G. Biographie. Hagiographie. Geographie 611
allerhand Raubgesindel geworden war. Desgleichen habe er das königlicheSchloß Boumineburch für Kriegszwecke zum Klosterschutz ausbauen lassenund die Stadt Fulda mit Mauern, Wall und Graben umgeben sowie Türmeund Ausfalltor angelegt. Auch habe er das ganze Bleidach des Klosters er-neuert einen neuen Glockenturm errichtet und die Wasserleitung des Klo-sters neu gebaut, so daß jeder Mönch sein Handwasser in der Zelle hatte;auch habe er die Leitung in die Abtei gelegt. Besonders aber sei er daraufbedacht gewesen, das zurückzugewinnen, was dem Kloster geraubt wordenwar. Und nur durch sorgsames Umgehen der gesamten früheren Kloster-sebiete habe er feststellen können, was abhanden gekommen war, und habefür alles, was zu den Mahlzeiten der Brüder nötig war, Ersatz geschaffenund auch den Einzelzellen und Propsteien im Bereiche des Klosters hin-reichend Unterhalt gewährt. Der ganze Klosterbesitz (15000 Mansen) sollteeigentlich in den fünf Herzogtümern Belehnung für je sechs Reichsfürstenbilden, aber in allen fünf Gebieten hatte ein einzelner Fürst alle Lehen ansich gerissen. Am Schluß der kleinen Schrift zählt Markward noch dieReichsfürsten auf, die Lehen vom Kloster Fulda trugen. — Daß das Werk-chen überliefert ist, hat es übrigens nur dem Umstände zu verdanken,daß es in das Fuldaer Kopialbuch aufgenommen wurde, welches Mark-ward dem Mönche Eberhard zu schreiben auftrug. Es hat sich in zweiTeilen erhalten und umfaßt die Urkunden des Klosters, unter denen sichnicht wenig absichtliche Fälschungen befinden. Markward dankte übrigensim Jahre 1165 ab, da er die von Friedrich I. aufgestellten Gegenpäpste nichtanerkannte. Er ging ins Kloster Michelsberg zurück und ist dort am 23. Juli1168 gestorben. Formal verdient seine schriftstellerische Leistung keineHervorhebung, denn sie besitzt einen durchaus trocknen und nüchternenStil und ihre Sprache ist völlig kunstlos.
Anfang (ed. Böhmer p. 165) Ego Marcuardus dei gralia . . . sancte Fuldensis ecclesiediclus minister omnibus Christi suique fidelibus. Fulda wird darin bezeichnet als tarnnobilis locus et omnibus fidelibus adamatus atque exoptatus. Ueberlieferung im FuldaerKopialbuch (jetzt Staatsarchiv Marburg) s. XII. Drucke von Schannat, Hist. Ful-densis p. 187—190; Dronke, Tradit. Fuldenses p. 153—157; J. Fr. Böhmer, Fontesrer. Germ. 3,165—173; teilweise deutsch übersetzt von J. Bühler, Klosterleben imdeutsch. MA. S. 147 ff. Zum Leben Markwards vgl. Böhmer, Fontes rer. Germ. 3p. XXXVIII. Das Michelsberger Nekrolog (Jaffe, Bibl. rer. Germ. 5, 563) bietet zu X.Kai. Aug. Marcuwardus abbas Fulde nostre congregationis frater anno MCLXVIII.
20. DIE VITA MEINWERCI PADERBORNENSIS
Zwischen den Jahren 1155 und 1165 hat ein Mönch des Klosters Abding-hof in Paderborn das Leben des 1036 gestorbenen Bischofs Meinwerk ge-schrieben, dessen Lieblingskloster Abdinghof gewesen war. Daher konntesich der unbekannte Verfasser hier am besten die Unterlagen für seineArbeit verschaffen. Sie sind erstens mündlicher Art, denn in des Bischofseigenster Stiftung mochte sich das Andenken an ihn durch Tradition amtreuesten bewahrt haben, und so gehen wohl die sehr zahlreichen Geschich-ten, die das Werk im Rahmen leichter Erzählung in großer Fülle aufbewahrthat, darauf zurück. Zweitens kommen die Urkunden des bischöflichen unddes Klosterarchivs in Betracht, die der Verfasser reichlichst benutzte,indem er ihren Inhalt in Kap. 31—129 niederlegte. Und endlich standen
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