B.Didaktik 775
c) Novus Avianus V indobonensis
Eine andre Umdichtung Avians begnügt sich im allgemeinen, das Urbildin leoninische Hexameter und Pentameter zu bringen, also mit einer Um-formung im Geiste des 11.—12. Jahrhunderts. Nur ist der Reim nicht soauffallend stark wie bei dem Dichter von Asti, denn vielfach begnügt sichunser Dichter mit einer Mischung von Assonanz und Reim. Die Reihenfolgeder Gedichte ist die gleiche wie bei Avian und auch die Abweichungen vomUrbild sind nicht groß; meist wird Avian eher verkürzt als erweitert.Eine Erweiterung tritt z. B. in N. 24 ein, wo Avian. 24, 1 zu 24, 3—8(Hervieux 3,441) geworden ist. Der Stil dieser Überarbeitung ist wenig ge-schickt und der Ausdruck oft recht schwerfällig. Die Überschriften Avianshat der Umdichter dadurch zu ersetzen gesucht, daß er jedem Gedicht einekurze Inhaltsangabe voranstellt. Auch hier schließt sich der Dichter demheidnischen Urbilde völlig an, so daß nichts Christliches erscheint. Der Titelist einfach Novus Avianus und weder Prolog noch Epilog sind vorhanden.
Ueberlief erung. Hss. Vindob. 303 s. XIV f. 102. Monac. 14703 s. XV f. 1 mit Glos-sen. Ausgabe bei Hervieux, Les fabulistes latins 3, 430—451; die ersten sechs Stückebei E. du Meril, Poesies inedites p. 268—271, vgl. p. 165 n. 1. Vergleich der Fabelnmit denen des Avian bei Hervieux p. 209ff., mit dem Astensis poeta p. 216—220;über den Reim p. 213 ff. und 452—461.
d) Novus Aesopus und Novus Avianus des Alexander Neckam
Beide Bearbeitungen Neckams 1 mögen hier zusammen besprochen werden.
Novus Aesopus. Neckam legte seiner Bearbeitung in Distichen dieRomulussarnmlung zugrunde, verband aber zuweilen für seine poetischeParaphrase mit dem Romulus dessen Umdichtung durch Walther, wieHervieux nachwies. 2 Neckams Sammlung besteht aus 42 Stücken, vondenen 37 dem Romulus entnommen sind, die übrigen stammen vielleichtaus einer vollständigen Phädrusüberlieferung. 3 Besonders erweitert hatNeckam seine Quellen nicht, wohl aber hat er seine Fabeln in leicht ver-ständlicher und klarer Sprache geschrieben, der man den gewandten Dich-ter und Schriftsteller bald anmerkt. Den Reim hat Neckam in seinen Hexa-metern fast vermieden, während er ihn in den Pentametern oft zuläßt. Trotzder geschickten Überarbeitung hat aber diese Sammlung keine große Ver-breitung erlangt, obwohl sie zweimal französisch übersetzt wurde.
Ueberlief erung im Paris. 8471 s. XIV f. 96. Mus. Brit.Cotton Vesp.M. B. 23 s. XV f.110. Cantabr. Trin. Coli. 273. Berol. Santen. B. 4 s. XV f. 43; unvollständig Paris. 2904 s.XV. Ausgaben von E. du Meril, Poesies inedites p.176—212, von Hervieux, Les fabu-listes latins 2, 787—811. Vgl. duMerilp. 169—175, Hervieux 1, 702—711. Die fran-zösischen Uebersetzungen befinden sich (1) im Paris. 24432 s. XIV f. 171 (Ysopet) und15213 s. XIV f. 1, und (2) in einer Hs. von Chartres, vgl. du Meril p. 175 und Her-vieux 1, 711—715.
Novus Avianus. An dieser Übertragung der Romulusfabeln in Versen
ließ sich Alexander Neckam nicht genügen, er versuchte sich auch an
Avian. Doch erstreckt sich sein Novus Avianus nur auf sechs Fabeln, 4
er scheint mit der Übertragung nicht weit gekommen zu sein. Und so
kommt auch die Absicht, die er mit dem Werke verband, nicht recht zu-
itJber ihn ausführlicher S. 784ff. 3 Vgl. Hervieuxa.a.O.l, 708.
Les fabulistes latins 1,707; vgl. aber 4 Nach der Gleichmäßigkeit der Ueberliefe-2 > 793 n-1- rung, vgl. Hervieux 3, 224f.