Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
610
Einzelbild herunterladen
 

610 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

scribantur singula, quemadmodum plurium assensio comprobasset. Diese Vita ist späterin Kappenberg fortgesetzt worden, und an den Schluß hat man dort 24 Hexameter eestellt (SS. 12, 706), wo Vs. 20 = Hör. Ep. 1, 1, 61 ist, während in A und B nirgends eineStelle an die antike Literatur erinnert.

Ueberlieferung. Die Vita A scheint nur durch Berol. theol. fol. 79 s. XIII (aus Bran-denburg) erhalten zu sein; während B schon in drei alten Katalogen (außer den NeuesArchiv 32, 703 genannten auch in Windberg s. XII — XIII, Neues Archiv 29, 249) ge-nannt wird und vorliegt in Suession. 11 s. XIV, 12 s. XII — XIII, 13 s. XV. Prag Lob-kowitz 484 s. XII, 513 s. XII — XIII. Augustan. sen. 17 s. XIII. Monac. 260 s XIVBruxell. 982 f. 56. Vgl.MG. SS. 30, 206 f. Ausgaben: Acta SS. Jun. 1, 819 = Migne 17o'1253. A und B von R. Wilmans, MG. SS. 12, 663—706. Uebersetzt von G. Hertel'Geschichtschreiber d. d. Vorzeit, Lief. 59 (1881), teilweise bei J. Bühler, Klosterlebenim deutschen MA. (Leipzig 1923) 316 ff —Nach G. van den Elsen (Magdeburger Ge-schichtsblätter 16, 329—354) ist A jünger als B und daraus mit Benutzung andrer guterQuellen im 13. Jahrhundert gearbeitet. Als Quelle für das Wunder in Soissons wirdGuibert von Nogent, De pignoribus sanctorum 2, 91 erwiesen. — Vgl. Wattenbach2, 262f. Potthast p. 1494ff.

19. DAS LEBEN MARKWARDS VON FULDA

Markward hatte als Mönch in Michelsberg bei Bamberg gelebt und dortseine Ausbildung erhalten. Nachdem er von 1142 bis 1150 dem KlosterDeggingen als Abt vorgestanden, wurde er zum Abt von Fulda erhoben.Dieses ehedem mächtige Reichskloster war durch die weltlichen Nachbarnseiner in allen Reichsteilen zerstreut liegenden Güter derart mitgenommenworden, daß ihm fast nichts mehr gehörte, und um seine kräftigen Maß-nahmen gegen diesen Raub zu verteidigen, griff Markward zur Feder undverfaßte eine Art Selbstbiographie. Diese enthält nun in ihrer Kürze wohldie belebteste Schilderung der damaligen Bedrängnis der Klöster gegenüberder Unersättlichkeit der Weltleute, sie zeigt aber auch deutlich, was eintüchtiger Abt dagegen vermochte.

Markward beginnt seine kurze Darstellung mit dem Bemerken, daß nie-mand sein eignes Lob schreiben solle, er sei aber gezwungen worden, dieFeder zur Hand zu nehmen, um seine Handlungsweise zu verteidigen.Vom Anfang seiner Abtsstellung an habe er darauf sehen müssen, dieStellung seiner Kirche wieder zu heben, denn ihre Einkünfte waren derartiggesunken, daß man nicht mehr für einen Tag Lebensmittel für Möncheund Abt besaß. Die Güter waren entweder schon in Laienhänden oderdoch über die Hälfte verkleinert. Die Fürsten hatten die großen Besitz-tümer ganz offen weggenommen und die ärmeren Leute schufen sich Vor-werke und Gütchen in den Hainen und Forsten, die dem hl. Bonifathisgehörten. Sein Vorgänger habe daher die kostbaren Gefäße und Gegenständedes Klosters verkaufen müssen,wenn es galt, dem königlichen oder kaiserlichenHof dienstbar zu sein. Und er habe endlich dagegen einschreiten müssen undmit der Einwilligung König Konrads III. und Papst Eugens III. habe erkeinem seiner Vasallen oder Ministerialen ein größeres Lehen zugestanden,als ihm rechtlich zukam. Das habe für seine Leute allerdings bald Mord undTotschlag ergeben, doch Gott habe ihm bald den Sieg verliehen, obwohler keine hochgestellten Verwandten habe und ja als Fremder in dieseGegend gekommen sei. Zum Schutz des Klosters habe er die Burg Biber-stein gebaut und eine tüchtige Besatzung hineingelegt, dann habe er dasbenachbarte Schloß Haselstein wiedergewonnen, das ein Schlupfwinkel für