614 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
seine Worte hier wie auch sonst großenteils aus biblischen Zitaten. Man hört dannvon der Wiederherstellung von Kirchen und Klöstern und von seiner Reise nach ItalienBei seiner Rückkehr vom Feldzug Friedrichs I. gegen Mailand bricht der Aufstand gegenihn aus und man faßt den Plan, den bejahrten Erzbischof umzubringen. Auf einemneuen Zuge Arnolds nach Italien (1159) wiederholen sich die Nachstellungen seinerFeinde, erst auf dem Konzil von Pavia kommt es zur Aussöhnung. Aber nach derRückkehr ins Reich bricht der alte Streit wieder aus, die Bürgerschaft von Mainz trittdem Erzbischof von neuem entgegen. Als Arnold heranzieht, verstellt man sich zwarund ist friedfertig, aber bald kommt es zum Kampfe: die Mainzer zünden das Jakohs-kloster an, wo sich Arnold befindet. Dieser wird getäuscht und wartet, angeblich infromme Betrachtungen versunken, vergebens auf Rettung. Endlich wird er von einemMainzer Vasallen Helmger schmählich getötet und nur mit Mühe kann der Märtyrerein Begräbnis erhalten. 1
Die Form dieses Werkes ist wenig erfreulich, da der Verfasser Sätze von ungeheuer-licher Länge baut und der Leser öfters auf weite Stellen nur mit biblischen Wortenunterhalten wird.
Ueberlieferung im Wirzib.M.ch.2°187 s. XVII f. 91—119. Ausgaben von BöhmerFontes rerum Germanicarum 3, 270—326 (vollständig), und von Jaffe, Bibl. rer. Germ.3,606—675 (ohne den Schluß). Zur Verfasserschaft vgl. T h. Ilgen , Westdeutsche Ztschr!f. Geschichte u. Kunst 27, 38—97, außerdem O. Holder-Egger, Neues Archiv 34243 f. und H. Moretus, Anal. Bollandiana 29, 219.
22. HERBERT VON BOSEHAM
Herbert stammte aus Boseham in Sussex und trat als gebildeter Klerikerin den Dienst Heinrichs IL, der ihn zu diplomatischen Sendungen benutzte,wie er ihn z. B. 1157 an Kaiser Friedrich I. sandte. 2 Aber Herbert schloßsich bald aufs engste an Thomas Becket an, den er zu Synoden begleiteteund dem er bei seiner Flucht auf das Festland folgte. In den sechs Jahren,die Thomas fern von der Heimat zubrachte, gehörte er zu dessen treuestenAnhängern; er half ihm bei seinen Arbeiten und seiner ausgebreiteten Kor-respondenz und kehrte mit ihm 1170 nach England zurück. Und so hater auch dessen Leben und Wirken den größten Teil seiner literarischenTätigkeit gewidmet und 1184 das Leben des Thomas begonnen, dem erspäter den Liber melorum folgen ließ. Im Jahre 1189 war er noch amLeben.
Vita Thomae und Liber melorum. In den Jahren 1184 bis 1186verfaßte er eine Biographie des Märtyrers, wozu er der geeignete Mann ge-wesen wäre, wenn er über eine bessere Form verfügt hätte. Denn er besaßdie genaueste Kenntnis der einschlagenden Verhältnisse, aber der Stil desin sieben Bücher geteilten Werkes ist so geschwollen und wortreich, dieErzählung so langatmig, der Ton so salbungsvoll gehalten, daß die höchstausführliche Darstellung vielmehr zu den Erbauungsbüchern als zu dengeschichtlichen Werken gerechnet werden muß. Belebt hat Herbert dieDarstellung durch eingestreute Verse aus den Schuldichtern, zu denenhier auch Claudian und Martial rechnen. 3 Im Zusammenhang mit der VitaThomae steht der Liber melorum in drei Büchern, ein Werk, das ebenfallsdem Lob und Ruhm des Thomas als Märtyrer dienen soll und dies viel-leicht auch bei den Zeitgenossen bewirkt hat. Für den heutigen Leser
1 Hiermit schließt die Ausgabe von Jaffe p. 124 Ovid. Rem. 369. p. 184 Claudian.(Bibl. rer. Germ. 3, 675). Mall. Theod. cons. 239f. p. 186 Martial 12,
2 Rahewini Gesta Friderici 3, 7 (ed.Waitz 6, llf.p. 231 Hor.Ep. 1,18,84. p.2750vid.p. 137). Pont. 4, 3, 49.
3 Opera ed. Giles 1, 10 Hör. A. P. 162.