546 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
fassung der Biographie bewogen haben, die übrigens sehr kümmerlich unddürftig ist.
Widmung (Migne 174,1441) Domino . . . Gervino s.sedis Ambianicae episcopo neenon almifici Centulensis coenobii rectori vestri gregis ovicula . . . Hariulfus. Seniorum quide tempore . . . abbatis Angelranni usque ad nostra tempora perstiterunt multimodo relatudidici quaedam narratione digna, quae ad posterorum notitiam memoriae studiose commen-davi. . . Inter quae omnia fratres delectabat audire et nosse de b. Madelgisilo . . . quis fueritqualiter .. . domino deservierit et quomodo vel quando s. corpus eins ad locum Centulensemdelatum sit et ibi collocatum, quot et quantis miraculorum signis a domino sit glorificatumQuorum denique signorum non tarn relatu quam aspectu notitiam certam percepimus.
Ausgaben von Mabillon, Acta ss. ord. s. Ben. 4, 2, 537. Acta SS. Mai 7, 265. Miene174,1441—1450.
4. LEO UND PETRUS DIACONUS VON MONTE CASSINOa) Leo. Das Mutterkloster Monte Cassino erhielt gegen Ende des 11. Jahr-hunderts eine ausführliche und wertvolle Darstellung seiner Geschichte.Es hatte in den Jahren 1058—1087 unter Abt Desider seine höchste Blüteerreicht und dieser hatte den Erzbischof Alfanus von Salerno gebeten, dieGeschichte des Klosters darzustellen. Da Alfanus dem Wunsche nichtnachkam, wandte sich Abt Oderisius an den Mönch Leo, der aus dem Hauseder Marsicaner Grafen stammte und Desider sehr nahe gestanden hatte,er möge das Leben Desiders beschreiben. Kaum vierzehn Jahre alt war ervon diesem ins Kloster aufgenommen, unterrichtet und in jeder Weise ge-fördert worden, zu seiner Konversion als Mönch — zwischen 1060 und1064 — hatte ihm Aldemar, einst Notar des Fürsten Richard von Gapua,beigestanden. Seitdem war Leo dem Desider immer näher getreten, vonihm zum Bibliothekar des Klosters ernannt und von ihm wie von Oderisiuszu den vielfachen Geschäften des Ordens nach außen benutzt worden. Sokam es, daß Leo auf das Drängen des Oderisius ihm entgegnen konnte,daß er im letzten Jahre kaum acht Tage im Kloster geweilt habe. Oderisiusversprach ihm die gehörige Muße, erweiterte aber seinen Auftrag insofern,als er ihm befahl, die ganze Geschichte des Klosters von Benedikt an bis zurGegenwart darzustellen; darin sollte er hauptsächlich den Zuwachs desKlosters an Besitztümern und an Kirchen sowie die Erlasse und Privilegiender Kaiser, Herzöge und Fürsten berücksichtigen. Leo kam nun der Auf-forderung nach und teilte seinen Stoff so ein, daß er die ganze Zeit vorDesider in zwei Büchern behandelte, das dritte Buch der Zeit Desiderswidmete und ein viertes mit Oderisius beginnen wollte; freilich ist er nichtsoweit gekommen.
Das Werk wird mit einem Abtskatalog bis auf Seniorectus eröffnet. DieAnfänge des Klosters werden nach Gregors Dialogen, Paulus' Lango-bardengeschichte, der Vita Mauri, dem Chronicon s. Benedicti, Erchem-pert 1 und dem Chron. Salernitanum gegeben aber damit eigne Nachrichtenverbunden, wie 1, 7 über Pippins Bruder Karlmann im Kloster gehandeltwird; auch vergißt Leo nicht, die Gründung des Ortes auf Varro zurückzu-führen, dessen Buch De lingua latina ja allein in Monte Cassino aufbewahrtwurde. 2 Ferner entzifferte er kaum mehr leserliche Versinschriften des AbtesPoto im 8. Jahrhundert für die Michaelskirche und legt sie hierbei. 3 Wich-
1 Verwiesen wird auf ihn 1, 8 p. 586,15f. 3 1,10 p. 588, 6; die Verse fehlen in den
2 Heute Flor. Laur. 51,10 s. XI. Poetae latini aevi Carolini. 1,11 folgt ein