F. Klostergeschichte 541
schreibt die Gegend von Clusa. 1 In Kap. 3 bis 11 erzählt er von der in lauterWunder getauchten Entstehung der Kirche und von ihrem Bau durchJohannes Vincentius, Erzbischof von Ravenna; alles grenzt hier ans Wun-derbare und Übernatürliche. Und die späteren Abschnitte enthalten allesWundererzählungen, so daß von einer Geschichte des Klosters gar nichtdie Rede ist, sondern nur manche geschichtliche Personen in die Erzählungder Wunder verknüpft werden. Was er von Johannes und den Äbten Ad-vertus und Benedikt I. berichtet, ist ganz kurz und befriedigt den Lesersehr wenig, und mit dem zuletzt genannten Abte hört die Erzählung über-haupt auf, die zuweilen mit Stellen aus Horaz, Sallust und Sulpicius Severusdurchsetzt ist. Das Latein ist hier ungelenk und zeigt Fehler.
Zeugnisse. Titel Incipit prologus in legenda consecracionis basilicae beati Michaelisarchangeli in Clusa. Beginn 1 Ad laudem et honorem regis eterni mirificam b. Michaelisarchangeli revelacionem . . . prout scriptis et . . . veridica attestacione edoceri potui scriptocommendare decrevi. Schluß c. 22 p. 266 Tale habuit sanctus ille locus sui primordiiincrementum etc. Zur Benutzung der Alten 11 p.255 quanta processerit virtus non estnostre facultatis evolvere, Vita Mart. 10, 1; 12 p.257 Tulliana ni fallor succumberet fa-cundia, vgl. Vita Mart. 26, 1. 20 p. 264 sacras iaculatur et arces Hör. C. 1, 2, 3; 21 p. 265quiafuit homo ut aiunt ad unguem factus (Hör. Sat. 1, 5, 32f.) et in religiosi conversationetolus sibi teres atque rotundus (Sat. 2, 7, 86) . . . concessit naturae (Sali. Jug. 14, 15).22 p. 266 qui tamquam Seyllaei canes semper oblatraverunt (Hier. Epist. 125, 2) . . . vocatuset non vocatus (Hör. C. 2,18, 40). Zum Latein vgl. 19 p. 263 lacis (= lacubus).
Ueberlieferung. Beide Werke im Vat. reg. 173 s. XII f. 9—62. Auf die Grün-dungsgeschichte folgen zwei Hymnen Insignis dei famulus und Aureus decor monacho-rura honor, zuletzt die Vita Benedicti II. mit den drei kleinen Gedichten. AusgabeMomimenta historiae patriae Scriptores 3, 249—266 = Migne 150, 1449. Vgl. Wat-tenbach 2, 241.
3. HARIULF VON ST. RIQUIER
Hariulf wird etwa 1060 geboren sein und war Mönch im Kloster St.Riquier. Hier hatte zu unbekannter Zeit der Mönch (oder Abt ?) Saxowaluseine Geschichte der Stiftung zu schreiben begonnen, doch ist unbekannt,bis zu welcher Zeit er seine Arbeit führte. Hariulf nahm sie wieder auf undsetzte sie bis 1088 fort, doch muß er später geschrieben haben, da 4, 36von Ereignissen des Jahres 1096 die Rede ist. Im Jahre 1105 wurde er Abtvon Oudenbourg bei Brügge und er hat dann das Leben des Bischofs Arnulfvon Soissons dargestellt, der dies Kloster gegründet hatte. Als Abt istHariulf im Jahr 1143 gestorben.
a) Chronicon Centulense. 2 In der kurzen Vorrede sagt Hariulf, daßer auf Wunsch der Brüder das zusammengestellt habe, was sich über dieGeschichte seines Klosters zerstreut vorfand. Hieran knüpft er ein Einfüh-rungsgedicht und nennt die Äbte des hl. Richarius von diesem bis auf dessen31. Nachfolger Richer. Er beginnt seinen Stoff, den er in vier Bücher teilt,mit der Geschichte der alten Franken seit troischer Zeit und spricht vonChlodowech und den Reichsteilungen der Merovinger. In diesen Stoff stellter Tatsachen über das Leben des hl. Richarius. 3 Dann kommt er zur Er-bauung des Klosters und zum Tode des Gründers und führt das GedichtMicons von St. Riquier auf das Fest des Heiligen an. 4 Doch bleibt die Ge-
1 2 (Monum. hist. patriae, SS. 3, 252) ubi * 1, 5 bringt er Erklärungen der verba
^Tt\ ' a voce aves murmurant diversi generis. domini Albini (Alchvines) aus dessen Leben
Das Kloster des h. Richarius hieß auch des Heiligen.
Lentulum. * Traube, PL. 3, 306 f. N. 25.