534 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
ten über die Geschichte des Klosters, Besitztitel, Veränderungen, Erweite-rungen und Schenkungen. Später spricht Hermann von seinen Eltern undBrüdern und von sich und in Kap. 63 von seiner eignen Oblation und es fol-gen dann ungemein breite Erzählungen aus dem Jahre 1095, wie er z. Bauf die Hungersnot dieses Jahres kräftig hinweist. 1 Dabei werden auch lite-rarische Dinge erwähnt, wie er Kap. 77 von dem Schreiber Godefrid einExemplar Gregors Moralia in sechs Bänden und einen großen Teil einerBibelhandschrift und vom Schreiber Giselbert eine das ganze alte Testamentumfassende Geschichte sowie ein Lektionsbuch in zwei Bänden erwähnt.Es folgt die Erweiterung des Klosters St. Bertin durch Hugo von Cluni undKap. 32 die Erhebung des Abtes Odo von St. Martin zum Bischof vonCambrai und die eingehende Schilderung des Widerstandes, den dieser inCambrai fand. 2 Ziemlich unvermittelt werden hieran die letzten SchicksaleHeinrichs IV. in Lüttich gereiht, dann aber wird erzählt, daß Odo endlichin Cambrai durchdrang und in St. Martin der neue Abt Segard erhobenwurde, gleichzeitig aber auch die Gewalttat Heinrichs V. in Rom 1111 undsein früher Tod (1125). Dann spricht Hermann über die Gründung desPrämonstratenserordens, seit der noch nicht ganz dreißig Jahre verflossenwaren, 3 legt ein Breve Paschais II. vielleicht vom Jahre 1109 ein 4 und wid-met die Schlußabschnitte dem Streit der Mönche mit den Kanonikern inTournai sowie der Einigung im Jahre 1108. — Später erhielt das Werk eineFortsetzung bis 1160, in der der wohl von Hermann verfaßte Brief desDomkapitels über die Wiederherstellung des Bistums stark benutzt wird. 5
Weitere geschichtliche Nachrichten bieten die Historiae Tornacenses über das Bistumund seine Wiederherstellung in vier Büchern, während das fünfte Buch von der Restau-ration des Martinsklosters handelt. Hier wird in 1, 3 auf Cäsars Bell. Gall. 2 zurück-gegriffen, indem die Bewohner von Tournai den Nerviern gleichgestellt werden.
Zeugnisse. Zu Odo und Odard c. 1 (SS. 14, 275, 7) Scripsit etiam de ea duos IM-los quorum priorem ad cognoscenda devitandaque sophismata valde utilem intitulavit Sophi-stem, alterum vero appellavit Librum Complexionum, tercium quoque De re et ente composuit,in quo solvit si unum idemque sit res et ens. Vergleich mit Raimbert 2 p. 275, 22 Unus exeiusdem ecclesie (sc. Insulensis) canonicis nomine Gualbertus . . . quendam phitonicum sur-dum et mutum . . . secreto adiit et cui magistrorum magis esset credendum digitorum signiset nutibus inquirere cepit. Zu Alulf 38 p. 290,43. Zu Godefrid und Giselbert 77 p. 311,40Godefridus peritissimus scriptor fuit multosque Codices in ecclesia nostra scriptos dimisit:Moralia scilicet b. Gregorii super Job in sex voluminibus divisa, historiam etiam optimam,quae a parabolis Salomonis incipiens omnes prophetas et apostolorum actus atque epistolascontinet, missalem, textum evangeliorum, Augustinum de civitate dei et Enchiridion eiusmultosque alios libros; 312, 9 Huius socius in scribendis libris fuit domnus Gislebertus. ..qui et ipse scripsit historiam totius Veteris testamenti necnon et duos grandes et valde utüeslibros . . . in quibus continentur lecciones omnium dominicarum et jestivitatum totius anni,quorum unus estivalis, alter vocatur hyemalis. 7i\i Caesar in den Hist. Tornacenses 1,3p. 329, 25 ad confirmandam illius incertitudinem extat historia belli Gallici a Julio Cesareconfecti. In cuius libro secundo digesta desolatione Nerviorum id est Tornacensium ab eodemJulio perpetrata etiam quando potentissima florebat scripture prefate videtur concordare.
Ueberlieferung im Cheltenham. 11603 s. XII. Ausgaben von D'Achery, Spicileg.12, 358 = Migne 180, 39; besonders von Waitz, MG. SS. 14, 274—327. Die HistoriaeTornacenses im Tornac. 169 s. XIII. Paris. 12940 s. XVII. Kritische Bemerkungen zudiesen lokalen Geschichtsquellen von Tournai gibt P. Rolland, Annal. de l'Acad. royalede Belgique, Ser. 7 Bd. 3, 253—313. Ausgabe von Waitz MG. SS. 14, 327—352. Vgl.Waitz, Forsch, z. d. G. 21, 431. Wattenbach 2,173.
1 c. 70f. p. 307f. und 76 p. 311. 3 Vgl. 86 p. 315, 43f.
2 Eingeleitet durch analoge Stellen aus der 4 Vgl. p. 317 n. 1.
Vita Gregorii und der Vita Eligii. 6 c. 1—9. 16 (p. 318—321. 324).