632 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
Itinerarium Kambriae. Im Jahre 1188 unternahm ErzbischofBaldwin eine Gesandtschaftsreise in das Geburtsland Giralds Wales, dasin alten Zeiten Cambria genannt wurde. Girald war dabei sein Begleiterund dieser legte auf der Reise jedenfalls Tagebücher an, in die er allesWissenswürdige eintrug. Darauf beruht zunächst sein Itinerar in zwei Bü-chern, das neben dem Reisebericht sehr viele Exkurse und Episoden bietet.Der Verfasser veranstaltete hiervon drei Ausgaben, deren zweite dem BischofHugo von Lincoln um 1197, die dritte dem Erzbischof Stephan Langtonim Jahre 1213 gewidmet wurde. Im Vorwort zur dritten Ausgabe 1 beginntGirald mit der Verschiedenheit der Menschen nach Pers. 5, 52f., TerenzPhorm. 2, 3, 14 und Gellius N. A. 16, 8, 17, beklagt den Verfall der Studienund hebt den Ruhm des Schriftstellers hervor. 2 Nachdem er die Widmungan Stephan ausgesprochen, verheißt er diesem sein Werk De principisinstructione, sobald er es fertiggestellt habe. Wenn er nun im ersten Bucheneben der Reise die Erledigung der dem Erzbischof aufgetragenen Ge-schäfte erzählt, so überwiegt dabei oft der Hang des mittelalterlichenSchriftstellers zum Wunderbaren, und Girald gibt also auch eine ähnlicheBeschreibung des Landes und seiner Merkwürdigkeiten und flicht ebensoallerhand Wunder ein, wie einst in seiner Topographia Irlands, aus der erauch 1, 2 p. 26f. eine größere Stelle aushebt. Aber er knüpft an die Reisenin die einzelnen Gebiete von Wales meist auch die Geschichte der bereistenGebiete an. Auch hier zeigt er mehrfach seine Kenntnis der keltischenSprache, z.B. 1,3 p. 37 und 1, 6 p. 62f., wie ihn überhaupt Sprachliches,ungemein zu interessieren scheint: Eine Stelle weist daraufhin (1, 8 p. 77f.)daß er in gewissem Sinne schon Sprachwissenschaft getrieben hat und zwar,was interessant genug ist, sogar mit Einschluß des Deutschen und Kelti-schen; 3 besonders gern gibt er die keltischen Namen der wallisischenStädte lateinisch wieder. Er ist aber nicht nur sprachlich, sondern auchliterarisch interessiert. So stellt er 1, 3 p. 42 Zitate aus Horazens Lyrik,aus Lucan und Petron zusammen 4 und berührt (wohl einzig) 1, 7 p. 70das nur aus ihm bekannte Werk Suetons De naturis animantium, indemer die Geschichte bei Ambrosius Hexaem. 6, 4, 24 5 erzählt und sagt, daßder Bericht bei Sueton und Ambrosius stehe; diese Angabe über Suetonhat er aber vielleicht in einem Ambrosiuskommentar gefunden. Dannstellt er 1, 7 p. 71 Plinius (Nat. Hist. 8, 142) und Solin (15, 9) zusammenund berichtet, daß beide dasselbe geben, erzählt aber die Geschichte vomGaramantenkönig viel ausführlicher. Ein grausames Witzwort Abaelardsgegen die Juden bringt er 1,12 p.95 und mehrfach schreibt er seine Expug-natio Hibernica aus. 6 Jm zweiten Buche berichtet er zunächst von St.David's als Metropolitanstadt und von ihren Erzbischöfen, die das Pallium
1 Hier wird Itinerarium mit dem griechi- änderungen.
sehen Odoporion Odoporicon) ersetzt, Opera 3 Vgl. C. Coulter im Speculum 1,10411.
ed. Dimcock 6, 3. 4 Den letzteren allerdings nach Fulgen-
2 Hier zitiert er p. 5 Stat. Theb. 12, 818f., tius; die zwei Distichen aus Petron c. 82wie er überhaupt diesen Dichter mehrfach Non bibit — ore famem.
in seinen Werken anführt. — Vorher p. 4 5 Migne 14, 251. ,
ein Zitat aus Sidon. Apoll. Epist. 5,10, 3 6 So 1,12 p. 99 und p. 100 aus Expugn. ed.ed. Mohr p. 115, 24ff.) mit einigen Ver- Dimcock, Opera 5, 274 und 284.