B. Didaktik 763
Ueberlieferung. Genannt wird es wohl schon im Katalog von Gorze s. XI, späterYV in Amelungsbornl412. Die ältesten Hss. (vgl. Walther, 1 Das Streitgedicht etc.
«114 n 1) sind Monac. 11328 s. XI f. 112, 4613 s. XII, 9505 f. 1 s. XII, Vindob. 756nd 1147 s XII, Oxon. Laud. Mise. 234 s. XII, Dresd. A 167a f. 71a s. XII. Ausgabe
von Manitius, Roman. Forschungen 6, 2—4; vgl. Walther a. a. O. S. 114 f.
2. ADAMI CARMEN CONTRA FEMINAS
Im Gegensatz zu der weit- und frauenliebenden Richtung der Vagantenmacht sich beim Klerus besonders seit der Durchführung des Zölibats oftheftige Abneigung gegen die Frau geltend. Der Ungehorsam Evas und dieVerführungskünste des Weibes bilden meist die Ausgangspunkte für diesefeindselige Auffassung. Eines der markantesten Beispiele dieser Art ist dasGedicht Arbore sub quandam dietavit clericus Adam. Es umfaßt 55 Versevon verschiedener Reimart. Die ersten elf begreifen die Herrschaft desWeibes nach biblischen Vorkommnissen, dann wird der gefährliche Einflußder Frau auf Kleriker und Laien geschildert; von Vs. 17 an 2 begegnendie üblichen furchtbaren Anklagen gegen das Weib, und nur gegen Endekommt die gewohnte Gegenüberstellung der Maria Vs. 47 Femina Stella m,arissie virgo Maria vocaris. Verstärkt wird der Eindruck des Angriffs dadurch,daß Vs. 3 bis 48 mit Femina beginnen. Der Dichter, der sich vielleicht nurdem Reim zuliebe Adam nannte, gehörte wohl zu den Klerikern des aus-gehenden 11. Jahrhunderts, die in jüngeren Jahren selbst stark von derHerrschaft des Weibes berührt worden waren und nun später, unter demEinfluß strikter Durchführung der Reform, ihrer Mißachtung gegen dieFrauen deutlich Ausdruck gaben. Die Form ist derartig, daß zwei mit-einander reimende Leonini eröffnen, die nächsten 46 Leonini mit Feminabeginnen, 48 f. Trinini salientes und die Endverse wieder gewöhnliche Leoninisind. 3 Jedenfalls zeugt diese sonderbare Form nicht von besonders fortge-schrittener Metrik.
Ueberlieferung im Monac. 19488 s. XII p. 137 und 6911 f.132 s. XIII—XIV;Vatic. Palat. 719 (vgl. Archiv d. Ges. f. alt. d. GeschKunde 12,304); Guelf. Gud.102 s. XIII f. 50a. Ausgaben von Mone, Anz. f. Kde d. deutsch. Vorzeit 20, 257, vonS.G.Owen, English historical Review 2, 525 f. Balderich von Bourgueil scheint dasGedicht gekannt zu haben, er verwendet Vs. 1 im Carm. 196 (ed. Ph. Abrahams, Lesoeuvres poet. de Baudri de B., Paris 1926) 115, wo es heißt Arbore sub quadam stetitantiquissimus Adam. — Vgl. P. Lehmann, Die Parodie im Mittelalter, München1922, 168 f.
3. NIVARD VON GENT
Nivard, ein Deutscher von Geburt, scheint aus den rheinischen Landenzu stammen, denn mit besonderer Vorliebe gedenkt er Kölns, und er preistden Abt Balduin von Lisborn höher als alle die andern Zeitgenossen, derener in seinem großen Gedichte gedenkt. Er trat in den geistlichen Stand ein,von dessen Pflichten er eine sehr hohe Auffassung hatte. E. Voigt hat nunaus den zerstreuten persönlichen Beziehungen des Gedichts festgestellt, 4daß Nivard, als er sein Werk schrieb, in Flandern lebte, Beziehungen zumErzbistum Reims und zum Bistum Tournai hatte, zum Archidiakonat und
'Hier werden 32 Hss. genannt. ebenso 52—55 (-ena).
' Vs. 40 und 41 ist für ,st«' fit zu schreiben. 4 Ysengrimus herausgegeben und erklärtVs.48f. sind am Ende gereimt {-ebit), von E.Voigt (Halle 1884) S. CI.