E. Kirchen-, Bistums-, Stadtgeschichte 517
Geschichte von Trier absehen, bei der die Sage und die eigne Erdichtungeine große Rolle zu spielen hatten. Zweck der Schrift war der Ruhm Triersund dazu war vor allem auf die Römerzeit zurückzugehen, wofür aber demVerfasser die Quellen nicht sehr reichlich flössen. Um aber die Trierer gehörigherauszuheben, knüpft er ihren Ursprung an eine Sagengestalt der fernenVorzeit an, nämlich an den von ihm vielleicht erdichteten Trebetas, 1 denStiefsohn der Semiramis, der vor der Liebe seiner Stiefmutter nach Europageflohen sei und Trier gegründet habe, dessen Bevölkerung er von Gomer,dem Enkel Noahs ableitet. Man gerät hier also auf ganz abschüssigen Boden,und wenn der Verfasser dann seine Darstellung mit Inschriften aus alterZeit schmückt, so wird das um nichts besser, da diese drei Stücke 2 ihrenspäten Ursprung durch den leoninischen Reim deutlich verrraten. Ebensounwahr ist die Geschichte von dem angeblichen Arimaspes, wie sich schonaus dem unrömischen Namen ergibt (p. 135, 17), der ein sagenhaftes Volkdes Ostens bezeichnet. 3 In den nächsten Kapiteln (9—12) wird dann allesdas aus Caesars Bellum Gallicum Lib. 2. 5. 6 abgeschrieben, was sich nurirgend auf die Trevirer bezieht (p.136—142). Darauf kommen einzelne Stel-len aus Orosius, der Vita Eucharii und Eutrop, ein erdichtetes Privileg Sil-vesters I. und vieles aus der Vita Martini und den Dialogen des Sulpicius Se-verus. Für diese älteren Zeiten dienen aber außerdem Flicken aus denKirchenvätern, aus Prospers Chronik, aus Gregors von Tours Franken-geschichte und der Vita patrum, aus Fredegar und Johannes Diaconus'Vita Gregorii und Herigers Lütticher Bistumsgeschichte. Später lehnt sichder Verfasser an Regino an, benutzt den Anhang zu Thegan und Briefe vonHincmar. Mit Regino geht ihm aber fast der Atem seiner Quellen aus unddie schon sehr dürftige Erzählung schrumpft immer mehr zusammen, jemehr sich der Verfasser der eignen Zeit nähert. Nachdem das Werk um 1101in seiner ersten Gestalt beendet war, wurde es reichlich dreißig Jahre späteranscheinend von einem Trierer Kanonikus überarbeitet, der es verkürzte,vermehrte und veränderte und die Geschichte der eignen Zeit ziemlich aus-führlich gestaltete, indem er eine Erzbischofsgeschichte bis auf Adalbero(1132) anfügte. Er bringt Anführungen aus Sueton 4 und aus der Mosella desAusonius, 5 lobt den Galba Viator und berührt die Historia Gallica. 6 Das istwohl dasselbe Werk, aus dem sich in elf Handschriften ein Fragment übereine angebliche Varusschlacht bei Augsburg erhielt (L. W e i 1 a n d MG. SS. 23,385—390). Es entstand wohl in karolingischer oder ottonischer Zeit und istbenutzt von Rurchard von Ursberg (Chronik 2 herausgegeben von 0. H o 1 d e r -Egger und B. v. Simson p. XII und 50 f.) und von Prior Adilbert vonSt. Ulrich und Afra für den Prolog in der Passio s. Afrae, vgl. Chroniken d.deutschen Städte 4,270 n. 4. Vgl. M. Hertz, ZfdA. 10,291 ff. In der Mitte des12. Jahrhunderts erfolgte dann noch eine Umarbeitung und Erweiterung.
1 Weder Justin 1, lf. noch Orosius 1, 4, Stelle über Brittonius—Britomartis p. 154,
1—8 kennen ihn. Das Stück über Ninus 5 ff. ist aus Solin 11, 8 genommen, vgl. Neues
stammt aus Oros. 1, 4, 1—3. Archiv 13, 214.
'2 (MG. SS. 8) 131,8; 3 p. 132,13; 6 * p. 142, 33ff. und 143, 26ff.
P-^M. _ s p . i43 ( 24f. Ausonius wird auch c. 20
Erdichtet ist wohl auch ein Galba Viator, des ursprünglichen Werkes zitiert.
aer in Kap. 3 und 6 angeführt wird. Die 6 p. 144,14 Sicut Gallica narrat historia