564 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
auch eine Josephushandschrift (De antiq. Jud.) Goderans noch existiert. 1Dann aber kamen trübe Zeiten und die Mönche mußten unter Abt Fulcardan Bischof Otbert von Lüttich eine Klagschrift über die Missetaten desAbtes Arnulf und des Propstes Oibald richten. Sehr wichtig ist dann dieKritik über das klösterliche Leben in Kap. 18, d. h. über die Einhaltungder Consuetudines Cluniacenses, und von großem kulturhistorischen Inter-esse ist die ausführliche Darstellung über die Regie im Kloster, wie auch dieeingehende Erzählung über die Einführung der Reform. Auch die Äußerun-gen über die deutsche, französische (wallonische) und lateinische Sprach-kenntnis des Abtes Leonius mögen nicht unerwähnt bleiben, 2 ebenso wasder Verfasser Kap. 25 über Bernhard von Clairvaux und seine Wirksamkeitberichtet. Die letzte Nachricht in der Schrift überhaupt ist die Erneuerungder päpstlichen Privilegien durch Hadrian IV. (1156). Aber verfaßt wurdendie Gesta erst 1162, wie aus Kap. 17 hervorgeht. 3
Jedenfalls erfahren wir aus dem Werk sehr viel über die innere Kloster-geschichte, im Anfang über die Studien und später über die Auswirkungder Reformen. Der Verfasser entwirft davon Bilder, wie es im Kloster wirk-lich zuging, und so ist sein Werk kulturhistorisch sehr brauchbar.
Benutzt hat er für seine Darstellung Aufzeichnungen und Annalen ausLobbes, ferner Urkunden aus dem Klosterarchiv, sowie Kaiserurkundendes Bistums Lüttich, Sigeberts Schrift De scriptoribus ecclesiasticis; ererwähnt auch die Vita Theoderici abb. Andaginensis. 4 Reimprosa begegnetwenig und scheint nicht gesucht zu sein.
Zeugnisse. Zu Folcvin (SS. 21, 309, 3) c. 1 Recensuit quantum librorum in armario,quantum ornatuum in ecclesia ordinationis suae tempore invenerit et quantum addiderilscripto et iam posteris reliquit ... 7 Gesta etiam abbatum huius caenobii usque ad se ipsumannotare et plura legentibus interserere curavit. Miracula quoque b. Ursmari quae suistnaxime fuere temporibus descripsit. Die Daten über Heriger in Bd. 2, 227. Zu Ingobrandc. 3 p. 310, 10 Nee omisit idem dum adhuc viveret nomen suum aeternitati consecrare, vitassanctorum describendo, cantus in honore sanctorum componendo. Aus der Zeit Hugos c. 4p. 310, 36 Floruisse etiam tunc apud nos studia litlerarum ex recensita librorum summa,quae per idem tempus descripta est, conici potest, sed et usibus ecclesiasticis 1 ' illius industriaaccreverunt. Zu Goderans Tätigkeit 7 p. 312, 23 In diebus eius (seil. Arnulf) Goderannushuius caenobii monachus codicem Optimum manu propria et labore perfectum b. Petro obtulil,Eptatici et Regum atque Prophetarum plenariam historiam continentem. Anführungen sindäußerst selten, c. 22 p. 324, 30 wird Ovid. Rem. 120 zitiert, und 324, 43 erscheint derVersteil quod non licet, acrius urit.
Ueberlieferung (eine alte Hs. fehlt) nur in den Papieren der Bollandisten Bruxell.7814—7822, und die hier von H. Rosweyde aus einem alten Tornacensis (T) einge-tragenen Lesarten. Ausgaben von d'A che ry, Spicil. 6, 589 (ed. 2 2, 759) und von W.Arndt,MG. SS. 21, 308—33. Vgl. Wattenbach 2, 423.«
Uebrigens scheint man gegen Ende des 11. Jahrhunderts in St. Evre zu Toul Briefedes Abtes Fulcard besessen zu haben, da der alte Katalog jenes Klosters aufweist'Epistolae domni Folcradi abbatis cum quibusdam sententiis de musica.
1 Vgl. Archiv 11, 516. denen, die für den kirchlichen Gebrauch
2 Kap. 24 p. 327, 40 ff. dienten. .
3 p. 319, 44 nunc temporis est, qui est an- 6 Zur Fundatio monasterii Lobbiensisnus incarnationis dominice 1162. (MG. SS. 14, 544) und De fundat. et lapsu
« Kap. 14 p. 317, 36 f. (sicut libellus vitae mon. Lobb. (SS. 14, 548) vgl.Watten-
eius demonstrat). bach 2, 423 und n. 2. 3.
6 Hierdurch ergibt sich die genaue Tren- 7 Becker 68, 270.nung der Bücher der Bibliothek von