624 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
Wales und Irland und außerdem über die in der Kirche herrschenden Zu-stände. Aber er versteht es auch, sich selbst aus seiner Zeit herauszuheben unddas Interesse des Lesers für seine Person und für die Ereignisse zu erweckenauf die er bestimmenden Einfluß hatte. In seiner Jugend begann Girald mitGedichten, auf die wir hier zuerst einen kurzen Blick zu werfen haben.
a) Gedichte. De mundi creatione. Dies Gedicht in 133 Distichenüber die Schöpfung lehnt sich zwar in der Hauptsache an die Bibel an be-ginnt aber im Anfange mit platonischen Ideen 1 und gestaltet die biblischeVorlage zu einer Art Lehrgedicht um, indem Girald die Stellung der Planetenund des Tierkreises erörtert, die Zonen der Erde, die Himmelsrichtungendie Winde und die Jahreszeiten bespricht, das Paradies schildert und nachder Schöpfung des Menschen 2 von dessen Stellung und Herrschaft über dieErde spricht. Hier, wie in allen Werken Giralds, tritt Anlehnung an Ovidöfters hervor. 3 Das zweite Stück Descriptio cuiusdam puellae in49 Distichen gibt eine ausführliche Beschreibung der weiblichen Schönheitdie in einzelnen Stücken aus Maximian genommen ist 4 und andrerseitsmit Alans Behandlung des gleichen Themas im Anticlaudian so überein-stimmt, 5 daß die Abhängigkeit des einen Dichters vom andern evident ist.Der Dichter rühmt aber auch die Tugenden und geistigen Vorzüge desMädchens und preist ihren Gesang. Aus dem Leben scheint De subitoamore genommen zu sein, wo der Dichter an einer Quelle ein schönes Weibtrifft, an das er nun Tag und Nacht denken muß: überall begegnet ihmdas herrliche Bild, auch im Traume sieht er es, und er verzehrt sich fast imGedenken nach ihm. Von den kleineren folgenden Stücken sind die meistenSchulgedichte, doch ist einiges erwähnenswert. So richtet sich N. 10 aneinen Mönch, der an Girald ein Gedicht mit vielen prosodischen Fehlemgeschrieben hatte; die Fehler werden hier aufgezählt und mit Hilfe vonVersen aus Juvenal, Horaz, Vergil und Ovid verbessert. N. 12 enthält dieVerspottung eines Mannes von sehr zweifelhafter Herkunft, der drei Namenhatte. N. 13 wendet sich an König Heinrich IL und 14 an Walter Map miteinem übersandten Stock (N. 15 enthält Maps Antwort), N. 22 an PapstInnocenz III., 29 ist von Hildebert auf den Niedergang Roms verfaßt (Partibi Roma nihil), 33, 1 beginnt mit dem Vers aus Donats Vita Vergib ,Noctepluit tota', 35,7 verwendet Claudian. Eutr. 1, 181, 36,52 Horat.A.P.343; N. 42 gehört dem Hereforder Kanonikus und Magister Simon deFraxino an und ist an Girald gerichtet (Giralds Antwort N. 43) und N. 44stammt von demselben Verfasser, der hier für einen Freund in einem Gedichteintritt, das aus 31 Dreizehnsilbern und 19 Distichen besteht. Man sieht,daß in diese Sammlung auch fremde Bestandteile aufgenommen sind. Aller-dings hat Girald die Sammlung selbst angelegt, wie er in der Vorrede zumSymbolum electorum sagt ; 6 sie scheint also später interpoliert worden zu sein.
1 Vs. 11 Naturae genitor generum concepit 7, 7. — 59 Si semel hanc, Zeusis, vidisses,ydeas, 30 In varias species particulavit ylen, quinque relictis Esset ad exemplar haec tibi33 pius ille pater princepsque deorum. sola satis ist aus Cic. de inv. 2,1,1 "■ 8 e "
2 Vs. 215 Succedit microcosmus homo. nommen.
3 So Vs. 63. 209f. 233ff. 6 Op. ed. Brewer 1,199 Alii vero ut ms-
4 Vs. 11 f. = Maxim. El. 1, 93. 95. trica carmina neve labores . . . perirent,.--
5 Vs. 21 Dens ebur os roseum = Alan 1, 7, connecterem; 200 deinde metrica iweniwus13. Zu 28 vgl. Alan 1, 7, 24; zu 11 Alan 1, annis edita . . . explicui.