G.Biographie. Hagiographie. Geographie 609
Gewitter gedemütigt worden war. Norbert wurde auf seinen Wunsch vomErzbischof von Köln an einem Tage zum Diakon und zum Priester geweiht,doch trug er sich, da er häufig vom Teufel versucht wurde, mit dem Gedan-ken der Konversion und ließ sich schließlich von Gelasius IL das Rechtder freien Predigt und des Umherwanderns übertragen. In Valenciennesgewann er einen Genossen Hugo und genoß bald hohe Verehrung. AlsCalixtus II. erhoben worden war, kam Norbert 1119 zum Konzil nach Reims,um den neuen Papst um Bestätigung seiner Gerechtsame zu ersuchen. Umihn in Laon zu halten, wählte man ihn dort zum Abt von den Kanonikernzu St. Martin. Er versprach auch die Wahl anzunehmen, wenn die Kanonikernach seiner Lehre leben würden; aber das wiesen sie zurück. Doch nahm erendlich die Einöde Premontre vom Bischof von Laon an. Hier sezte ersich der schärfsten Askese aus, denn der Teufel versuchte ihn häufig; 1 eskam zu wiederholten Wundererscheinungen. Alles das wird im breitestenLegendenstil mit biblischer Sprache und unter vielen biblischen Zitatensehr ausführlich gegeben, so daß man den Verfasser selbst als Augenzeugenannehmen oder mindestens dafür halten muß, daß ihm ein Augenzeuge daserzählt hat. Für unser Empfinden sind die langen Unterhaltungen, die derTeufel mit Norbert oder dessen Umgebung pflegt, 2 zum mindesten naiv ge-dacht. Mehr aktueller Art sind die Schwierigkeiten, die Norbert mit derFamilie des Grafen Godefrid von Kappenberg wegen dessen Zuwendungenan die Kirche zu bestehen hatte (Kap. 15). Auf der Rückkehr von einerRomreise im Jahre 1126 hört er zuerst, daß er Erzbischof in Magdeburgwerden soll, und als er das Erzbistum erhielt, sträubte er sich gewaltig da-gegen (Kap. 18). In der neuen Stellung aber war er eifrig auf Rückerwerbdes von seiner Kirche verlorenen Besitzes aus, und das wirkte derartig, daßman gedungene Mörder gegen ihn schickte. Er überwand die Gefahr,hatte aber mit der Magdeburger Bevölkerung Schwierigkeiten genug(Kap. 20). Dann schildert der Verfasser die Teilnahme am Zuge Lotharsnach Italien und hebt hervor, daß es der Einspruch Norberts war, wennLothars Forderung an Innozenz IL wegen der königlichen Investitur nichtdurchdrang. Norbert wurde in Italien krank, kommt aber dann zurück bisMagdeburg und stirbt hier am 6. Juni 1134. Am Schlüsse erwähnt derVerfasser den Streit, der zwischen der Domkirche und der Marienkircheum das Begräbnis ausbrach.
Die Vita Norberti B stellt ein längeres Vorwort voran, aus dem her-vorgeht, daß der Verfasser sich sowohl nach schriftlicher Unterlage als auchnach eignen Erlebnissen richtet. Er sagt, daß ihm keine Bearbeitung vonNorberts Leben aufgestoßen sei, die die Tatsachen vollständig und derReihe nach erzähle, und daß er deshalb mehrere Männer versammelt habe,mit deren Übereinstimmung sein Bericht abgefaßt sei.
Praef. (MG. SS. 12, 670, 27) Horum nimirum quaedam sunt quae praeterita et ab aliisconscnpia legimus, quaedam vero quae ipsi quoque praesentia ex magna iam parte vidimuset videmus . . . (671, 30) eorum quae de ipso legitimo et fideli testimonio ab aliis narratadidici et scio, pauca summatim stringam . . . (34) Praeterea sciendum est . . . ut convenienti-ous in unum quibusdam, qui ab initio cum eo iugiter conversati sunt, eo modo et ordine con-
1 So spricht c. 10 p. 680, 29f. der Teufel erst französisch und dann deutsch,aus dem Mund eines Mädchens das Hohelied 2 Vgl. besonders Kap. 13. 14.H.d.A.lx.2,3 39