512 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
Widmung 1 heißt es (p. 36, 6) religiöse edocto L. s. Mediolanensis ecclesiae in reeimenarchipresbyteratus assumpto . . L. omnium minimus tuorum servus ... (13) multis quassa-tus tribulationibus* . . . quasi gravi e somno excitatus sum. Propterea cogitans si operibussaecularibus aut cultibus divinis studiose vacarem, aut fortia facta . . . enarrem, aut intercetera tribulationes, quas clerus Ambrosianus a perfidis civibus et maus sacerdotibus ipsosadhortantes passus est, narrare cogitavi. 3
Zu den Reden gibt er an, daß er viele ausgelassen habe (!) 3,18 p. 87, 8 At ut egomultas et varias orationes diversas . . . omittam, quae omnia scribere perlongum duxi modoperscribens in paucis multa comprehendam. Zum Ende Gregors VII. 3, 33 p. 100 12Gregorius . . . omnique spe auri et argenti amissa, e quibus s. Petri regias et cancellos etaltaria decrostando nudaverat, qua secum Romanos tenuerat bellicantes, magis diligentesaurum quam apostolum Paulum; nach der Erzählung von seinem Tode 3, 33 p. 100 31tamque malorum poenam emeritus interiit. Von alten Autoren kennt er Horaz 2,35 p. 73 \et auream mediocritatem retinentes Carm. 2,10, 5 und Lucan 2,34 p.69,36 et summis diustare negatum Bell, civ., 1, 70f., wohl auch Sallust, vgl. 3,1 p. 74,17 ff. Die Darstellungs-weise ist oft recht wenig bezeichnend und farblos und verwendet sehr viel Gemeinplätze.Grammatisch bedenklich sind z. B. singultus, i 2, 34 p. 70, 2 und Ventus est dies 3,3p. 74, 44. Von seltenen Worten führe ich an antevarda 2, 26 p. 63, 39; anteportale 2J 2p. 45, 50 und 2,26 p. 64, 8; inextimabilis 2,26 p. 64, 53, camerlengus (Kämmerlin'g)3, 32 p. 99, 45. Die Sprachform zeigt viele Italismen.
Ueberlieferung. Landulf wird benutzt vom Verfasser der Vita Arialdi und vonGalvaneus Flamma. Hss. Ambros. 128 s. XVII. Mediol. ducis Littae a. 1703. Ambros. 89s. XIV. Ausgaben beiMuratori, SS. rer. Ital. 4,59; von Wattenbach, MG. SS. 8,32(Migne 147,817). Vgl. Giesebrecht 2,534. O. Kurth, Landulf der Aeltere von Mai-land, Halle 1885. Wattenbach 2, 242.
3. DIE CHRONIK HUGOS VON FLAVIGNY
Hugo war aus vornehmer Familie 1065 zu Verdun oder in der Nähe derStadt geboren. Als Knabe kam er ins Kloster von St. Vannes zu Verdununter dem Abte Rodulf, der von Gregor VII. besonders zur Bekämpfungschismatischer Bischöfe ausersehen wurde, so daß auch Hugo frühzeitighierin Partei nahm. Als aber die Stellung der päpstlich Gesinnten nach demTode Gregors unsicher geworden war, begab sich Rodulf erst nach Flavignyund dann nach Dijon, und zwar auf Veranlassung des Dijoner Abtes Jarento.Mit ihm zog der junge Hugo, der Heimat und Verwandte verließ und seinemAbte anhing. Hugo gewöhnte sich aber so an Jarento, daß er bei ihm blieb,als Rodulf 1092 nach Verdun zurückkehrte. Jarento machte ihn mit Hugovon Cluni und dem Erzbischof Hugo von Lyon bekannt und führte ihn indas feine Gewebe kirchlicher Politik ein. So entstand in dem jungen Manne,in dessen Jugend die strenge Zucht des Richard von St. Vannes gewirkthatte, der Plan, eine Darstellung der Kirchengeschichte in Lothringen undBurgund zu schreiben. Sein Autograph hat sich erhalten.
Der Stoff floß ihm reichlich zu aus den großen Archiven und BibliothekenLyons, Dijons und Verduns, und sobald er neues erfuhr, war er bemüht zuergänzen, zu ändern, zu bessern und einzuschieben; nachdem er 1096 Abtvon Flavigny geworden war, fügte er am Rande oder auf Blättern das aufsein Kloster Bezügliche hinzu. Im Jahre 1095/96 begleitete er Jarento aufeiner Reise nach der Normandie und England und lernte hier, nachdem ervorher ganz auf Seiten Roms gestanden hatte, die römische Herrsch- undHabsucht vollauf kennen, die ihn zu dem Ausruf brachte: 4 „Was bringt
1 Aufschrift Epistola ystoriografl ad archi- von Boethius de consol. phil. 1, metr. 1.presbyterum missa. 4 MG. SS. 8, 475, 14 Sed quid mpertur-
2 Ist eine der sehr häufigen Wiederho- batum relinquit inexplebilis gurges no-lungen, vgl. 3,1 p. 73, 23. manae avaritiae? Vgl. p. 494, 12 Agit
3 Hier folgen die beiden ersten Distichen hoc Romanae aoaricie gurges inexplebius