566 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
Voraviensis 199 s. XIV. Ausgabe von Wattenbach, MG. SS. 17, 443 (bis p. 476 dieAnnalen, bis p. 523 die Chronik und bis p. 534 die Fortsetzung). Vgl. Wattenbarh2, 313 ff.
GBIOGRAPHIE. HAGIOGRAPHIE. GEOGRAPHIE
1. VITA THEODERICI ABBATIS ANDAGINENSIS
Zu den bedeutenderen Schülern des Abtes Richard von St. Vannes ge-hörte Dietrich, Abt von St. Hubert in den Ardennen, dessen Leben baldnach seinem 1087 erfolgten Tode wahrscheinlich durch einen Mönch vonLobbes dargestellt wurde. Die Biographie gehört zu den besseren Werkenihrer Art und verdient daher eingehendere Berücksichtigung. Der Verfassergibt sich schon in der Einführung als gebildeter Mann zu erkennen, indemer sich über Ideen der alten Historiker ausspricht und dann über die kirch-liche Geschichtschreibung zu seinem eignen Werke gelangt. Er habe Diet-rich gekannt und hoch verehrt, aufgefordert aber habe ihn Lambert dazu,ein Mönch von St. Hubert, dem er die Schrift widmet und den er bittet, anseine Wahrhaftigkeit zu glauben, da er nur schreibe, was er selbst gesehenund was ihm Lambert und andere glaubwürdige Männer mitgeteilt hätten.Und wenn er am Schlüsse schreibt: „Ich habe dir dies Büchlein über euern,vielmehr unsern Vater (d. h. Abt) verfaßt", so darf man annehmen, daß derAutor Mönch in Lobbes war, da Dietrich vordem sich längere Zeit in Lobbesals Lehrer aufhielt. Mit dem 3. Kapitel kommt er auf Dietrich zu sprechen.Wenn er freilich den ihm beigelegten Namen Theoderich als dei contemplatoroder als divinorum speculator erklärt, so versteht er dessen ersten Bestand-teil fälschlich als das griechische &e6c, und nicht als das germanische thiuda;er setzt allerdings vorsichtig ein potest interpretari hinzu (c. 4 p.39, 4).Den Vater Dietrichs vergleicht er mit dem Vater des hl. Martin und hatdamit schnell die Möglichkeit der Benutzung der Vita Martini gefunden.Der Knabe kommt ins Kloster Maubeuge zu seiner Schwester Ansoaldis,deren Tugenden breit und mit Flicken aus der Vita Martini geschildertwerden. 1 Zu dieser Zeit blühte das Kloster Lobbes und hierhin kam Diet-rich nach dem Tode des Vaters 2 unter die Pflegschaft des Abtes Richard.Siebzehnjährig wurde er Subdiakon und nach zwei Jahren wurde er alsMönch zum Diakon befördert. Schon in dieser Jugend traten streng asketischeRichtungen bei ihm hervor und er wurde schließlich Lehrer in Lobbes undPresbyter. 3 Dann aber begehrte ihn Abt Poppo von Stablo für sein Klosterals Lehrer, und hier verrichtete er eine Teufelsbeschwörung und ein weiteresWunder. Hierauf hielt er sich drei Jahre zu Verdun in St. Vannes auf, von woer eine Pilgerreise nach Jerusalem beabsichtigte, die aber mißlang. Auf derRückreise traf er in Rom mit Bischof Dietwin von Lüttich zusammen, unddieser erwählte ihn, gerade als ihn Heinrich III. zum Lehrer nach Fulda
1 Vgl. 6 (MG. SS. 6, 40, 24) nonnumquam 2 8 p. 41, 34 pater enim humanis rebus iamvero orando diem continudbat nocti mit Sulp. exemptus (Vita Mart. 7, 2) naturae conces-Sev. Dial. 3, 14, 4 (ed. Halm p. 212, 14) serat (Sali. lug. 14,15).... 32 numquam irata Vita Mart. 27,1. 3 Hier finden sich Zeitbestimmungen lur
sein Leben c. 11 p. 43, 14 und 19 f.