516 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
des Papstes, sondern auch anderer Kirchenfürsten in jenen Zeiten des Streites bald Ge-meingut der kirchlichen Archive geworden ist, indem man sich solche gegenseitig mit-teilte und wichtige Stücke abschrieb. Zu erwähnen ist noch, daß Hugo des Hugo gram-maticus, Archidiakons von Rouen 1 gedenkt und dabei seinen Aufenthalt in dieser Stadtbezeugt p. 369,40 Hoc nos Rodomi positi a viris religiosis audivimus, qui et ipsi se fatebanturaudisse se a Hugone cognomine grammatico . . . Rotomagensis ecclesiae archidiacono quiRemis in aecclesia s. Mariae praesens adfuit; dieser Aufenthalt läßt sich auf die Reisenach der Normandie verlegen.
U eberlief erung. Eine mittelalterliche Abschrift des Originals 2 ist nicht bekannt undnur Laurentius von St. Lorenz in Lüttich könnte das Werk gekannt haben. Das Auto-graph ist heute Berol. Meerm. 142 (Phillipp. 1870), genau beschrieben von V. Rose, dieBerliner Meerman-Hss. S. 321 ff. Es ergibt sich aus Roses Notizen, daß Hugo die An-fangsblätter seiner Hs. für allerhand medizinische Eintragungen (am Rande und sonst)benutzt hat, darunter Auszüge aus einer Hs., die Pseudo-Plinius und Gargilius Martialisenthielt, also dem Sangall. 752 und Leid. Voss. oct. 92 glich. Die Chronik beginnt f. 10aohne Titel, die Ueberschrift Hugonis abbatis Flavin. chronicon ist neu. Ausgaben vonPh. Labbe, Nova bibl. mscr. libr. 1, 75—269 und besonders von Pertz, MG. SS 8288—502 (Migne 154,21). Vgl. Wattenbach 2,134—136. ' '
Hugo hat sich aber auch als Dichter versucht, denn da Berol. Meerm. 143 den Schlußvon 142 gebildet hat, indem diese Handschrift einst mit der Chronik vereinigt war, undda die Schrift in 143 dieselbe ist wie in 142, und auch sonst 143 die gleichen Merkmalezeigt, so ist der Schluß von V. Rose (S. 325) durchaus berechtigt, daß das in 143 ent-haltene Gedicht dem Hugo gehört; freilich sein Stil verrät nichts in der Chronik von einemDichterund eingestreute Verse finden sich darin nicht. Das Gedicht hat bisher auch keinenAbschreiber gefunden und es blieb ungedruckt. Es entbehrt auch nach den von RoseS. 325f. mitgeteilten Proben irgendwelches Reizes. Am Anfang stehen 72 gereimte Ein-gangsverse zum Preise des FlosJesse. Es folgt Liber I de incarnatione domini und dann Delibero arbitrio per gratiam reparato. Die weiteren Abschnitte sind durch Ueberschriftennicht bezeichnet, doch werden durch Anfangsbuchstaben noch vier Bücher unterschie-den, deren letztes fol. 42 b beginnt und f. 44 mit den Worten schließt congrua psallam.Da die Unterschrift fehlt und das Ende mitten in der Seite abbricht, so ist wohl anzu-nehmen, daß das Gedicht unvollendet blieb. Es scheint aber nicht viel zu fehlen, dennnach dem Beginn des 6. Buches Sexta dies homini distinctos edidit artus kann manauf eine Behandlung schließen, die sich das an Hexaemeron anlehnt, also ein weiteresBuch war wohl nicht beabsichtigt. Das Gedicht handelt nach Rose von der Neuschöp-fung der Welt im Christentum und flicht den Stoff der Jesusgeschichte ein. Die Proben,die Rose mitteilt, sind in der herkömmlichen allegorischen Art gehalten und langweilig.Wahrscheinlich hat Hugo mit der Dichtung seine spätere Muße ausgefüllt, als er Mönchin St. Vannes war. Vgl. V. Rose a.a.O. S. 325.
4. DIE GESTA TREVERORUM
In Trier scheinen literarische Bestrebungen erst spät aufgekommen zusein, trotzdem es an bedeutenden klösterlichen Stiftungen hier nicht fehlte.Wohl kamen im 11. Jahrhundert eine ganze Reihe von hagiographischenWerken heraus, aber der eigentlich geschichtliche Sinn am Sitze des Erz-bistums fehlte. Jedenfalls mangelte es ganz an einer Bistumsgeschichte,die doch anderwärts meist längst begonnen worden war, und als nach demJahre 1072 durch Auffinden einer alten Bleitafel mit einer Inschrift ein ge-wisser Anstoß kam, die ältere Geschichte Triers zu betrachten, zeigte es sichdoch eben, daß alte Zeugnisse so gut wie fehlten. Erst beim Beginn des12. Jahrhunderts verfaßte ein Mönch wohl im Euchariuskloster ein grö-ßeres historisches Werk, die Gesta Treverorum.
Es ist das keine Geschichte des Erzbistums oder der Erzbischöfe, denndie ließ sich aus Volksüberlieferungen und der eben nicht großen Zahl echterInschriften nicht herstellen. Der Verfasser mußte es auf eine ganz allgemeine
1 Ist nicht mit dem späteren Erzbischof die Möglichkeit, abgeriebene Stellen desHugo von Rouen zu verwechseln. Autographs zu lesen, vgl. Neues Archiv 10,
2 Eine spätere von Du Chesne gibt heute 426.