F. Klostergeschichte 565
10. DIE CHRONIK DES MAGNUS VON REICHERSBERG
Ein Kanoniker im Kloster Reichersberg hat im Jahre 1157 eine Chronikvorzubereiten begonnen, mit der er bis 1167 beschäftigt war. Er benutztedazu Orosius, 1 die Historia miscella und einen Papstkatalog, dann von 739bis 904 Regino. Doch erst seit 1084 bietet er reichliche Nachrichten. Voneinzelnen Schriften scheint er die Vita Corbiniani zu 774 verwendet zuhaben sicher aber zu 955 die Vita Udalrici, zu 1092 des Robert von St. RemiHistoria Hierosolymitana und Gerhohs 1162 verfaßten Liber de investig.Antichristi. Dieses Werk benutzte nun der Reichersberger Presbyter Mag-nus als Grundlage für seine eigne historiographische Arbeit, denn der vonder Handschrift von Graz zu 1187 erwähnte Magnus 2 wird in der Fortsetzungals 1195 gestorben angeführt und als Verfasser einer Chronik genannt. Diesehat sich in drei verschiedenen Bearbeitungen erhalten. Magnus benutztezur Verbesserung und Erweiterung der Chronik nicht wenig Quellen, näm-lich die Hist. ecclesiastica und tripartita, Hieronymus De vita patrum,Bedas Kirchengeschichte, die Vita Severini, die Vita Gregorii L, Wolfgangi,Thiemonis; ferner entnahm er aus Gerhohs Antichrist mehr als der Verfasserseiner Vorlage, viel verwendete er Adalberts Vita Heinrici II. und Otto vonFreisings Chronik, einiges ausLiudprandsAntapodosis, aus demLibellus deconversione Bawariorum und aus der Vita Bonifatii. Mit alledem bereicherteer seine Darstellung und gab in der jetzt verlorenen Handschrift von Rei-chersberg 3 ein Geschichtswerk, in dem seit 1084 die Geschichte des eigenenKlosters angebracht wird. Für das 12. Jahrhundert aber bringt er reich-lichen Stoff zur Geschichte der Salzburger Erzdiözese, namentlich infolge derBenutzung vieler Berichte und Briefe; so hat er fast das ganze Tagebuchdes Passauer Presbyters Tageno über den Kreuzzug Friedrichs I. 4 einge-legt. Als er bis 1194 gekommen war, hat er eine namentlich in bezug aufdie eigne Klostergeschichte verkürzte Gestalt seiner Chronik gearbeitet undhat Annalen an die Spitze gestellt, die von 1 bis 1167 reichen. Später ist eineFortsetzung bis 1279 angeschlossen; hierin finden sich Briefe über die Ge-fangenschaft Richards I. von England und solche von Papst Coelestin III.In den von Magnus gearbeiteten Annalen — sie sind von 921 an gedruckt —werden besonders Dinge erwähnt, die auf das Kloster oder den SalzburgerSprengel Bezug nehmen und zwar mit Einlage vieler Briefe und Urkunden.Die Annalen beginnen mit Adam, eilen aber sehr schnell zu Christi Zeit.Links werden die Päpste, rechts die Kaiser bis auf Friedrich I. verzeichnet.Dann folgt die Geschichte des Klosters und Erzbistums, aber auch dieReichsgeschichte wird berücksichtigt.
Zu Magnus vgl. den Beginn der Fortsetzung (1195) SS. 17, 523, 40 Eodem anno de-functus est dominus Magnus venerabilis presbiter Reicherspergensis cenobii, qui in omnibusecdesienegotiisvigilanticurainhiabat. Quietipsecronicamhucusquescripsit. Ueberlieferungim verlornen Reicherspergensis (gedruckt als Chron. monasterii Reicherspergensis ed. G e-wold, München 1611). Monac. 1090 s. XII. Hs. des Grazer Johanneums s. XII—XIII.
/ Vgl. zum Jahr 248, MG. SS. 17, 478, 53 4 ed. Freher-Struve, Germ. rer. SS. 1,
mxta computationem Horosii. 407; bei Wattenbach, MG. SS. 17, 509—
MG. SS. 17, 507, 31 cepit Magnus pres- 516. Vgl. Riezler, Forsch, z. deutschen
biter Reicherspergensis ecclesiae plantare vi- Geschichte 10, 87—98 und M. Kaufmann,
neos apud Reneventenruth. Das Tagebuch des Tageno, Würzburg 1924.3 Oder cod. 1.