E. Kirchen-, Bistums-, Stadtgeschichte 511
Ottos I. (2,16 p.52ff.). Am Ende von 2, 16 legt er eine Cantilena super sta-tum regis Alberti ein, ein Gedicht von vierzehn rhythmischen Langversenvon je zwei trochäischen Achtsilbern, wo die Kurzzeilen meist aufeinanderreimen - es ist eine Schmähung auf Adalbert und ein Preis Ottos I. Bei demstark ausgeprägten italienischen Patriotismus werden aber natürlich dieDeutschen mit nicht geringem Haß bedacht 1 und besonders die italienischeList gegenüber deutscher Trunkenheit hoch gepriesen; 2 diese Stelle ist kul-turgeschichtlich ebenso wichtig wie der Bericht über die Ketzerei von Mont-fort (2, 27 p.65f.). Dabei werden die kleinsten Dinge durch Wortschwall zugroßen Ereignissen umgestempelt. Von Bedeutung sind die Äußerungenüber die Nützlichkeit und die Selbstverständlichkeit der Priesterehe, 3 oderüber die Einrichtungen des Mailänder Bistums, wo die Auseinandersetzungüber die Schulen 4 sehr willkommen wäre, wenn sie nicht so überaus un-klar und schwerverständlich abgefaßt wäre.
Das dritte Buch hebt mit der Zeit nach dem Tode des Erzbischofs Heri-bert an (1045). Sein Hauptinhalt ist die Darstellung der Pataria und dasWirken Arialds und Arlembalds. Hier überwuchert die Rhetorik allerdingsin ungebührlichem Maße, 5 besonders in den persönlichen Charakteristiken 6und in den langen Reden. Im letzten Teile des Buches geht der Verfassersehr schnell vorwärts, von Papst Gregor wird anfangs nicht eben viel ge-sprochen, mehr dagegen von der Großgräfin Mathilde. Erst von der Erobe-rung Roms an erfährt man mehr über den Papst, dessen Tod dem LandulfGelegenheit zu scharfem Angriff auf ihn bietet, denn der Mailänder Kleruswollte von römischer Oberherrschaft nichts wissen. Damit aber hat dasleidenschaftlich geschriebene Buch sein Ende erreicht.
Zeugnisse. Vorhaben 2, 34 (MG. SS. 8, 70, 3) quae meis evenere temporibus non peromnia sed per aliquas partiunculas posteris, ut se a talibus custodiant, eloquar. SpätereTatsache 3, 30 p. 96, 24 ut postea in tempore quarti Anselmi archiepiscopi apparuit ... Cumenim post biennium suae consecrationis domnus Anseimus . . . Zum Stand und zur Zeitder Abfassung 3, 1 p. 73, 25 et multis mei animi vel ordinis tribulationibus quassatus . . .ad ea quae ego iam meis tabulis cardinalibus ad posterorum tutelam denotata esse recolo . . .incessanter redire curabo. Erinnerung an die alten Zustände 2, 34 p. 69, 45 At cum remi-niscor e quanta magniludine quantisque honoribus clerum ipsum negligentia sua cecidisse.Einziehung von Kunde 3, 17 p. 88,16 Mihi qui autem haec narravit, unus fuit ex Ulis;aus Büchern 3,2 p. 74,26... causis quasego multosudore multoque labore antiquos sciscitando. . civitatum Italiae totius librorum paginas rimando fere scrutatus sum et prout potuimulta in brevi comprehendens meis cartulis subscripsi. Zur Literaturbenutzung Paulinivita Ambrosii 1,1. 2,15. 3,12. 20. Gregorii registrum 3, 6. 9; Dialoge 7 3, 7. De situurbis Mediol. 2, 2 p. 45, 41 quod in verissimis annalibus et in descriptione situs Medio-lanirepperi und 2,15 p. 51, 58 ut in situ descriptionis eiusdem comperi; das Pontif. Roma-norum und die Gesta Langobardorum 2, 2 p. 46, 51 Qui mihi autem non credit, legatPontificale Romanorum seu gesta Langobardorum? Die Verse des Ambrosius 1,6 p. 40,35fL; Epitaph des h. Fronto 2,3 p.47, 32ff. Das in Genua gefundene Buch 2, 8 p.48,43mortuo Constantio Mediolanensis urbis episcopo quem ego ut supra in libro qui inIanuensi urbe inventus est, repperi. Die Nachweisungen von L. A. Ferrai im Archiv,stör. Lornb. 20, 509 und Bullett. dell' istituto stör. ital. 14, 5 ff.; L. Duchesne vgl.in Melang. dediees a G B. de Rossi (1892) S. 55 ff. Die Bemerkungen von Fed.Savio in Gli antichi vescovi d'Italia dalle origini al 1300 (Florenz 1913) 2,660ff. In der
1 Vgl. 2, 22 p. 59, 18f. 49ff. 7 2,5 p.47,55 heißt Gregor I. firegorius
2 Vgl. 2,22. 23. 3 2, 35 p. 70. dialogorum'.
2,35 p. 70,17—28. 8 Von dem, was er erzählt, steht freilich
Vgl. 3,3 p. 75, 26ff. hier nichts; er mag ein Exemplar des
Vgl. 3,14 p. 82, 50—83, 5 (Arlembald). Paulus mit Zusätzen gehabt haben.