Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
529
Einzelbild herunterladen
 

B. Kirchen-, Bistums-, Stadtgeschichte 529

7. DIE HISTORIA COMPOSTELLANA

Gemäß der angesehenen Stellung des hl. Jakobus in der Kirche Spaniensstammt die bedeutendste Kirchengeschichte des Landes im 12. Jahrhundertaus der Kirche zu San Jago di Compostella. Damals gehörte noch ein großerTeil Spaniens den Mauren, doch hatte sich das Königreich Leon und Ka-stilien schon zu nicht geringer Bedeutung aufgeschwungen, so daß im Ostendas Reich Aragon sich nicht mit ihm messen konnte. Die Besitzergreifungder Halbinsel durch die Mauren hatte es aber mit sich gebracht, daß mehrals anderswo im Abendlande die Kirche dominierte und daß die Kreuzzügehier erst mit dem Fall Granadas aufhörten. Insofern fällt in Spanien Landes-und Kirchengeschichte in gewissem Maße zusammen, und auch in der großenHistoria Compostellana sind beide zu einem Ganzen verbunden.

Didacus (Diego), Erzbischof von Compostella, ist jedenfalls der geistigeVater dieses Werkes gewesen, denn auf seine Veranlassung haben drei hoch-gestellte Geistliche die Abfassung unternommen. Nämlich Munio (Nuho),ehedem Thesaurar von Compostella, später Bischof von Menedona undKaplan Alfons' VII. Imperator, 1 ferner Hugo, ehedem Archidiakon zuCompostella, später Bischof von Oporto, 2 endlich Girald, Kanonikus vonCompostella und Pfarrer zu St. Anastasia. Das Vorwort berichtet darüber:Didacus hat die Geschichte seiner Vorgänger, von der er gehört oderdie er erlebt hatte, aufzeichnen und seine eignen Taten zum Nutzenseiner Nachfolger darstellen lassen, was in zwei Büchern geschah, von denendas erste ihn als Bischof, das zweite als Erzbischof behandelt. Das stehtaber im Widerspruch zu dem Werke selbst, das drei Bücher umfaßt; imProlog zum dritten heißt es auch, daß der Erzbischof den Auftrag zumRegistrum 3 gegeben und dieses in drei Bücher geteilt, von denen die beidenletzten als Bücher seines Erzbistums zu gelten hätten. Die Beteiligung derdrei Verfasser dürfte nicht leicht zu erörtern sein. Die ersten Abschnittegehören jedenfalls dem Munio an. Dort sagt der Verfasser am Ende von1,3, er habe auf Befehl des Didacus die Taten von dessen Vorgängern auf-gezeichnet; nun wolle er die Taten des Didacus selbst darstellen. Ob nundes Herausgebers Ansicht, daß sich der Anteil Munios und Hugos bis zumEnde von 1, 82 erstreckte, richtig ist, müßte erst bewiesen werden, nachdem Wortlaut der Stelle dürfte allerdings ein Abschnitt zu konstatieren sein.Aus der Vorrede zum 2. Buch geht aber hervor, daß sich Girald nocham ersten Buche beteiligt hat. Girald konstatiert 2, 91 selbst, daß erdie Gewohnheit der spanischen Könige, beim Tode der Bischöfe von SanJago Vertreter nach Compostella zu senden, mehrmals aus dem Mundedes Didacus erfahren habe. Aus dem Stil und der Darstellungsweise desWerkes ergeben sich aber keineswegs solche Unterschiede, daß man dieArbeit der drei Verfasser deutlich sich voneinander abheben sehen könnte.

Zeugnisse. Als Aufschrift des zu Compostella niedergelegten Exemplars dienen dieWorte (Migne 170, 889) Didacus . . . Compostellanae sedis archiepiscopus iussit hunchbrum fieri et in thesauro b. Jacobi reponi. Zur Abfassung vgl. Prol. I col. 891 A Com-

.' Diesen Titel Alfonsus totius Hispaniae Compostell.l,81(Mignel70,966B)undl,82.

Imperator legte er sich selbst in seinen Ur- 3 So auch im Titel zu Buch 1 (Migne 170,

Kunden bei und das wurde sein Beinamen. 889) Inc. primus über registri venerabilis . ..

Zu Munios und Hugos Stellung vgl. Hist. pontificis Didaci secundi.

H.d.A.lX2, 3 34