A. Historische Dichtung 649
4. JOSEPHUS ISCANUS
Der englische Kleriker Joseph, nach seinem Heimatsort Isca oder Exonia(Exeter) mit dem Beinamen Iscanus oder Exoniensis zubenannt, lebte unterKönig Heinrich II. und unter dessen beiden Söhnen Richard und Johann, undstand jedenfalls in Gunst bei dem Erzbischof Thomas Balduin von Canter-bury, dem er sein Hauptwerk, das Epos De hello Troiano widmete. Josephusbeschäftigte sich besonders mit Dichtung, freilich sind die meisten seinerpoetischen Werke verloren, so sein Panegyrikus an Heinrich IL, ein Eposüber die Bildung des Cyrus, beginnend Praelia bina ducum canimus,Liebesgedichte, Epigramme und vermischte Gedichte. Außerdem verfaßte erein Epos Antiocheis, das sich auf den Anteil Richards I. am dritten Kreuz-zuge bezog und von dem nur noch zwei kleine Fragmente vorliegen; 1 esscheint, daß Joseph De bello Troiano 1, 49 ff. auf das Gedicht anspielt,das er hier aber erst in Aussicht stellt, und seine Widmung an den Erzbi-schof erscheint deshalb ausgeschlossen, da Balduin schon 1191 bald nachseiner Ankunft in Palästina gestorben ist. Josephus selbst aber ist um 1210gestorben. Sein erhaltenes Gedicht bezeugt, daß er in Poesie und Prosades Altertums in hohem Grade erfahren war und die antike Mythologieund Heroengeschichte auf das beste kannte.
De bello Troiano. Dies Epos hat Joseph in verhältnismäßig jungenJahren geschrieben und er verteidigt auch im Anfang (1, 15—23) seineJugend als die Zeit der Kraft gegen das Alter, das keineswegs die Tugendgepachtet habe. Den Stoff zu dem umfänglichen Gedichte, das er in sechsBücher teilte, 2 entnahm er fast gänzlich dem Dares Phrygius, dessen dürreProsa er in die glänzendste poetische Rhetorik umsetzte, die wir überhauptaus dem Mittelalter haben. Dabei hat er nicht selten sachliche Anleihenbei Vergil, Ovid und Statius gemacht, welche Dichter er aber auch in sprach-licher Beziehung sehr ausgiebig benutzte. Den Stoff für die letzten siebzigVerse des sechsten Buches hat ihm Dares nicht geboten, sondern er hieltsich hier an die Erzählung des Diktys.
Zum Eingang des ersten Buches spricht Joseph über sich selbst undseine Jugend und meldet, daß er die Wahrheit sagen werde, da (Dares)Phrygius bei den Ereignissen gegenwärtig gewesen sei. Dann wendet er sichan seinen Erzbischof, dem er zu seiner dritten Bischofswürde Glück wünscht. 3Die nächsten rhetorisch geschraubten Verse (1, 41—51) scheinen Heinrich II.zu gelten und geschrieben zu sein, als dieser den erst von seinem Sohnewirklich ausgeführten Kreuzzug beabsichtigte, wenn sie nicht überhauptRichard I. gelten. Hierauf beginnt der Dichter seinen eigentlichen Stoff,den er im ersten Buche nach Dares 1—4 ausführt: Jason und Achill werdeneingeführt. Daran schließt sich eine kurze Erzählung von der Argonauten-
Camden, Britanniap. 164 und 257; das 3 Hier fehlen in den Ausgaben nach Le-erste scheint sich auf den Kampf Caesars land, De script.Brit. p. 237, und Camden,gegen Pompejus zu beziehen, während im Britannia p. 442, mehrere Verse: Te tertiazv 7 e '' en König Artus gepriesen wird. poscit Infula, iam meminitWigornia, Cantia
Nach der Ausgabe des D res emius (Am- discit, Romanus meditatur apex et naufraga
sterdam 1702, angehängt an Dictys und Petri Ductorem in mediis exspectat cymba
iJares in usum Delphini) haben die einzelnen procellis.üucner 541, 613, 473, 522, 530, 967 Verse.