G. Biographie, Hagiographie. Geographie 567
begehrte, zum Abt von St. Hubert. Nach einigem Sträuben- nahm er dieStellung an, aber er hatte in seinem Kloster bald sehr schweren Stand, dadort jede strenge Regel verachtet und ihm ein Mönch Lambert in allementgegen war. Indeß wurde die Reform im Kloster doch durchgeführt. Hier-auf berührt der Verfasser die stattliche Steigerung des Besitzes und der Ein-nahmen in St. Hubert und erzählt, wie Dietrich barfuß eine Pilgerreisenach Rom gemacht habe, wobei er die Schwierigkeiten auf dem Wege inanschaulicher und kräftig rhetorischer Weise ausmalt. Dietrich erbaut danndas neue Kloster zu St. Hubert und verrichtet auf einer Reise nach St. Gil-les mehrere Wunder, ein weiteres Wunder in Jülich auf einer Reise zu sei-nem Freunde Anno nach Köln. Im Jahre 1074 ging er wieder nach Rom,und zwar mit Bischof Hermann von Metz, und Gregor VII. sandte ihm vonRom ein päpstliches Privileg für sein Kloster nach, wogegen aber BischofDietwin lebhaft protestierte. So fand ihn das Jahr 1077 wieder in Rom (zumsiebenten Male), wo er wieder vom Papste gut aufgenommen wurde. Auf derRückreise bewirkte er ein Regenwunder in Reims, und nachdem der Ver-fasser endlich von seinen vielfachen Kirchenbauten berichtet hat, spricht eryon seinem Scheiden und erzählt, in wie rührender Weise sich der Abschieddes Abtes von den Leuten aus der Gegend gestaltete. In einem kurzen Epilogrekapituliert er im Schlußkapitel noch einmal das bewegte Leben seinesHelden. Das Werk liest sich im ganzen recht gut, da es in einem freien undanregenden Stile geschrieben ist, der eine Ermüdung beim Lesen nicht auf-kommen läßt, wozu vielleicht manche aus der älteren Literatur der Dar-stellungeingefügte Wendungen, die den Stil variieren, nicht wenig beitragen.
Zeugnisse. Einführung c. 1 p. 37, 15 Quibusdam antiquis scriptoribus aiunt utiliterhoc studii genus summum fuisse, ut. . . virorum tarn dicta quam facta ea dumtaxat quaerelatu digna videbantur, litteris transmitterent... nee silentio premeret annosa vetustas (Ovid.Trist. 5, 2,11), quos miraretur . . . posterior aetas. Verhältnis zu Dietrich 2 p. 37, 47ne in eum quem immoto amore dilexi condemner mentiendo magis iniurius. Zum Werke 31p. 56, 29 Teslor Christum et eos qui aderant, me nihil fingere commenti, sed quod videremihi et audire contigit, in veritate de saneto homine Vera dicere; 2 p. 37, 38 mi Lamberte, . . .aggressus sum, te adhortante venerabilis senis Theoderici abbatis vestri vitam scribere . . .41 illa tantum quae tua et aliorum fidelium relatione mihi de ipso comperta sunt, rusticanoquidem et minus aecurato sermone sed quam verissime polero expedire und 33 p. 57, 47Sed ego, mi Lamberte, hunc tibi libellum de vestro immo de nostro patre Theoderico . . .exaravi. Von Stellen aus älterer Literatur seien hier genannt 9 p. 42, 25 tarnen quoddifficillimum est omnibus erat carus Sali. Jug. 10, 2. 9, 2; 11 p. 43, 27 ut eas et memoriterteneret Plin. Epist. 6, 33,11; 20 p. 49, 8 vir seeundum saeculi dignitatem Sulp. Sev. VitaMartini 2,1; 25 p. 52,12 comperendinato in aliud tempus iudicio, vgl. Pauli epit. Festip. 355 (ed. Lindsay); 26 p. 52, 27 rex fluviorum Eridanus Verg. Georg. 1, 482.
Ueberlieferung. Mabillon verwendete drei lückenhafte Hss. und Kuper die Ab-schrift eines cod. Alnensis; dieser, ehedem Ms. Phillipps 4632, ist jetzt in Brüssel bibl.roy., vgl. Catal. codd. hagiogr. bibl. reg. Brux. 1, 2, 481; sonst Hag. T 305 s. XIII, Anal.Bolland. 6,198 f. — Vgl. Ch. Hanquet, Etüde crit. sur la chronique de St. Hubert(1900); dagegen A. Cauchie, Comptes rendus des seances de la commiss. roy. d'Hi-stoire, 5. Serie 11, 61—144, darauf Hanquet, Comptes rendus p. 477—516, Ausgabenvon Mabillon, Acta ss. ord. s. Bened. 6,2,557; von Kuper, Acta SS. Aug. 4,843; ed.Wattenbach, MG. SS. 12, 37—57. Vgl. Wattenbach 2,133. Es gibt auch eine Epi-tome der Vita Theoderici: Brux. 4877—4886 s. XIII (Anal. Boll. 20, 71), andre Hss. Anal.Soll. 14, 57. 252.
2. NORBERTS VON IBURG VITA BENNONIS
Norbert stammte aus Brabant und wurde in seiner Jugend von einemVerwandten, der die Domschule zu St. Peter in Köln leitete, herangebildet.