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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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G. Biographie. Hagiographie. Geographie 615

aber ist das Buch wegen seiner abgründigen allegorischen Mystik und wegenseines ungefügen Wortschwalles ungenießbar. Es beschäftigt sich besondersmit einer völlig mystischen Darstellung der Geschehnisse am Grabe desHeiligen und teilt seinen Inhalt nach der visibilis pugna, der visibilis palmaund der invisibilis palma ein.

Außerdem haben sich von Herbert 37 Briefe erhalten, von denen einigeim Namen des hl. Thomas oder seiner Anhänger geschrieben sind und diesich alle auf die Schicksale des Heiligen beziehen. Sodann besitzen wir zweiexegetische Werke von Herbert, die allerdings nicht selbständig sind, dabeide fast nur aus einer Überarbeitung der Glossen des Petrus Lombardusbestehen. Die Erklärung zu den Psalmen begann Herbert, als er sich mitThomas in Pontigny aufhielt, und zu dem zweiten Werke, einer Erklärungder Paulusbriefe, scheint er Hilfe Wilhelms von St. Denis in Mailand er-halten zu haben. Beide Werke aber sind an den Erzbischof Wilhelm vonSens (11681176) gerichtet. Endlich hängt mit der Verehrung für Thomaseine Homilie Herberts zum Thomastag zusammen.

Zum Leben Herberts vgl. Dictionary of National Biography 26, 166f. Enges Verhält-nis zu Thomas vgl. Vita Thomae (Op. ed. Giles 1) p. 299 Verum, sicut ab ipsius ore dis-cipulus, qui scripsit haec, aeeepit und Lib. 5, 10 (1 p. 304) die Überschrift De recessudiscipuli, qui scripsit haec, ab archipraesule et causa recessus. Aus den Briefen ist wichtigEp. 1 (Giles 2, 208), da hieraus die Verbindung Herberts mit Johann von Salisburyund dessen literarischer Konnex mit Wilhelm von St. Denis und die Aufbewahrung vonSchriften des Claudius von Turin zu St. Denis hervorgeht: socius noster magisterIohann.esSaresberiensis . . . schedulam ex parte cuiusdam jratris magistri Willelmi Londoniensisviri. . . qui apud s. Dionysium monachus est, detulit, quae Claudii super Matthaeum prae-titulabatur, ubi continebatur Claudium illum iuxta Origenis suspicationem opinari etc.In einem am Anfang unvollständigen Briefe weist Herbert den eignen Besitz einer Hs.des Gellius ab und erklärt, daß sie nach Sens gehöre, wo er ja Verbindung mit dem Erz-bischof hatte, daselbst p. 217 Sciatis quod liber qui Agellii noctium Atticarum inscribitur,quem a me multoties requisistis, non meus sed s. Columbae sit.

Von der Überarbeitung der exegetischen Werke des Petrus Lombarduswar lange nur die kurze Vorrede Herberts an der Spitze des zweiten Bandeszum Psalter bekannt, mit der er das Werk dem Erzbischof Wilhelm wid-mete, 1 bis Delisle das lange Vorwort, das zum Beginn der Psaltererklä-rung steht und ein Brief an Wilhelm zu sein scheint, veröffentlichte, 2 ausdem sich die Beziehungen Herberts zu Wilhelm klar ergeben; außerdemhat er die Vorrede Herberts zur Erklärung der Paulusbriefe bekannt-gegeben. 3

Ueberlieferungim Atrebat. 649 s. XII (Vita, Lib. melorum, Homilia). Oxon. Corp.Christi Coli. 38 und 146 s. XIV (Vita teilweise, Liber melorum). Phillipp. 4622 s. XII (Ex-zerpt der Vita). Cantabr. Corp. Christi Coli. 123 s. XV (Briefe). Cantabr. Trin. Coli. 150.152. 153, Bodl. Auct. E infra 6 (zum Psalter und zu den Paulusbriefen). AusgabenHerberti de Boseham opera quae extant omnia ed. Giles, London 1846 und J. C.Robertson, Materials for the history of Thomas Becket 3, 155534 Vita Thomae,535554 Liber melorum. Auszüge von Pauli, MG. SS. 27, 3933. Migne 190.

Das ihm von Bale, Index Britann. Script, p. 168 beigelegte Defensorium s. Annae(im Mus. Brit. Reg. 6. E. III s. XV n. 56) scheint nach dem Epilog von einem Domini-kaner Johannes verfaßt zu sein; doch folgt in der Hs. ein Auszug ,on the same subject'mit der Unterschrift ,Hec Herbertus secretarius s. Thome Cant. archiep. in quadam epis-tula ad Henricum comitem Tricensem super hoc nomen Salome' ; der Brief fehlt in denDrucken.

1 Migne 190,1475. » A. a. O. p. 736ff.

Journal des Savants 1900, 732ff.