Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
777
Einzelbild herunterladen
 

B. Didaktik 777

ändert zu haben, namentlich wo es sich um freie Wiedergabe der Vorlagehandelt; 1 auch wirkliche Verunstaltungen der originalen Erzählung hat erzugelassen. 2

Zu Baidos Kenntnissen in der alten Literatur ist zu bemerken, daß sie sich auf einigeSchuldichter erstrecken: Horaz Vs. 55 Carm. 2, 2, 13. Vs. 93 C. 1, 22,1.» Vs. 522 C. 3,12 3- außerdem die Worte meracus Vs. 606 Ep. 2, 2,137 und omasum Vs. 708 Ep. 1,15,34' Vergil Vs. 396 Aen. 6, 192. 846 Aen. 2, 64. 888 Aen. 4, 373. 1048 Aen. 9, 621. Ju-venal (genannt 1063, vgl. Hilka zu der Stelle S. 52) Vs. 568 Sat. 6, 238. Terenz dasWort depectere Vs. 807 Heaut. 951. Mit Sulp. Sev. Vita Martini 26,1 vgl. die WorteVs. 20 scriptorem propter inertem. Da die von Hilka S. 2 n. 3 angeführten griechischenWörter sämtlich schon im Altertum bekannte Lehnwörter sind, so ist ein Rückschlußvon der lateinischen Vorlage auf eine griechische ausgeschlossen. Die vielen unreinenReime der Dichtung 4 sprechen für Abfassung im 12. Jahrhundert, da sie in spätererZeit nicht mehr begegnen. Zu Hieremias vgl. Hervieux, Les fabul. latins 2, 34.

Ueberlieferung. Einzige vollständige Hs. in Heiligenkreuz 112 f. 114b s. XIV in.mit 35 Fabeln und einem nicht hierher gehörigen Epilog (De ciconia stercorata). Unvoll-ständig (nur 28 Fabeln und mit vielen Auslassungen in diesen) Vindob. 303 f. 92bs. XIV. Raimund von Biterris zitiert in Kaiila und Dimna (ed. Hervieux, Les fabu-listes latins 5, 473) unter dem Namen Ysopus die Verse Fab. 11, 47 f. (Hilka Vs.315f.)und 26, 39 f. (Hilka Vs. 934 f.). Ausgaben (nach der Wiener Hs.) von Dumeril,Poesies inedites du moyen äge S. 213259 und von Hervieux, Les fabulistes latins5,339378; vollständige kritische Ausgabe von A. Hilka, Abhandl. d. Ges. d. Wiss.zu Göttingen, phil.-hist. KL, Neue Folge 21, 3, 2158.

6. GODEFRID VON BRETEUIL

Godefrid mag um 1130 geboren sein und trat in das Kloster Ste. Barbe -en-Auge ein, wo er sich mit Theologie und Philosophie beschäftigte. Daher be-zeichnet er im Föns philosophie 102, 3 den Sokrates als den ersten Lehrerder Moral und von den Briefen Senecas sagt er, daß er sie den Evangelienkaum nachstelle. 5 Um an einem geistlichen Gericht teilzunehmen, wurde er1172 nach Paris gerufen, später, um 1186, wurde er aus Ste. Barbe vertrieben,fand aber in St. Viktor zu Paris freundliche Aufnahme und führte auch hierseinen Titel als Subprior weiter. Kurz vor seinem Tode, der wohl 1194 erfolgte,dichtete er sein Epitaph, das allerdings für seine Lebensdaten nichts birgt.

Von seinen Schriften scheinen die meisten noch ungedruckt zu sein. Ingewisser Beziehung zu Bernardus Silvestris steht wohl sein in drei Bücherzerfallender Microcosmus, der nach den Anlagen der menschlichen Seeledie Künste und Wissenschaften, die zu besiegenden Laster und die zu erwer-benden Tugenden behandelt und sich als ein allegorischer Kommentarzu Kap. 1 der Genesis darstellt. 6 An Boger, Prior von St. Abraham, sandteer ein Werk De videndo deo, und dieser beglückwünscht ihn dazu, daß eraugustinaliter geschrieben habe. Den Mönchen zu Baugerais schickte erseine Vita b. Hamonis, die höchst wahrscheinlich identisch ist mit dervon Sauvage aus Mus. Br. Cotton. Nero A. XVI, Addit. 15264. Paris. 17628u- a. Handschriften in Anal. Bollandiana 2, 500560 herausgegebenenVita Hamonis. Außerdem haben sich 20 Sermones von ihm erhalten. AnGedichten schrieb er ein Preconium metricum divi Augustini in 127 rhyth-mischen Strophen (je vier gereimte Dreizehnsilber), sodann ein Ganticum

1 Vgl. zu Fab. 18. « Str. 103, 3 Seneca Lucilio eommendavit

Vgl. zu Fab. 22. quaedam, Quae vix evangelio postponenda

Ist schon von H i 1 k a S. 23 bemerkt. credam.

4oÄ auch G - Paris, Journ. des Savants 6 Zum Inhalt vgl. Hist. litt. 15, 78f.

1899 S. 213 n.2.