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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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798 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

Capeila entlehnt, dessen zwei erste Bücher ja in ein gänzlich allegorischesGewand gekleidet sind. Doch auch sonst hat er diesem nachgestrebt, denndie beiden Vorreden in Prosa erinnern in ihrem Wortschwall durchaus anMartians 1 Wortprunk. In der ersten Vorrede äußert sich Alan über dieAllegorie seines Gedichts und weist eventuelle Tadler und Neider ab, inder zweiten spricht er in kurzer Disposition über die Grundgedanken seinesWerkes.

Die Natur hat beschlossen, ein völlig tadelloses Werk hervorzubringen,und beruft zu diesem Zwecke alle Kräfte des Himmels in ihren Palast. Sieverkündet nun, daß sie mit ihrem Beistande das vollkommenste Geschöpfhervorbringen wolle, nämlich den göttlichen Menschen. Die Klugheit istmit dem Plane der Natur einverstanden, hält aber ein, daß sie nur densinnlichen Teil des Menschen zum Leben erwecken könne, nicht aber denseelischen. Von ihr aufgerufen erscheint die Vernunft; auch sie lobt denPlan, rät aber wegen der Schwierigkeiten, die Klugheit als Gesandte anGott zu schicken. Als diese schwankt, tritt die Eintracht auf und ermahntalle die Himmelskräfte mit Hilfe der in ihr wohnenden ordnenden Kraft zurEinigkeit. Die Klugheit fügt sich und läßt sich von den sieben freien Künsten,deren Bedeutung und Art ausführlich erläutert wird, 2 einen Wagen bauen.

Auf diesem steigen die Klugheit und die Vernunft zum Himmel empor, 3bis sie zum Tierkreis und damit auf die Höhe der Welt gelangen. Dortaber teilt sich der Weg, doch die Klugheit gewahrt über sich ein herrlichesWeib, die Königin des Himmels, und bittet diese, ihr den Weg zu Gott zuzeigen. Die Königin heißt sie, den Wagen und dessen Lenkerin zurückzu-lassen und das eine Pferd, das Gehör, zu besteigen; so reitet sie hinter derKönigin her. 4 Endlich gelangt sie vor die Wohnung Gottes und bittet ihn,ihr bei der Schöpfung des Menschen zu helfen, indem er diesem die Seelegebe. Gott verheißt ihr Erfüllung der Bitte und gebietet dem Nus, daß erihm die Idee des menschlichen Geistes bringe.

Nun bildet Gott das Einzelwesen, dem die Parzen ein günstiges Geschickweben, und der Nus salbt die Seele mit Himmelstau gegen alle Gefahren.Als die Klugheit auf dem Rückweg die Vernunft mit dem von ihr geführtenWagen antrifft, verabschiedet sie sich von den himmlischen Begleiterinnenund gelangt wieder auf die Erde zu den Himmelskräften. Die Natur bildetnun aus den vier Elementen den Körper, den die Eintracht mit der Seelevereinigt. Darauf spenden die Himmelskräfte einzeln ihre Gaben, als aberder Mensch auf solche Weise mit allen Tugenden und Vorzügen ausge-stattet ist, beruft Alecto alle bösen Geister zum Kampfe gegen die Schöp-fung des Himmels. 5 Doch der Mensch wird durch die Tugenden gewaffnet,

1 So auch einzelne Worte, die ganz Mar- dersetzung astronomischen Inhalts,tians Geschmack entsprechen (ed. Wright) 4 Hier verkündet Alan, daß er die Dicht-p. 268 corrixatio, inartificiosus, purpuramen- kunst verlasse und nunmehr als Prophettum, p.269 plebescere, (resis, theophanica). rede. (Vs. 4037 Ducis ab exemplo = Boeth.

2 Dieser große Teil des Gedichts ist für cons. phil.3 metr.9, 7) Leist S.62.

die zeitgenössische Anschauung der Wissen- 5 Die Versammlung dieser höllischen Horde

Schäften (unter Hereinbeziehung der Alle- ist ganz nach Claudian in Rufin. 1, 25-67

gorie) von großer Bedeutung; die meisten gegeben, und nach dieser Stelle erhielt die

großen Vertreter werden darin genannt. Dichtung den Namen.

3 Hierbei erfolgt eine längere Auseinan-