654 Vierter Abschni tt. Die Dichtung
verlassen und alle Beute zurückgeben, da König Harald über 600000(!)Krieger verfüge. Wilhelm läßt antworten, er sei kein Knabe mehr undHarald habe das alte Band der Freundschaft zwischen ihnen zerrissen-wolle dieser um Frieden bitten, so werde er solchen gewähren. Nun hältWilhelm eine Ansprache an seine Völker 1 und schickt ebenfalls einen Mönchals Gesandten, um Harald zu raten, bei seinen früheren Eiden zu bleiben.Der aber weist alles zurück und Wilhelm sammelt nun seine Heerscharender Bote aber meldet, Harald wolle den Herzog unvorbereitet zu Wasserund zu Lande überfallen; man sage, er habe 500 Schiffe, aber seine Mann-schaft sei feige und gleiche einer Herde Schafe und Wilhelm möge derBuhmestaten seiner Vorfahren gedenken. Der Herzog ordnet darauf seinHeer und bemerkt, daß der Feind schon in großer Nähe steht.
Jetzt erfolgt die Anrede an Mars: Seit Caesar den Pompejus besiegte undnach Ägypten vertrieb, sei dem Gott wohl keine Schlacht mehr genehmgewesen, als die sich jetzt entspann. Die Angelsachsen 2 besetzen nun einenBerg mit abfallendem Tal und eine Halde und vertrauen auf ihre Pferde.König Harald läßt auf dem Berge sein Feldzeichen aufrichten und be-fiehlt den Angriff. Der Herzog hält mit den Seinen auf den Berg, aber dieSachsen kämpfen wie die Eber. Da springt ein normannischer Gauklervor die Schlachtreihe, ermahnt die Seinen und erschreckt die Sachsen. 3Einer der Sachsen tritt ihm entgegen, aber er durchbohrt dessen Schildund tötet ihn. Damit beginnt der Ernst des Kampfes. Doch die Sachsenhalten fest, bis die Franzosen eine List gebrauchen, indem sie sich angeblichzur Flucht wandten. Das war der Anfang des großen Verderbens, 10000 (!)Sachsen werden getötet. Allerdings gelang es den Sachsen, die Normannenwirklich in die Flucht zu jagen; doch der Herzog stellt sich den Fliehendenentgegen und flößt ihnen Mut ein, so daß der Angriff von neuem erfolgt.Da trifft Haralds Bruder Gernt das Pferd Wilhelms, so daß der Herzog zuFuß kämpfen muß, doch tötet er bald seinen Feind und gewinnt ein neuesPferd, das er aber wieder im Kampfe verliert. Endlich gibt ihm ein GrafEustachius sein eigenes Pferd und Herzog und Graf richten nun unter demFeinde gewaltige Verheerungen an. Wilhelm sieht den König am Bergeauf die Normannen einhauen, er ruft den Eustachius und kommt den Sei-nen zu Hilfe. Andere Große schließen sich ihnen an und es gelingt ihnen, anden König heranzukommen und ihn nach furchtbarem Kampfe zu töten.Da geben die Sachsen die Schlacht auf und erklären sich für besiegt. Amnächsten Tage läßt der Herzog die normannischen Toten begraben, währenddie gefallenen Sachsen auf dem Felde liegen bleiben; bloß der zerstückelteKörper Haralds wird aufgehoben und zum Seelager gebracht. Und als Ha-ralds Mutter um die Leiche bat und sie mit Gold aufwiegen wollte, verwei-gerte das Wilhelm. So wurde der König auf einem Hügel beigesetzt. 4
Nun nahm der Herzog den Titel König an. Er blieb noch fünf Tage inHastings und ging dann nach Dover; da kamen ihm die Bewohner schon
1 Die Völkerkarte ist bunt genug (Vs. 250 3 Nach Vs. 399 Incisor ferri (Taillefer, vgl.—260) Franzosen, Bretagner, Cenomannen, Uhlands gleichnamige Ballade) genannt.Apulier, Kalabrier, Sizilianer, Normannen. 4 Sein Grabstein erhielt nach Vs. 591 f. das
2 Sie heißen im Gedicht stets Angli {Angli- Epitaph: Per mandata ducis, rex, hie, Heralte,genae). quiescis, Ut custos maneas littoris et