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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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651
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A. Historische Dichtung 651

nes. An die Fortsetzung des Kampfes nach Kap.20f. wird die Botschaft desUlixes und Diomedes an Priamus (Kap. 22) und die Bewilligung des Waffen-stillstandes gereiht. Sodann wird der Traum Andromaches nach Kap. 24, amEnde des Buches der Kampf Achills mit Hektor und dessen Tod erzählt. 1

Das räumlich sehr ausgedehnte sechste Buch beginnt 2 mit dem Schlußvon Kap. 24 und darauf nach ganz kurzen Bericht aus 25 der Stoff vonKap. 26. 3 Hierauf folgt aus 27 die Liebe Achills zu Polyxena, aus 28 der Toddes Deiphobus und Sarpedon und dann aus 29 der Angriff des Troilus. Indiesem Teile erfindet der Dichter zum Bericht des Dares eine Menge neuerNamen (vgl. 174. 178. 181. 197 und besonders 221258). Wenig wird dannaus Kap.30f. erwähnt; eine didaktische Abschweifung bei Gelegenheit derBestattung des nur bei Diktys (4, 4 und 22) erwähnten Tithonus ist einVögelverzeichnis Vs. 382388. Kap. 34 wird stark gekürzt, aus Kap. 35wird der Tod des Paris und aus 36 das Eingreifen und Ende der Penthe-silea vorgeführt und vorher ein didaktischer Abschnitt (Vs. 525538) überdie Schrecken der Unterwelt eingelegt. Es folgt aus Kap. 37 die Friedens-gesandtschaft der Griechen und das freundliche Auftreten des Amphimachusund schließlich aus Kap. 40 die Einnahme der Stadt durch die List der Grie-chen, endlich der Tod des Priamus, die Trauer und der Tod Hekubas unddie Rückkehr der Griechen auf ihren Schiffen. Das Schlußkapitel des Daresvon der Flucht des Aeneas erzählt der Dichter Vs. 880 ff. Doch begnügt ersich hiermit nicht, sondern berichtet nun nach Diktys 6,1 Weiteres über dieRückkehr der Griechen, über die Irrfahrten des Odysseus und über die Rück-kehr der Helena. In einem Epilog von acht Versen wendet sich Josephus ansein Ruch und ermahnt es, allerhand Mißgunst und Tadel ruhig zu ertragen.

Das große Gedicht ist wie wenige seinesgleichen ein Kunstprodukt.Vergleicht man es freilich mit dem trostlos trockenen Original bei Dares,so muß man bewundern, bis zu welchem Grade der Dichter sich durchUnterricht und Lektüre in Geist und Form des Altertums eingearbeitethatte. Denn das W T erk ist vollständig dem Altertum entlehnt, es enthältfast nichts Christliches und sehr wenig Zeitgenössisches; bis auf einzelne Worteund formale Eigentümlichkeiten der Zeit liest es sich fast wie ein antikes Epos,dessen Verfasser der Rhetorik äußerst hold war und der im klassischen EposRoms sich auf das sorgsamste umgesehen hatte. Jedenfalls ist es für einenDichter des 12. Jahrhunderts eine große Seltenheit, wenn er den Reimnur in solchen Grenzen gebraucht wie die klassischen Poeten Roms, wenner die Elision ebensohäufig anwendet wie jene und wenn er am Ausgangseiner mit durchaus regelrecht gebauten Zäsuren versehenen Verse vier-und fünfsilbige Worte gänzlich vermeidet und ferner in seinem Wortschatzvon Abstrakten möglichst absieht, da er weiß, daß das Konkrete die wirk-liche Welt des Dichters ist. Und wenn er zuweilen die Antikisierung fastübertreibt, indem er sehr häufig statt der Eigennamen Patronymika setzt,so ist seine Verskunst und Prosodie, wenn man von den allgemeinen Eigen-

1 Heu heu quam tenui nutant mortalia filo 3 Zur Exaktheit in der Herübernahme von

nach Ovid Pont. 4, 3, 35. Namen vgl. Vs. 55 f. Gobius und Triptole-

Schulmäßig ist Vs. 33 quis ubi quando sed mus aus (Dares p. 31, 20) Tlepolemus Ro-

qualiter et quid. dius.Vs. 94 Sergestus aus Dares 33,7 servus.