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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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E. Kirchen-, Bistums-, Stadtgeschichte 515

397). Hierzu kommen nun aber eine Menge Briefe, Urkunden und Akten-stücke die sich namentlich in der späteren Zeit außerordentlich häufen unddann geradezu die eigentliche Erzählung ersetzen. Im früheren Teile tretensie noch selten auf, nämlich p.344, 15 ein Brief Hadrians I. an Bertheriusvon Vienne und p.366, 11 eine Bulle Johanns XII. für Berengar von Ver-dun. Dann aber mehren sie sich und es finden sich nicht wenig Briefe Gre-gors VII., die nicht in dessen Registrum aufgenommen worden sind. Außer-dem sind vertreten mit Briefen Papst Nikolaus II. und Urban IL, die Kai-serin Agnes, Heinrich IV., die Großgräfin Mathilde, die Erzbischöfe Geb-hard von Salzburg, Lanfrank von Canterbury. Manasse von Reims undHugo von Lyon, die Bischöfe Hugo von Die und Anselm von Lucca undendlich Hugo von Flavigny selbst. Durch die sehr zahlreichen Briefe undAktenstücke erhält Hugos Werk an vielen Stellen ein urkundliches Gepräge;allerdings sind diese Beigaben oft nicht organisch dem Berichte eingefügt.Dazu kommt, daß er alle seine Textesquellen oft nachlässig behandelt. Imallgemeinen wahrt er wohl die chronologische Folge, aber er schweift dochmehrfach auf Gebiete ab, die einer späteren Zeit angehören und umgekehrt. 1Es passiert ihm auch, daß er wirklich Falsches berichtet, 2 aber dann hater es kaum absichtlich getan. Sein Stil ist durchaus nicht immer klar unddurchsichtig zu nennen und an manchen Stellen neigt er stark zur Rhetorik. 3Die Neigung zur Reimprosa macht sich nicht ungebührlich breit. 4 Seine Be-lesenheit in der römischen Poesie und Prosa scheint nicht groß gewesen zusein, denn Anführungen aus ihr bringt er nur ganz vereinzelt, nämlich p. 41319f., wo er auf Horaz A. P. 166ff. anspielt und p.379, 32, wo er ein Zitataus Seneca de benef. 2, 2 einfügt. So ist seine Arbeit schriftstellerischbetrachtet, von keinem großen Werte, für die Geschichtschreibung be-sitzt sie um so mehr Wichtigkeit. Es sei noch erwähnt, daß Hugo nicht ganzdie Kenntnis des Griechischen entbehrte, da er auf dem 1. Blatt seines Auto-graphs nicht nur die griechischen Buchstaben mit lateinischer Umschrei-bung, sondern auch zweimal das griechische Vaterunser notiert hat, 5 ein-mal in Unziale mit lateinischer Umschreibung, das andre Mal in Minuskelmit Übersetzung.

Zeugnisse. Der Zeit angemessen sind die Versuche, das Wort Virdunum zu erklärenp. 292,112 von Verodunum oder Veredunum nach Fortunat, von vir (ob virorumjortium industriam longe lateque celebratam) nach Aethicus' Cosmographie bei A. Riese,Geographi lat. min. p. 71 ff. Aethicus in cosmographia in itinerario mundi vocat eamVirodunum. Ein Ansatz zu historischer Kritik findet sich p. 293, 43294, 7. Die Be-nutzung des Nennius (19, 13) erfolgt p. 313, 59ff. (Zu der p. 314, 24ff. vorgelegten Völ-kergenealogie vgl. Waitz, GG. A. 1856 S. 1905f. und Müllenhoff, Berl. Abh. 1862,534ff.). Die Zuneigung zum Papsttum in den späteren Teilen ergibt sich besonders p. 431,21ff., wo mit den Ausdrücken des höchsten Abscheus über Gregors VII. Absetzung durchHeinrich IV. gesprochen wird. Briefe Gregors VII. finden sich in sehr großer Zahl p. 414464; 6 andere Briefe: Hugo von Die, Manasse von Reims und Heinrich IV. an Gregor,Kaiserin Agnes an Altmann von Passau, Anselm von Lucca an Abt Pontius von Frainet,Gebhard von Salzburg an Hermann von Metz, Mathilde von Tuscien an die GroßenDeutschlands und andere. Man sieht hieraus deutlich, daß nicht nur die Korrespondenz

1 So handelt er z. B. p. 459 zu 1087 über 407, 1018. 411, 6ff. Polheim S. 399.den Tod Wilhelms I. von England und be- 6 Vgl. V. Rose, Verz. d. lat. Meerman-ncntet dann zu 1079 über die Schlacht an der handschriften in der Kgl. Bibliothek zu Ber-

i ^ 2 V § L hierzu Pertz p. 283 n. 13. lin S. 322.

Vgl. p. 431, 24ff. 481, 21 ff. 489, 30ff. 6 p. 446451 sind mit Gregorbriefen ganz

Vgl. p. 340, 15ff. 341, 49ff. 369, 18ff. angefüllt.