A. Historische Dichtung 653
usum Delphini, Amstelaedami 1702. Zur Textkritik vgl. Sedgwick S. 71 f. Vgl.j Jusserand, De Iosepho Exoniensi. These. Paris-London 1877, und A. H. Sarradin,De Iosepho Iscano, Versailles 1878 (beides nicht zu meiner Verfügung). In Buch 3 zeigtsich beim Einzug in Troja Benutzung von Walters Alexandreis (Einzug in Babylon);der Dichter wird von Pastrengo gerühmt.
Zu erwähnen ist, daß sich im Paris. 8430 s. XII vor der Ilias des Simon und imDarmstad. 2780 II n. 8 (Roman. Forsch. 6, 30) ein versifizierter Dares von etwa 930 Hexa-metern befindet (Historiam Troiae figmenta poetica lurbant); viele Verse daraus be-sitzt das Poleticon.
5. WIDO VON AMIENS
Der Normanne Wido war nach seiner in St. Riquier durch Angelram er-folgenden Ausbildung in den Klerus von Amiens eingetreten, wo er als Kano-nikus lebte und Archidiakonus wurde. Im Jahre 1058 stieg er zum Bischofder Stadt auf und als acht Jahre später Herzog Wilhelm den englischenKönig Harald bei Hastings besiegt hatte, hielt er seine Zeit für gekommenund besang in einem Epos diese glänzende Tat, vielleicht in Wilhelms eige-nem Auftrag, wie G. Körting mutmaßte. Eine besondere Begabung hierfürhat er nun freilich nicht mitgebracht und seine Dichtung macht auch nichtden Eindruck, als ob er vorher schon viel dichterisch tätig gewesen wäre,und wir kennen bloß noch das Epitaph, das er auf-seinen 1045 gestorbenenLehrer dichtete. Es ist auch sonst nicht viel von ihm bekannt, nur daß PapstAlexander II. im Jahre 1063 einen Brief an ihn richtete. 1 Im Jahre 1076ist er gestorben. Das Gedicht über die Schlacht bei Hastings wird zwar vonzwei normannischen Geschichtschreibern des 12. Jahrhunderts, Wilhelm vonJumieges und Ordericus Vitalis, erwähnt, aber nach der mehr als spärlichenÜberlieferung kann es nur eine ganz geringe Verbreitung erlangt haben.
De Hastingae proelio. Das Gedicht, dessen Titel in den wenigenDrucken 2 stets verschieden lautet, besitzt ein Vorwort von 25 leoninischenVersen und umfaßt 405 Distichen. Das Vorwort enthält die Widmung aneinen Kleriker L., in dem Michel richtig den Lanfranc vermutet. Widosagt hier, er habe sich den Normannenkrieg ausersehen und wolle die Groß-taten Wilhelms darstellen. Schon hier verrät er Vs. 23, auf wessen Seiteseine Sympathien liegen, aber es zeugt nicht von irgendwelcher Gestal-tungsfähigkeit, daß er im ersten Teile des Gedichts von Vs. 26—148 unaus-gesetzt Wilhelm anredet, dann aber in die erzählende Form fällt, bis erVs.345eine lange Anrede an den Mars hält, Vs. 363 wieder mit der Erzählung be-ginnt, die er nun bis Vs. 835 beibehält, wo das Gedicht mitten in der Be-schreibung der Krönungsfeierlichkeiten abbricht. Im Anfang wird die Ört-lichkeit, von wo der Angriff geschah, genau angegeben und die Vorberei-tungen zur Überfahrt ausführlich geschildert. Am Morgen werden die Ankergelichtet, die englische Küste wird erreicht und ein Komet verkündetder Insel Unheil. Da erblickt ein Späher die Menge feindlicher Krieger undmeldet dem Harald 3 die gewaltige Gefahr. Harald versammelt seine Ge-treuen und nachdem er ihnen eingeredet, daß Wilhelm wohl stolz, aber ohneMut sei, versprechen sie, das Vaterland verteidigen zu wollen. Doch wirdein Mönch als Gesandter an Wilhelm geschickt: er möge sofort England
* Ep. 18 bei Migne 146,1297. 3,1—38.
IchbenutzedenvonFrancisqueMichel, 3 Der Name heißt im Gedichte wie sonstUironiquesAnglo-Normandes (Rouenl840) bei den Zeitgenossen stets Herald.