F. Klostergeschichte 547
tig war auch die Anwesenheit Karls des Großen im Kloster und die Über-sendung der Mönchsregel an ihn, und von größter Bedeutung das Wirkendes Paulus Diaconus, dessen Schriften aufgeführt werden, wobei Leo aucheine Stelle aus einem Gedicht Karls 1 an ihn mitteilt. Von 1, 19 an benutztLeo die Dialoge Desiders und 33 erwähnt er die für uns vielfach verlorenenSchriften des Abts Bertharius. Sonst aber ist im ersten Buche von literari-schen Dingen nicht die Rede, wenn man nicht noch die Codices eccle-siastici totius anni diversi et multi unter Abt Johannes 53 p. 618, 11 er-wähnen will. Die Klostergeschichte selbst nimmt an Umfang allmählichzu und während sie oft mit Wundern durchsetzt ist, bietet sie doch nebenden Kämpfen der Langobardenfürsten mit den Sarazenen auch ein Ver-zeichnis der Schenkungen von Karl bis zu Ludwig IL Das zweite Buchsetzt mit Abt Aligern (949) ein und stellt an die Spitze des Berichts überdie einzelnen Äbte meist deren Bauwerke und die dem Klosterschatz zu-geführten Gegenstände. Von geschichtlicher Bedeutung sind die Angabenüber das Vordringen der Normannen und über die Politik dieser Fremden, 2der Besuch Odilos von Cluni im Kloster und der Aufenthalt Konrads IL inMonte Cassino sowie die sich daran knüpfende Abtswahl, außerdem dieDarstellung von den Streitigkeiten der Langobardenfürsten. Von Theo-bald II. bemerkt Leo 52 p. 661, 30, daß er 60 Bücher habe schreiben lassen,wovon einige erwähnt werden; 53 p. 662, 25 wird auf die große frühereArmut des Klosters an Büchern hingewiesen. Sehr ausführlich wird danndie Darstellung mit dem dritten Buche — es stammt aber nach W. Smidtvon Petrus —, das über die Zeiten des Abtes Desider handelt, als Leo selbstnoch die Schule des Klosters besuchte. Hier wird die Geschichte Italiens,die Papst- und die Reichsgeschichte, soweit sie für das Kloster in Betrachtkam, berücksichtigt, aber auch die Kunstgeschichte 3 kommt zu ihremRecht. Vom Gedicht des Marcus auf den hl. Benedikt erwähnt Leo, daßDesider zehn Verse daraus in goldnen Buchstaben als Inschrift verwendete(28 p. 719, 9), und merkwürdig ist, daß 30 p. 721, 21 ff, eine ganze ReiheVerse aus Paulins von Nola Carm. Natal. in Felicem 3, 49—106 mit sehrstarken Veränderungen angeführt werden, die beweisen, daß sich das Ge-dicht hier oder schon früher eine Bearbeitung im Sinne von Monte Cassinound seines Heiligen gefallen lassen mußte, mit denen Nola und Felix ver-tauscht wurden. Leo hatte das Werk in mustergültiger Weise bis zumJahre 1057 geführt und brach mit 2,92 seine Darstellung ab (nach W. Smidt).Auf Befehl des Abtes Rainald begann nun Petrus Diaconus zwischen1130 und 1137 die Fortsetzung, und auch diese ist inhaltlich von hohemWerte, trotzdem man dem Verfasser nicht recht trauen darf, denn er istlängst als arger Fälscher entlarvt. Seine Darstellung ist namentlich literar-historisch von Wichtigkeit, denn in Kap. 35 handelt Petrus von den be-deutenden Schriftstellern Alberich, Alfanus, Constantinus Africanus und
Gedicht Theodemars für die von ihm be- Entlehnungen aus Amatus von Petrus. Ein
gründete Marienkirche. Stück von 16 p. 639 stammt aus Petrus
Mit Lesarten, die bei Dümmler nicht Damiani Ep. 4, 8. Paulus Diaconus wird 44
verzeichnet sind (Poet. lat. 1, 69 N. XXXV, p. 637, 35 wieder mit hohem Lobe genannt.
^~ 26 - 8 Besonders 32 f. p. 722—726; vgl. auch
vü tzt wird hierfür die Normannen- 18 p. 711,11—20, wo vom Schmücken der
gescnichte des Amatus, doch stammen die Bücher die Rede ist.35«