E. Kirchen-, Bistums-, Stadtgeschichte 523
der Bistümer und Klöster von fast ganz Neustrien und namentlich geschicht-liche Ereignisse aus der Zeit des Herzogs Wilhelm II. von der Normandie; 1im Vordergrunde steht aber meist das Kloster St. Evroul. Bei diesem viel-seitigen Inhalt ist, wie schon in der ersten Abteilung, die Anordnung desStoffes recht willkürlich und auch die Chronologie oft keineswegs sicher.Zuletzt hat Orderic die beiden ersten Bücher des Gesamtwerkes geschrieben,in denen er eine Geschichte der Kirche nach dem Berichte der Evangeliensowie die Geschichte sämtlicher Apostel gibt und eine Übersicht der Er-eignisse innerhalb der Kirche bis zum Jahre 1140 anhängt. An den Schlußdes Gesamtwerkes hat er 1141 oder 1142 eine persönliche Endbetrachtunggestellt, in der er als sein Alter das 67. Lebensjahr angibt.
In dem Prolog, der jetzt dem Ganzen voransteht, spricht Orderic von demdoppelten Inhalt der Geschichte, 2 dem guten wie dem bösen, und sagt, erwerde nun darüber schreiben, was er gesehen und was er erduldet habe ; 3was in Alexandria, Griechenland und Rom sich zutrage, könne er nicht er-zählen, wohl aber was er selbst erlebt und gesehen und aus benachbartenGebieten gehört habe. Der Inhalt der einzelnen Bücher aber ist historisch undliterarisch von großem Interesse, so daß er hier kurz berührt werden möge.
Das erste Buch gibt die Geschichte Christi aus den Evangelien mitBenutzung von Josephus, Eusebius und Augustin. Mit Kap. 18 setzt eineChronographie der römischen Kaiser bis 1138 ein, die aus Eusebius, Orosius,Isidor und bis 734 ganz besonders aus Beda de temporibus genommen ist,während dann die Chronik des Hugo von Fleury und Wilhelm von Jumieges 4benutzt wird. In die späteren Kaiserjahre ist die Geschichte der Frankenund Angelsachsen verwebt. Am Schluß wird der Tod Heinrichs I. und das6. Regierungsjahr Stephans gemeldet und angegeben, daß bei den GriechenKaiser Johannes, Sohn des Alexius, bei den Deutschen Lothar, 5 bei denFranzosen Ludwig (VI.), bei den Engländern Stephan und bei den Spaniernder Mönch Remigius herrsche. Das zweite Buch bietet die Geschichte derKirche im Römerreich. Ausführlich werden die Apostel behandelt, vondenen die meisten einige Verse in jambischen Zwölf silbern zugesetzt er-halten, die wahrscheinlich einem zusammenhängenden Apostelrhythmusentnommen sind. Auf die Apostel folgen einige Evangelisten und Martialis,für dessen Leben eine große Einschaltung (Kap. 22f.) aus Aurelians VitaMartialis gemacht wird. Hieran schließt sich als Historia Romanorum pon-tificum das Leben der Päpste bis auf Leo IV. (855) und dann ein kurzerPapstkatalog bis auf Innocenz IL (im 12. Jahre seiner Würde, 1141).
Das dritte Buch berichtet zunächst nur von Klostergründungen unddie Geschichte von St. Evroul wird auch während der Erzählung derNormannengeschichte, deren Anfänge ganz aus Dudo oder aus Wilhelmvon Jumieges stammen, weiter fortgeführt; auch wird 3, 14 col. 275 BC ein
1 Wilhelm der Eroberer. Wülelmi Gemmeticensis coenobitae cognomen-
Er erwähnt hierbei Dares Phrygius, Tro- to Calculi; Prol. 3 col. 230 A.
gusPompejus, Eusebius, Orosius de ormesta 6 Kurz vorher (Kap. 29) col. 99C ist frei-
11 F?/.'> Beda und Paulus Diakonus. lieh der Tod Lothars schon gemeldet. König
Migne 188,15 B dietare de his quae vide- Stephan wird auch schon Kap. 25 col. 87 D
mus seu toleramus. erwähnt.4 Vgl. auch 3, 12 col. 261 C legat libros