G. Biographie. Hagiographie. Geographie 601
15. SUGER VON ST. DENIS
Suger, einer der größten Staatsmänner Frankreichs im 12. Jahrhundert,ist um 1080 in der Nähe von St. Omer geboren; er stammte aus ganz armerFamilie und erhielt in dem kleinen Stift Estrees bei St. Denis seine ersteAusbildung. Dann kam er ins Kloster St. Denis, wo er 1094 den späterenKönig Ludwig VI. als Prinzen kennen lernte, mit dem ihn bald ein engesFreundesverhältnis verband. Nachdem er mehrere Klöster besucht hatte,kehrte er 1103 nach St. Denis zurück, dessen Abt Adam ihn sehr gut auf-nahm. Er begleitete diesen auf vielen Reisen und lernte dabei die Mitgliederdes Hofes und die Großen in den Provinzen kennen. Später wurde er zumPropst in Toury gewählt und machte als solcher 1112 eine Romreise. ImJahre 1122 starb der Abt Adam und Suger wurde nun zum Abt in St. Denisgewählt, allerdings gegen den Willen König Ludwigs. Bald nahm er aufdringendes Anraten Bernhards von Clairvaux für sich und sein Kloster einestrenge Reformation an. Schon 1137 starb der König, dessen Sohn Lud-wig VII. nun in den besonderen Schutz und in die politische Vormund-schaft Sugers trat. Und diesem gelang es auch, die französische Königs-macht wieder aufzurichten, die unter Ludwig VI. stark gesunken war. Baldnach dessen Tode aber begann Suger sein Leben zu schreiben, das er wohlnoch vor 1145 beendete, da er in diesem Jahre eine weitere wichtige Schrift,nämlich die Darstellung über die Geschichte von St. Denis während seinerVerwaltung begann. Auch verfaßte er eine Schilderung der Weihe der vonihm erbauten neuen Kirche seiner Stiftung und der Übertragung der dreiMärtyrer Dionysius, Rusticius und Eleutherius. Gegen das Ende seinesLebens aber beabsichtigte er noch, die Regierung Ludwigs VII. darzustellen,doch ist er damit nicht weit gekommen, da sich nur Fragmente davon er-hielten, die über Ereignisse von 1138 berichten. Im Jahre 1151 ist er nacheinem politisch reich bewegten Leben gestorben.
Zeugnisse. Die Hauptquelle für das Leben Sugers ist die Vita Sugerii abbatis, diesein Schüler Wilhelm von St. Denis schrieb. Dort heißt es 1,1 (Migne 136, 1194) Quicum preesset monasterio, preerat et palatio und 1, 4 col. 1195 B Cui cum precipua regniincumberent negotia. Zur Abkunft 1, 3 col. 1195A Verum quia illustri viro ab emulishumilitas obicitur generis. Zur Bildung 1, 4 col. 1195 D Gentilium vero poetarum ob tenacemmemoriam oblivisci usquequaque non poterat, ut versus Horatianos utile aliquid continentisusque ad vicenos, sepe etiam ad tricenos memoriter nobis recitaret. Zur Sprachkenntnisvgl. 1, 5 col. 1195 D, daselbst zur Kenntnis der profanen Geschichte. Verkehr mit KönigRoger von Sizilien, Heinrich I. von England, David von Schottland 1, 8 col. 1197 A, mitPetrus von Cluni und dem hl. Bernhard 2, 10 col. 1201 AB, mit Papst Eugen III. 3, 5col. 1203B. Das weitere in Gallia christiana 7, 368 und Hist. litt. 12, 361ff. und A. Mo-linier, MG. SS. 26, 46. In der Vita Sugerii führt Wilhelm Plato (1, 3 col. 1195) an 1 undgibt (daselbst) ein längeres Zitat aus Sen. ep. 66, 6 (fast ganz); die Verse 2, 5 col. 1199 Asind Verg. Ge. 2, 212 f.
a) Vit a L u d o vi c i VI. Sugers BiographWilhelm berichtet, daß der Abt eineaußerordentliche Kenntnis der französischen Geschichte besessen und daßer die Taten König Ludwigs vortrefflich dargestellt habe. Das Leben Lud-wigs VI. widmet er dem Bischof Joscelin von Soissons, dem er in einem kurzenVorwort 2 das Werk zur bessernden Durchsicht empfahl. Eine solche wird
oed et Plato ait neminem regem non ex in den Worten excidamus ei monumentum
numüibus oriundum, neminem non humilem aere perennius Hör. C. 3, 30,1. Ep. 1, 2, 69
e \ ™? lbus wird angeführt Kap. 8 col. 1264D.
Hier verwendet er (Migne 186, 1254B)