544 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
Ingelards Epitaph col. 1306 Huic successit e suis unus monachus nomine Angelrannussapiens cognominatus. De quo . . . nunc referre supersedimus, maxime cum eius illustri'ivita ante hoc tempus a quodam fratre exarata inveniatur. De hoc itaque aliqua relaturiquartum libellum incipiemus. Zu Wido von Amiens 4, 17 col. 1328 D descripsit cataloeumrhytmicum de patribus huius sancti loci, non quidem omnes designans. Nach F. Lot sollWilhelm von Malmesbury Hariulfs Werk benutzt haben, doch macht Holder-EggerNeues Archiv 21, 320 N. 22 geltend, daß Wilhelm Schriftstücke aus karolingischer Zeitvorliegen hatte, die auch Hariulf benutzte.
Ueberlieferung. Das Autograph existierte bis 1719 und wurde mehrfach kopiertbeste Abschrift von A. Duchesne im Paris 12893 (nach F. Lot, Bibl. del'ec. des eh. 72°245 ff.); andere Paris. Res. St. Germ. paq. 13 n. 7.15 s. XVII. Amiens 531. Ausgabenvon d'Achery, Spicileg. 4, 419; ed. 2a 2,291; Mignel74,1213; Exzerpte MG. SS. 15178. 696ff.; besonders von F.Lot, Chronique de l'abbaye de St. Riquier par HariulfParis 1894, Nachträge Bibl. de Tee. des Chart. 72, 245—266 (1911); dort Verbesserungenzum Text p. 259ff., daselbst Reliquienverzeichnis von St. Riquier (aus Paris. 12893)S. 256, dort S. 266ff. ein Obituarium und ein Festverzeichnis des Klosters.
b) Vita Arnulfi episcopi Suessionensis. Im Jahre 1084 hatte derBischof Arnulf von Soissons das Kloster Oudenbourg errichtet. Hariulfwurde 1105 Abt des Klosters und beschrieb neun Jahre später das Lebendes 1114 gestorbenen Stifters. Dies umfängliche Werk schickte der Verfasserzunächst an Bischof Lambert von Tournai und Noyon mit der Bitte, denBischof Lisiard von Soissons damit bekannt zu machen, damit es durchseine und dessen Hilfe in den Gesichtskreis der Beimser Metropole gelange.Doch sandte Hariulf das Werk noch vorher zur Durchsicht an BischofLisiard von Soissons. Und mit einem dritten Briefe schickte er die VitaArnulfi an Erzbischof Bodulf von Beims selbst. Lisiard entledigte sich aberseines Auftrags, indem er die gewünschte Sendung an Bodulf machte undin dem Prolog, den er voranstellte, Hariulfs Brief an Bodulf bis auf ganzwenige Auslassungen wiederholte. So gab er das Werk als das seinige aus,um ihm höhere Autorität zu sichern.
Im ersten Buche erfahren wir von den Eltern Arnulfs, von seiner ritter-lichen Ausbildung, seinen außerordentlichen Körperkräften; 1 aber er gingins Medarduskloster bei Soissons und wurde Mönch. Später wurde er zumAbt erhoben, doch er flieht und wirkt überall bedeutende Wunder, so daß erals Heiliger erkannt wurde. Schließlich mußte er die Abtswürde annehmen,und als einst das Gerücht entstand, die Normannen seien im Anzüge, und ervon Bischof von Tedbald Soissons deshalb befragt wurde, antwortete er, daßdas unwahr sei; diese Episode wird 1, 24 sowohl in Prosa als auch in 54leoninischen Hexametern behandelt. Und da sich nun seine Prophezeiungen,Heilungen und Wunder mehrten, so wurde er in seiner Stellung erhöht(Buch 2). Nämlich Bischof Tedbald starb und sein von westfränkischenGroßen erhobener Nachfolger Ursio wurde als eine völlig ungeeignete Per-sönlichkeit durch Gregors VII. Legaten Hugo von Die abgesetzt; dieNeuwahl fiel auf Arnulf. Aber auch in dieser neuen Stellung erfährt manvon ihm nur Wunder und Weissagungen, wie er z. B. der Königin sagenläßt, daß sie einen Sohn Ludwig erhalten werde, 2 oder wie er einst deutlichneben einer Person den Teufel sieht. 3 Öfters hielt er sich in Flandern auf,doch ereigneten sich Vorzeichen seines baldigen Todes, er verfiel in eine
1 Zwei Beispiele 1,4 mit Anführung von Martin von Tours aufmerksam, vgl. Sulp.Hör. Ep. 1,19, 48 f. Sev. Dial. 2, 8, 2 (p. 205, 23 ff.). Kap- 2 ' 0
2 Es ist der 1081 geborene Ludwig VI. besteht mehrfach aus Versen, so auch 2,7.
3 Er macht hier auf die Aehnlichkeit mit 19. 27 f. 30—34.