600 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
erzählt, daß er Kanoniker in der Mutterkirche von Lüttich und Propstwurde, eine Pilgerfahrt nach Jerusalem machte und nach seiner Rückkehrdie Wahl zum Bischof empfing; auf dem Konzil zu Reims wurde er durchden Papst geweiht. Nach einer Reihe von Kämpfen mit seinen Gegnern wirder schließlich vom Feinde vergiftet; das Gift wirkt freilich erst beim drittenMale. Es erfolgt das Begräbnis und dann meint Nizo, mehr wolle er über dasLeben des Heiligen nicht schreiben, da sich noch einige von seinen Feinden— Scyllaei canes 1 nennt er sie — am Leben befänden; doch werde er nocheiniges von seinen Wundern bringen. Nun wird die Translation (1122) erzähltund alle übrigen Abschnitte begnügen sich mit Visionen und Wundern.Die Schrift enthält ungemein wenig Tatsächliches, dagegen schmückt siesich häufig mit Reimprosa (Pohlheim S. 411).
Zeugnisse. Zu Nizo vgl. Reineri de claris Script. 1,15 (Pez, Thesaur. anecdot.4,3, 32) Nee vero Nizonem omiserim nostrum . . . Quippe dum obtuso et quasi testudineo essetingenio, tarnen exercitiis acuebatur . . . Claras edidit melodiös . . . de domno Frederico Leo-diensi episcopo, ex cuius etiam gestis obitu vel miraculis libellum scripsit. Falli poteratfallere komo simplex ignorabat. 2 Hieraus ergibt sich auch, daß Nizo noch einen Gantusauf Friedrich verfaßt hat. Im Prolog heißt es (MG. SS. 12, 502, 19) Omnibus... ec-clesiae filiis fideles qui sunt Leodii . . . (27) Vidimus enim quantas dederint ruinös 3 urbeoppressa . . . ad extinguendam canonicae electionis lucernam domnum Fredericum duxLovaniensis Godefridus et advocatus Hasbaniae Wiggerus ceterique proceres Lotariae. Zuden Wundern c. 9 p. 506, 19 Ceterum de miraculis . . . brevi absolvam ad laudem et glo-riam ipsius. Zur Benutzung antiker Autoren p. 502, 30 Sed gratia dei longe aliter scrati erant cessit Sali. lug. 7, 3. c. 2 p. 503, 5 fuerant factiosi novarum rerum cupidi Sali.Cat. 18, 4 und Caes. B. G. 1, 18, 3. c. 4 p. 504, 10 Res ipsa hortari videtur Sali. Cat. 5, 9.
Ueberlieferung. Benutzt wurde die Vita durch Aegidius von Orval, dessen Gestaepisc. Leodiens. c. 20—22 aus ihr stammen. Eine Handschrift der Vita ist nicht mehr be-kannt, so ist der Druck von Martene, Collect, ampl. 4,1023—1032 die Grundlage ge-worden. Dort sind manche Wunder ausgelassen, in der Ausgabe von Wattenbach, MG.SS. 12, 502—508 sind sie aus Aegidius ergänzt. Vgl. Wattenbach 2,148. Zu erwähnensind die seltenen Worte c. 5 p. 504, 25 tutelator und 6 p. 505, 2 exfestucare (nach Ducange3, 248 in der Lütticher Diözese gebräuchlich).
Eine zweite Vita Friderici ist ganz aus Aegidius geschöpft und steht im Bruxell. 9742.
Vita Friderici ep. Leod. metrice. Außer der Prosa besitzen wir nochein Leben Friedrichs in 159 Hexametern, dessen vierzehn erste Verse dasEpitaph Friedrichs bilden; in der Handschrift wird das Werk fälschlich aufFridericusTraiectensis episcopus bezogen. Es ist von G. Kurth entdeckt wor-den, der sich aber nicht darüber entscheiden mag, ob die Prosa dem Gedichteoder umgekehrt vorgelegen hat. Es ist wohl in St. Trond um die Mitte des12. Jahrhunderts 4 verfaßt, von einem Mönche, der zur Zeit Theoderichs insKloster trat, Rodulfs Schüler wurde und noch Friedrichs Freund gewesenist. Das Epitaph besteht aus 9 leoninischen Versen und fünf Trinini salientes,das Gedicht selbst aus 145 paarweise und zweisilbig gereimten Caudati.Irgendwelchen besonderen Wert hat es nicht, Vs. 44 treten die in jener Zeitoft genannten Pseudopersonen Rufinus und Albinus (Gold und Silber) auf.Von der Simonie wird hier sehr viel gesprochen, was in der Prosa fast ganzzurücktritt; dagegen werden die Wunder fast verschwiegen.
Ueberlieferung im Mus. Brit. Addit. 24914 s. XII. Ausgabe von G. Kurth, Anal.Bollandiana 2, 264—269. Das Epitaph bei Dümmler, Neues Archiv 2, 603. Vgl. MG.SS. 25, 97. Vgl. Delecluse, Biogr. nation. de Belgique 15, 759f., und Balau, Lessources histor. de Belgique (1903) S. 349 ff.
x Nach Hieron. Ep. 125, 2. 2 Im folgen- 3 V. q. d. r. ist die Zeile der sapphischenden erzählt Reiner, wie ihn die Schüler, zu Strophe. 4 Zur Zeit vgl. Kurth, Anal,denen er selbst gehörte, behandelten. Bolland. 2, 260.