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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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802
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802 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

e) Contra haereticos. Alan soll im Jahre 1179 auf dem dritten La-terankonzil an der Seite seines Abtes Petrus von Citeaux an den Verhand-lungen teilgenommen haben. 1 Die Richtigkeit der Tatsache ist nicht mehrfestzustellen, jedenfalls aber wurde er durch seinen Aufenthalt in Südfrank-reich auf die ketzerischen Lehren der Albigenser und Waldenser aufmerksamso daß er eine umfängliche Schrift in vier Büchern an den Grafen Wil-helm VIII. von Montpellier verfaßte. Er nennt sie in der Vorrede De fidecatholica und setzt hier auseinander, daß die Häresien der Vergangenheit denGlauben durch die menschliche Vernunft zu zerstören suchten, die Häretikerder Gegenwart aber ohne jede menschliche und göttliche Vernunft nurihrem Willen und ihrem Vergnügen folgten. Das erste Buch richtet sich gegendie Katharer oder schlechthin Häretiker genannt (Albigenser). Es ist sehrausführlich gehalten und bekämpft Dualismus wie Doketismus und vertei-digt die christlichen Sakramente; gegen das Ende erfolgt eine sehr ausführ-liche Zurückweisung der gegen das Abendmahl gerichteten ketzerischenLehren. Sehr übel liest sich in Kap. 63 die Etymologie von Catharus, dasmit catarrhus oder castus oder cattus zusammengebracht wird. Das zweiteBuch bekämpft die Waldenser. Hier kehrt sich Alan im Eingang gegen dieLehre, daß es erlaubt sei, auch ohne Auftrag von Seiten der Oberen zu pre-digen, und daß man Gott allein Gehorsam schuldig sei, sowie daß Segnen,Binden und Lösen an keinen Stand gebunden seien. Im weiteren sprichter über die Beichte und das Gebet, über die eventuelle Erlaubnis von Lügeund Eid und der Tötung eines Menschen. Das dritte Buch wendet sich gegendie Juden und handelt von der Dreieinigkeit, vom Messias, von der GottheitChristi, seinem Leiden und der Himmelfahrt. Und das vierte Buch kehrtsich gegen die Mohamedaner (pagani). Hier weist Alan die AuffassungChristi im Islam zurück und lehnt das Paradies der Moslemin, die Viel-weiberei und die Waschungen ab.

Auch in diesem Werke spielt Boethius eine gewisse Rolle, daneben werdenPlato und Aristoteles sowie der Dialog Asklepius, letzterer sogar mit seinemgriechischen Namen Logostileus 2 zitiert und die Schrift De XII abusivissaeculi verwendet. Das Werk ist gewandt und lebendig geschrieben und läßtrecht klar erkennen, welche großen Gefahren das Christentum damals be-drohten.

Zeugnisse. Zum Unterschied der Ketzereien vgl. Prol. (Migne 210) col. 307 A qui inhoc ab anüquis haereticis differunt, quod Uli hwnanis rationibus fidem nostram expugnareconati sunt, isti vero nulla ralione humana vel divina freti ad voluntatem et voluptatem suammonstruosa confingunt. Zur Etymologie 1, 63 col. 366 A Hi dicuntur Cathari i. e. diffluentesper vitia a catha quod est fluxus, vel Cathari quasi casti, quia se castos et iustos faciunt. VelCathari dicuntur a cat[i]o, quia ut dicitur osculantur posteriora catti, in cuius specie, ut dicunt,apparet eis Lucifer. Zu Boethius vgl. 1, 7 col.314 B = Cons. phil. 3 metr. 9,1 und 1, 31col. 333 A Unde Boetius in prologo super arithmeticam. Zu Plato 1, 30 col. 333 A. Zu Aristo-teles 1, 31 col. 334B Unde Aristoteles in libro de eligendis duobus propositis. Zur Kenntnisdes Asklepius vgl. 1, 30 col. 332C Ait Mercurius in Asclepia: Omnis enim immortalis estanima; 332 D item Mercurius in Asclepia ait, quod animae post dissolutionem coguntur crederepoenis, quae in vita noluerunt credere verbis; 3, 3 col. 404 D et Mercurius philosophus in Es-clepia ait: Deus aeternus fach deos aeternos . . . I dem Mercurius in libro qui inscribitur Logos-

1 Vgl. Haureau, Mem. de l'Inst. de 2 D. h. A6yo<; teXsio?. So wird er bei Lac-France. Acad. des Inscr. et Beiles Lettres tanz Inst. div. 4, 6 ,und 7,18 (Migne 6,32,1,7. 461B. 795 B) angeführt.