800 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Hss. heute s. XII Bruxell. 10052; s. XII—XIII Monac. 14753 f. 77; s. XIII CantabrCorp. Chri. Coli. 406 f. 86; Mus. Brit. Roy. 13 B VIII und Addit. 24657; Paris. 8083 mitder Glosse von Radulf, 8299 mit Wilhelms Glosse, s. XVVat.Urb. 352; Monac. 237.u.v.aVerse aus dem Gedicht stehen im Casin. 295 s. XIV f. 130, Exzerpte im Vindob 3150s. XV f. 219 und 3223 s. XV f. 40; verkürzt im Monac. 8439 f. 181. Eine Glosse im altenPrager Katalog von 1370, die des Wilhelm von Auxerre bei Benedikt XIII. um 1409-eine Interpretacio compendiosa steht im Amplon. Q 151 f. 132 s. XIV und Q 12 f. 207s. XV. Ausgabe (außer den alten bei Fabricius) von Th. Wright, The Anglo-latinsatirical poets etc. 2,268—426, vgl. Sedgwick, Speculum 5, 279 ff. Buch I beiLeyser p. 1022—1044). Auszüge (aber nach schlechter Ueberlieferung) bei O. LeistDer Anticlaudianus, Stendal 1881. 1882 S. 33—76 (dort zugleich Inhaltsangabe, dochsind die Verszahlen irreführend); wichtig ist, daß Leist auf viele Uebereinstimmungenmit dem Wälschen Gast des Thomasin von Zirkläre aufmerksam macht, die nicht zu-fällig sein können.
Kommentatoren
Radulfus de Longo Campo. Radulfs Vaterland ist nicht bekannt, wahrschein-lich war er Franzose. Denn er kennt den Alan als seinen Lehrer aus Montpellier, 1 under widmet seine Glosse dem Erzbischof Arnald von Narbonne (1212—1235), dem früherenAbte von Citeaux. Danach ist die Glosse um 1216 verfaßt. Nach seinen Angaben hatRadulf eine Glosse in Donati barbarismum und einige Summulae sowie eine Corniculageschrieben, worin er über Physik und Astronomie gehandelt hatte. 2 Sein Kommentarzum Anticlaudian ist eine Folge von Vorlesungen über die sieben Freien Künste, da-gegen ist die Erklärung der Worte Alans selbst äußerst mager und hört schon in derMitte des Gedichts auf, da er nun seinen Traktat über Astronomie beendet hat.Während Alan von Aristoteles nur das Organon kannte, zitiert Radulf auch aus Deanima, aus De somno et vigilia und aus dem Kommentar des Averroes über dies Werk.Außerdem führt er aus Walthers Alexandreis 1, 103 3 an, er zitiert den Magacosmusdes Bemardus Silvestris 4 und die Ars versificatoria des Matthäus von Vendöme.
Zu Radulf vgl. Haureau, Not. et extr. de quelq. mscr. 1, 325—333. Zu Matthäus vgl.Paris. 8083 f. 24 Summam magistri Matthei Vindocinensis que prout decet magne fame etmagne auctoritatis est et sie ineipit: Nemeas videar magnificare fimbrias. Ueberlieferung:Vielleicht gehört die in der Sorbonne 1338 5 genannte Exposicio Alani Anticlaudiani zu Ra-dulf, dessen Werk in Prag 1370 genannt wird Radulphus super Anticlaudianum. Hss. Oxon.Balliol's Coli. 146B (mit vollem Namen), Paris. 8083 s.XIII und Monac. 3075 a.1368.
Wilhelm von Auxerre. Dieser bedeutende Theolog und Aristoteleskenner, Archi-diakon von Beauvais, der etwa um 1247 gestorben ist, hat wohl vor dem Jahre 1210 6eine Glosse zum Anticlaudian geschrieben. Sie wird in der Bibliothek Benedikts XIII.'um 1409 genannt und ist in einer Pariser Handschrift erhalten. Der Verfasser begnügtsich meist mit der Erklärung der weniger geläufigen Worte und zitiert dabei Verseaus den üblichen Schuldichtern, sowie Stellen aus Priscian, Papias und Viktorin, ausPlato und Aristoteles. Von letzterem kennt er die Physik, De generatione und dieMetaphysik.
Von Wilhelm sind auch andere exegetische Werke bekannt, wie der Kommentar zu Bo-ethius über Porphyrius' Isagoge; besonders war seine Summa super sententias beliebt. Hs.des Alankommentars Paris. 8299 f. 13—87. Vgl. hierüber Haureau, Not. et extr. de quelq.mscr. 1, 351-—355; daselbst S. 354 f. über Wilhelms Verhältnis zu Aristoteles. — Ich er-wähne hier noch, daß sich in der alten Bibliothek des Louvre s. XIV — XV eine französischeUebersetzung befunden zu haben scheint, denn der Katalog bemerkt (Delisle, Le cab. desmscr. 3, 164) N. 1080 Anticlaudianus, les dis Baudoin de Condet. f. 2 ine. Car la chantoit,wenn dies nicht ein französischer Kommentar zu dem Werke war.
c) Parabolae. Dies Gedicht von 321 Distichen ist das am wenigstenselbständige Alans. Es enthält eine große Zahl von sprichwörtlichen Redens-arten oder Sprichwörtern in sechs Abschnitte gegliedert. Im ersten Abschnittwerden sie meist im Hexameter aufgeführt, während sie im Pentametererweitert oder moralisiert werden; mit dem Distichon schließt auch der
1 Außerdem erwähnt er nach Haureau 6 Vgl. Haureau, Not. et extr. 1, 354f.auch Rouen. 7 Alanus in Anticlaudianum cum glosis
2 Vgl. Paris. 8083 f. 15. 36b. 37. magistri
3 Im Paris.8083 f.4b. Guillelmi Altisiodorensis (bei M. Faucon,
4 Paris.8083 f.l3b. La librarie des papes d'Avignon 2,138).
5 Delisle, Le cab. des mscr. 3, 68.