568 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
In Bamberg wurde er dann Domherr, trat aber, als sein Verwandter inKöln starb, in das Kloster Siegburg als Mönch ein. Von dort aus wurde er1084 als Abt nach Iburg versetzt, das von Benno IL, Bischof von Osnabrückbegründet worden war, und hier ist er am 4. Dezember 1117 gestorben.Als Abt von Iburg aber hat er das Leben des Stifters in einer hervorragendenWeise dargestellt, und zwar als Markgraf Ekbert schon getötet war (1090)und als sich Wibert (Clemens III.) noch am Leben befand, also zwischen1090 und 1100. Norbert will seinen Helden durchaus nicht zum Heiligenerheben, sondern wahrheitsgetreu über sein Leben schreiben. Was er überBennos Jugend und seine Studien zu Straßburg, Speier und Hildesheinierzählt, ist von hohem Wert für die Geschichte des 11. Jahrhunderts.Wichtig ist außerdem seine Darstellung über Bennos Verhältnis zu Hein-rich IV., denn dieser war dem König in einer so klugen Weise ergeben, daßweder Gregor VII. noch Wibert ihn unter ihre Feinde rechnen konnten.Übrigens nennt sich Norbert in der Biographie nirgends, redet auch nichtunmittelbar von sich als Abt, sondern macht mehr nur Andeutungen. Jeden-falls gehörte er zu den treuesten Anhängern des Bischofs, und damit hängtes zusammen, daß er in seinem Werke etwas einseitig Partei nimmt, wieL. Thyen richtig bemerkt. 1 Er folgt meist der mündlichen Berichterstat-tung Bennos an ihn selbst, außerdem benutzt er verlorene Iburger Annalen,einige Urkunden Heinrichs IV. und Briefe von Zeitgenossen, beim Ungarn-feldzuge Heinrichs III. (1050) volkstümliche Dichtungen und Gesänge aufdas Verhältnis Bennos zu dem Bischof Azelin von Hildesheim.
Die Vorrede beginnt mit der Absicht des Verfassers, dem Stifter und Be-gründer seines Klosters ein Denkmal zu setzen; Zeichen und Wunder könneer allerdings nicht von ihm erzählen, wohl aber nachahmenswerte Taten,also auf ein Ausposaunen seines Ruhmes war die Biographie nicht abge-sehen. Daher lehnt sich auch Norbert im Anfang seines Wirkens nicht andie Vita Martini an, sondern erzählt vom Beginn der Studien Bennos inStraßburg, von ihrer Fortsetzung in Reichenau unter Hermann, und dannin Speier, wo er in Kap. 4 den salischen Königen ein schönes Denkmal setzt.Darauf wird Benno Lehrer in Hildesheim, 2 steigt zum Rat des BischofsAzelin (Ezelin) empor, wird Propst von Hildesheim und Erzpriester inGoslar und geht nach Köln. Dann folgt seine Wahl zum Bischof und eineeingehende Darstellung seines bischöflichen Wirkens bezüglich des ihm an-vertrauten Landes, wie schon früher in Kap. 10 sein merkwürdiges Geschickfür Landwirtschaft hervorgehoben wird. Sehr genau wird natürlich die Grün-dung des Klosters Iburg erzählt und von großem Interesse ist die Darstellungvon Bennos kirchenpolitischem Walten. In den Schlußkapiteln wird der Todund das Begräbnis des Bischofs dargestellt und sein Epitaph aufbewahrt.
Die zweite Hälfte der Biographie besitzt insofern eine höhere Bedeutung,als hier urkundliches und briefliches Material in die Darstellung eingefloch-ten wird; so c. 26 p. 75 ein Brief des Propstes Adelold von Hildesheim an
x Lucas Thyen, Benno IL, Bischof von Vers, der im Mittelalter selten erscheint,
Osnabrück (1869) S. 15. Kap. 9 p. 64, 37 wird zitiert Hör. Bp. 1, 20,
2 Kap. 5 p. 63, 3 (MG. SS. XII) wird 25 (mit Aenderung).Juven. Sat. 7, 65 (nostra) angeführt, ein