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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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762
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762 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

Ausführung der von Horaz A. P. 316 und 1—5 ausgesprochenen GedankenSie will den Dichter beraten über die Ausstattung seiner poetischen Charak-tere in den verschiednen Altersstufen und sozialen Stellungen und zeigenwas den einzelnen Personen zukommt, was ihre Eigentümlichkeiten sindund wie sie gehoben werden können. Den Anfang macht er mit der Frau Jindem er unbarmherzig die weiblichen Untugenden aufzählt. Daran schlies-sen sich die Eigenschaften des Jünglings, des Greises, des Ritters, des Kai-sers, 2 des Schmarotzers, des Landmanns und des Weisen. Hierauf folgenallgemeinere Regeln: Wer durch die Beschreibung von Personen Lob erntenwill, der lasse sie eigentümlich reden, denn für jede Gemütsstimmung undfür jeden Ort, jede Gelegenheit, überhaupt für alle Umstände paßt eineandre Rede. Hierauf werden Ratschläge für die besten Arten der Darstel-lung gegeben und dem Dichter passende Lektüre empfohlen. Das Gedichtbesteht aus hundert Versen und zwar aus leoninischen Distichen undHexametern, epanaleptischen Distichen und Caudati.

Zeugnisse. Eine Ueberschrift sowie der Autorname fehlt. Vs. 93 heißt es legat etpoetriam und 95 Nam servare monet unum stilum poetria und damit ist wohl GalfredsWerk gemeint. Zweck Vs.7 p. 133 Nunc describamus personas etvideamus Personis propriumquid sit et egregium. Affectus tristis dicamus versibus istis Etatis sludii militis egregii,Sexus meroris fortune flentis amoris, Pirate, iuvenis coniugis atque senis. Zur Frau Vs. 17Non est persona muliebris digna Corona, Sexus quippe nocens et male sana docens. ZumWeisen Vs. 53 Pauca sophus fetur, ut plurima quisque loquetur, Sed versus faciat, fingatet inveniat. Anklänge an Horaz Vs. 87 sed convenientia dicta Scrutetur und 91 Finiprincipium sit par. Rat zur Lektüre Vs. 93 Perlegat auctores varios, legat et poetriam,Rhetoricos flores cupiens et scire sophiam. Ueberlieferung im Audomar. 115 s. XIIIf. 97a. Ausgabe von Ch. Fierville, Not. et extraits 31,1,133—135 N. LVIII.

III. MORAL. FABEL. EPIGRAMM. PHILOSOPHIE

1. DE CONFLICTU VIRTUTUM ET VITIORUM

Dies kurze Gedicht von 52 Versen, vielleicht der Mitte des 11. Jahrhun-derts entstammend, stellt den im Mittelalter so beliebten Kampf der Tu-genden und Laster dar. Ein Vorwort von zwei Hexametern führt den Leserein, und die Anlage ist so gehalten, daß das Ganze in 25 Teile zerfällt, dieaus je zwei Hexametern bestehen, und das Gedicht also die häufig ange-wandte distichische Form besitzt. In jedem ersten Hexameter spricht dasLaster und gibt den Rat, ihm zu folgen, im zweiten aber mahnt die Tugenddavon ab, sich nach den Eingebungen des Lasters zu richten. Die Grund-lage ist großenteils biblisch, das Gedicht setzt mit dem Hochmut einund endet mit der Unkeuschheit. Die Form ist die leoninische, doch be-sitzen die Verspaare keinen Endreim. Die Zeit des Gedichts ergibt sich auseiner Handschrift des 11. Jahrhunderts sowie aus der Mischung von ein-und zweisilbig gereimtem Leoninus. Es kommt nach H. Walther mitdrei verschiedenen Anfängen vor und ist sehr häufig in den Handschriftenzu finden.

1 Hier (Ch. Fierville, Not. et extr. 31,1, nis, Crudelis miseris. Ob diese Schilderung133) ist Vs. 18 male sana statt mala sona — sie geht wohl auf Heinrich VI. oder amzu lesen. Friedrich II. — völkerpsychologisch ce-

2 Vs. 38 Induperatoris persona sit omnibus einflußt ist und hier der Franzose gegenuDerhoris Horrida, sevani/nis, turbida, plana mi- dem Deutschen spricht?