher 8 in derStadt ein. Nach dem Essen muß sich der Student auf einen gebrechlichen
1 Anville, Hanvilla (Vat. reg. 370. 1554), aufmerksam, daß man es wohl mit derHantville, Nantville sind die späteren Ver- Modekleidung der damaligen jungen Herrnstümmelungen. Alta Villa schon im Can- zu tun hat.
tabr. Corp. Chri. Coli.406 s. XIII. 6 Nach Vs. 66 gehört auch die Melde
2 Vgl. K. Francke, Forsch, z. deutschen hierzu.
Gesch. 20, 475. 7 Er wird Geta genannt.
3 Vgl. K. Francke a.a.O. S. 475 n.3. 8 Trägt den Namen Birria aus der mittel-
4 1, 66 decorrosiva, senectus. alterlichen Komödie.6 Francke a.a.O. S.477 macht darauf