D. Volks-, Dynasten-, Fürstengeschichten 505
Hans Sachs geworden. So beruht die Hamlettragödie auf Saxo Buch III, IV,doch hat sich Shakespeare auf eine verschollene Urhamlettragödte ge-stützt vgl. J. Schick, Corpus Hamleticum 1, 2 ff. und im Jahrb. d. deut-schen Shakespearegesellschaft 38, XIII —XLVIII; dazuSimrock, Die Quellendes Shakespeare 2 1, 103—133.
Merkwürdig aber ist die Form der Dänengeschichte. Zunächst fällt inden Büchern 1—8 der große Reichtum an Gedichten auf; es sind die altenSagas-Lieder, die Saxo, wie er selbst sagt, 1 in metrische Formen gebracht hat.Aber wie sich sein Werk von allen ähnlichen stark unterscheidet, so auchdiese Gedichte. Der Hexameter wird zwar öfters verwertet, jedoch ohneden Reim, dem Saxo, wie es scheint, geradezu aus dem Wege gegangen ist.Das Distichon tritt nur in kleineren Gedichten auf, dagegen sind Gedichtein den antiken Odenmaßen häufig, wofür jedenfalls besonders Boethiusund Prudentius Vorbilder gewesen sind. So finden sich Poesien in Glyko-neen, Hendekasyllaben, Adoniern, sapphischen Strophen, jambischen Tri-metern, daktylischen und trochäischen, katalektischen Tetrametern; zu-weilen liest man auch Gedichte, deren Verse verschiedene Odenmaße auf-weisen, 2 abgesehen von einigen in Epodenmaßen, wofür Horaz benutztwurde. Sehr eigentümlich nehmen sich aber in solcher Umgebung einigeFünfzehnsilber aus, 3 die allerdings hier vielleicht als katalektische trochä-scheTetrameter aufzufassen sind. Seltsam jedenfalls ist auch, daß p. 207ff.eine sapphische Ode von 50 Strophen steht. Diese Polymetrie 4 setzt inErstaunen zu einer Zeit, da man sonst entweder gekünstelte Leonini oderkünstlich gereimte Rhythmen schrieb. Und zwar ist das Metrum stetsrichtig gehandhabt, so daß man annehmen muß, daß im europäischen Nordendas Studium der Metrik noch weit später geblüht hat als im übrigen Europa.
Und zweitens ist als weiteres wichtiges Element die starke Anlehnunghervorzuheben, die sich Saxo an eine ganze Reihe alter Schriftsteller ge-stattet hat, wie von C. Knabe nachgewiesen wurde. 5 Zunächst sind es dieSchuldichter, die Saxo öfter benutzte, ferner Martian, dem er nicht nureiniges Sachliche sondern auch Sprachliches entlehnte und Sallust. 6 Beson-ders stark aber ist Saxos Abhängigkeit von Justin und in noch viel höheremGrade von Valerius Maximus. Am wichtigsten ist indes der Nachweis, daßsich Saxo auch an Curtius sehr häufig anlehnt, und zwar in den früher ge-schriebenen Büchern viel seltener als in den später verfaßten. 7 Saxo hatsich also erst nach und nach in diese römischen Historiker eingelesen undhat seine Lesefrüchte in den eigentlich geschichtlichen Teilen seines Werkesnur wenig, sehr reichlich aber in den Sagen angebracht. Natürlich ist seinStil dadurch nicht wenig beeinflußt worden, noch mehr aber seine Aus-drucksweise. Der Stil selbst ist außerordentlich gespreizt, wortreich undschwülstig und verrät eine besondere Neigung zur Rhetorik; geringfügigeDinge werden mit großen Worten gesagt und Übertreibungen mögen nicht
3 P-3,5ff. 2 Sop. 16,15ff. p. 22, 25 ff. « Die von Knabe bei Herrmann 1, 453
t P-.22,23f. aus Ammianus Marcellinus gebrachten
Die Metren sind aufgeführt von C. Ähnlichkeiten sind aber für wirkliche Be-
Vp ■ bei P ' Her rmann 1, 490ff. nutzung nicht beweiskräftig.
ßei P. Herrmann 1, 451—466. 7 A. a. 0. 1, 466 f.